3 Hamburger Hafen - Hintergrund

Um auf die aktuelle Situation und zukünftige Perspektiven in Kapitel 4 verständlich eingehen zu können, werden nachfolgend die wichtigsten Fachbegriffe aus der Schifffahrt in Kürze erklärt sowie die wirtschaftliche Lage anhand aktueller Statistiken und den Erfolgsfaktoren für die Entwicklung des Universalhafens Hamburg in den letzten Jahren beschrieben.

3.1 Fachbegriffe

Die folgenden Fachbegriffe sind in der Schifffahrt geläufig:

  • Güterumschlag: Der Güterumschlag - die Menge aller gehandelten Güter - ist einer der wichtigsten Indikatoren für wirtschaftliches Wachstum. Der Hamburger Hafen hat sich im Zuge der Globalisierung zu einem Welthafen entwickelt, der Gesamtumschlag konnte zwischen 1990 und 2008 mehr als verdoppelt werden (vgl. 3.2 Statistiken und Abb. 2).  
  • Stückgut: Als Stückgut bezeichnet man nicht flüssige Güter, die einzeln als Kisten, Säcke, Ballen oder Fässer ohne Standardmaße abgepackt sind und am Stück transportiert werden. 
  • Massengut: Massengüter fallen in großen Mengen an. Sauggut wie Getreide wird mit großen Saugern entleert. Greifergut wie Erze werden mit großen Greifern (Kränen) entladen. Flüssigladung wird mit Tankern transportiert und an Löschbrücken oder Flüssiggutanlagen entleert (leer gepumpt). 
  • Container: Als Container bezeichnet man Stückgut, das in Großbehältern transportiert wird. Die Container sind genormt, d.h. sie haben vorgeschriebene Größen. Ein 20-Fuß-ISO-Container entspricht 1 TEU, ein 40-Fuß-ISO-Container demnach 2 TEU. Ein 20-Fuß-Container hat eine Länge von 6,058 Meter, ein 40-Fuß-Container von 12,192 Meter. Die Breite beträgt einheitlich 8 Fuß (2,438 Meter), die Standardhöhe 8 Fuß und 6 Zoll (2,591 Meter) (GDV, 2010). 
  • Roll-on-Roll-off Schiffe: Ro-Ro-Schiffe können von Land aus direkt befahren werden, z.B. durch Autotransporte. Auch Sattelanhänger mit Containern (Trailer) werden auf diesen Schiffen transportiert (Trailer-Schiffe). 
  • LASH-Schiffe: Kleine Schiffe, die im Küstenbereich mit eigener Kraft fahren. Sie werden auf Spezialschiffe verladen und von Hafen zu Hafen transportiert. LASH heißt: lighter aboard ship. 
  • Freihafen: Ein Freihafen ist ein gesondertes Gebiete innerhalb eines Hafens, in welchem keine Zölle und Einfuhrumsatzsteuern erhoben werden. Dieser ist meist durch Grenzzäune und Zollstationen abgegrenzt. Ein Freihafen ermöglicht die Lagerung, Weiterverarbeitung und Veredelung importierter Waren wie z.B. Kaffee oder Mandeln. 
  • Feederschiffe: Ein Feederschiff ist ein speziell für Container- oder Autotransporte gebautes Frachtschiff und dient als Zulieferer für große Seeschiffe. Ein Feeder transportiert die Güter von den großen Seehäfen zu kleinen Küsten-, Kanal- und Binnenhäfen.

 

3.2 Statistiken und Prognosen

Die folgenden Statistiken belegen den wirtschaftlichen Erfolg des Hamburger Hafens der letzten 20 Jahre bis zum Jahre 2007/2008.

  • Umschlag: Der Gesamtumschlag konnte sich in den Jahren 1990 bis 2007 mehr als verdoppeln und betrug 2007 140,4 Mio. t. Massengut hatte daran einen Anteil von 42,5 Mio. t, Stückgut 97,9 Mio. t mit einem Containersisierungsgrad von 97,1% (vgl. Abbildung 2).  
  • Schiffsankünfte: Im Jahre 2008 liefen 11.899 Schiffe ein, wovon 7.155 Containerschiffe waren. 
  • Regionale Bedeutung: Direkt und indirekt hängen ca. 276.000 Arbeitsplätze von Hafen ab.  
  • Prognosen: Für das Jahr 2015 wird ein Umschlagsvolumen von 220 Mio. TEU für 2025 von 330 Mio. TEU vorausgesagt, was eine Verdoppelung zum Jahr 2007 bedeuten würde (vgl. Abbildung 2). 
  • Handelspartner: Das mit Abstand größte Handelsvolumen weist die VR China inklusive Hong-Kong mit mehr als 3 Mio. TEU pro Jahr auf. Es folgen Singapur, Russland, Finnland, Schweden, Polen, Südkorea, Malaysia, Brasilien und Japan mit jeweils weniger als 1 Mio. TEU (vgl. Abbildung 3). 
  • Binnenschifffahrt: Mit 12,2 Mio. Tonnen wurden im Jahr 2007 im Hinterlandverkehr des Hamburger Hafens so viele Güter wie nie zuvor per Binnenschiff transportiert (HPA, 2007). 

In den Jahren 2008/2009 stagnierte das Wachstum bzw. war rückläufig, worauf in Abschnitt 4.1 Wirtschaftskrise näher eingegangen wird.

Abbildung 2: Umschlag: Statistiken und Prognosen


Abbildung 3: Handelspartner des Hamburger Hafens

 


3.3 Erfolgsfaktoren

Der Hamburger Hafen konnte sich im Zuge der Globalisierung in den letzten 20 Jahren bis 2007 bedeutend wirtschaftlich zum größten deutschen und zweitgrößten europäischen Hafen entwickeln. Die wesentlichen Erfolgsfaktoren werden im Folgenden aufgeführt.

  • Seehafen im Binnenland: Durch die besondere geografische Lage tief im Binnenland fallen weniger kostenintensive Land- oder Feeder-Transporte an. Hamburg dient durch seine Anbindungen an Nordsee, Ostsee und Binnenelbe als Umschlagsplatz für Waren aus Asien, Westeuropa, Amerika, Skandinavien und Osteuropa. 
  • Universalhafen: Es können alle Arten von Gütern und Ladung in Hamburg gelöscht werden. 
  • Knotenpunkt: Verkehrstechnisch hat Hamburg sehr gute Verbindungen ins europäische Hinterland (vgl. Abbildung 4).
     
     

Abbildung 4: Hinterlandanbindung (Hamburg Port Authority, 2005)

Freihafen: Durch die zollfreie Veredelung und Lagerung im Freihafen siedelten sich diverse Röst- und Teppichindustrien in Hamburg an. 

  • Tidehafen: Durch die frühe Entscheidung für einen Tidehafen (vgl. Abschnitt 2.2) ist Hamburg zukunftssicher gegen steigenden Tidenhub und größer werdende Containerschiffe. Ein Tidehafen hat genügend tiefe Becken und Kaianlagen, die sowohl bei Ebbe wie bei Flut anlaufbar sind, gegenüber eines durch Schleusentore abgesperrten Dockhafens. Beispielsweise können die meisten Schleusenhäfen in England aufgrund der heutigen Schiffsgrößen nicht mehr angelaufen werden. 
  • Öffentliche Kaianlagen: In Hamburg sind Kaianlagen prinzipiell öffentlich. Dies hat einen großen Einfluss auf den Tourismus, wie z.B. in der neuen Speicherstadt. Ein lebendiges Hafenbild erhöht die Attraktivität und begünstigt neue Investitionen.  
  • Service Qualität: Durch einen 24/7 Einsatz, eine technisch hohe Verfügbarkeit und wenige Streiks ist die Service-Qualität für Reeder in Hamburg sehr hoch. 
  • Markt vor Ort: Hamburg nimmt als Großstadt bereits einen Großteil der Waren direkt vor Ort ab.

 

Diese Erfolgsfaktoren sind u.a. in dem Hafenentwicklungsplan aus dem Jahre 2005 berücksichtigt, der in Abschnitt 4.2.1 vorgestellt wird.

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