2 Hamburger Hafen - Geschichte

In diesem Kapitel werden die für die Arbeit wichtigsten Eckpunkte der Geschichte des Hamburger Hafens in Kurzform geschildert.
Die erste historische Nennung einer ersten kleinen Hafenanlage geht bereits auf das neunte Jahrhundert zurück. Der offizielle Geburtstag des Hamburger Hafens ist auf den 7. Mai 1189 datiert, an welchem Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburgern die zollfreie Fahrt auf der Elbe bis zur Nordsee sowie das Marktrecht zusicherte (Hafen Hamburg Marketing, 2010). Die damals ausgestellte - und noch heute im Hamburger Rathaus gelagerte - Urkunde wird allerdings als eine Fälschung angesehen, trotzdem wird der 7. Mai weiterhin alljärlich als Hafengeburtstag gefeiert (Großweischede, 2007, S. 22).

2.1 Hansehafen und Handelshafen

Im Jahr 1321 erfolgte der Beitritt zum Städtebund Hanse. Während andere Hansestädte der Ostsee wie z.B. Lübeck eher in Richtung Norden und Osten orientiert waren, trieb die Stadt Hamburg früh Handel mit westlichen Ländern und Städten im Nordseeraum wie z.B. England, Amsterdam oder Brügge. Ein wesentliches Exportgut war das in Hamburg gebraute Bier, die Stadt galt lange Zeit als das „Brauhaus der Hanse" (Bracker, 1992). Im 16. Jahrhundert verlor die Hanse ihre Bedeutung und der neuentdeckte Seeweg nach Indien internationalisierte den Handel mit Mittelmeerländern wie z.B. Portugal. Es gewannen neue Industrien wie z.B. der Walfang an Bedeutung. Die Erschließung überseeischer Märkte durch den Handel mit Baumwolle, Tabak, Kautschuk, Kakao, Kaffee und Gewürzen führte zu allgemeinem Reichtum der in Hamburg ansässigen Kaufmannsfamilien, die im Volksmund auch „Pfeffersäcke" genannt wurden. Dieser neuartige Welthandel begründete schließlich die ersten Reedereien, wofür die Stadt noch heute bekannt ist (Großweischede, 2007, S. 24-26; Hafen Hamburg Marketing, 2010).

2.2 Hafenerweiterungen im 19. Jahrhundert

Der stetig wachsende Handel führte im 19. Jahrhundert zu den ersten städtebaulichen Erweiterungen des Hafens. Nach dem Bau der ersten Landungsbrücken in St. Pauli und der Errichtung eines Anlegers für die neuartigen Dampfschiffe wurde im Jahr 1532 der nördliche Teil des großen Grasbrooks - der Kehrwieder und der Wandrahm - in die befestigte Stadt einbezogen. Der Sandtorhafen wurde als erstes Hafenbecken im Jahr 1866 unter Leitung des damaligen Wasserbaudirektors Johannes Dallmann auf dem Großen Grasbrook vor dem geschleiften Stadtwall (Sandtor) angelegt. Fast zeitgleich fiel mit dem Generalplan für den Ausbau des Hamburger Hafens 1860 die weitreichende Entscheidung für einen Tidehafen und gegen einen Dockhafen, ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Hafens, auf den in Abschnitt 3.3 Bezug genommen wird.
An den neu geschaffenen Kais - nördlicher Sandtorkai und südlicher Kaiserkai - konnten Seeschiffe so anlegen, dass ein direkter Warenumschlag durch Kaischuppen und Schienenanbindung erstmalig möglich war. Die von See gut sichtbaren Spitze des Kaiserkais, das Kaiserhöft, wurde 1875 mit den Kaispeicher A bebaut, der bis zu seinem Abriss 1963 als Wahrzeichen des Hamburger Hafens galt (Großweischede, 2007, S. 26-28; Hafen Hamburg Marketing, 2010). An dieser Stelle wird seit 2007 das umstrittene Prestigeobjekt Elbphilharmonie verwirklicht.


2.3 Der Containerhafen im 20. und 21. Jahrhundert

Nach dem zweiten Weltkrieg begann in den 1960er Jahren durch die Erfindung des genormten Containers TEU (vgl. „Stückgut" in Abschnitt 3.1) eine Verlagerung des Hafenbetriebs Richtung Westen. Im Jahr 1968 begann der Ausbau Waltershofs zum ersten Containerterminal Burchardkai (CTB). Es folgten in den Jahren 1977 das Containerterminal Tollerort und 1999 das Eurogate Container Terminal Hamburg (CTH). Durch das Hafenerweiterungsgesetz von 1961 war die Stadt berechtigt, das Fischerdorf Altenwerder in den Jahren 1973 bis 1998 zur räumen und vollständig abzureißen. Lediglich der Friedhof und die Kirche sind heute noch erhalten. Im Jahr 2002 entstand dort das hochmoderne Containerterminal Altenwerder (CTA). Auch das südlich vom CTA gelegene Moorburg ist als Erweiterungsfläche des Hafens im Hafenerweiterungsgesetz vorgesehen (vgl. Abbildung 1). Diverse Hafenbecken wurden seit 1980 wieder zugeschüttet, um Stell- und Verladefläche für das große Containeraufkommen zu schaffen. In einer aktuellen Ausschreibung wird der Neubau des Containerterminals Steinwerder (CTS) - zentral im Hafen gelegen und auch durch Zuschütten alter Becken geplant (vgl. in Abbildung 1"Areal Mittlerer Freihafen") - vergeben.


Abbildung 1: Geplante Hafenerweiterungen (Hamburg Port Authority, 2005)




Heute rangiert der Hamburger Hafen nach Rotterdam und Antwerpen auf Platz drei - gemessen am Containerumschlag - der europäischen Häfen und weltweit unter den Top 10. In Abschnitt 4 wird detaillierter auf die geplante Hafenentwicklung und die Bedeutung des Containerhandels für den Hafen und die Region eingegangen.

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