Analogkäse oder Vorderschinken? Ärger mit Schinken-, Käse und Fischimitaten für die Verbraucher

Plagiate in der Autorenszene oder bei den Musikschaffenden, das kennt man schon länger. Doch Plagiate bei der Lebensmittelproduktion? Leider müssen sich auch hier die Verbraucher auf nachgemachte Produkte einstellen. Bekannt wurde in den letzten Wochen, dass viele Pizza-Anbieter keinen echten Käse bei ihren leckeren Backwaren verwenden.

Analogkäse schmeckt zwar wie Käse, ist aber kein Käse, denn diese Auflage wird nicht aus Milch gemacht sondern aus Pflanzenfett.

Generell ist Experten es schon länger bekannt: Die industrielle Lebensmittelproduktion arbeitet seit vielen Jahrzehnten mit Ersatzprodukten, teilweise aus Kostengründen, teilweise um mittels Geschmacksverstärker die Produkte besser an die Frau oder den Mann zu bringen.

Die Kostengründe sind der Hintergrund beim Einsatz von Lebensmittelimitaten bei preiswerten Angeboten. Analogkäse ist in der Herstellung einfach günstiger als der echte Käse, der noch einen langen Weg von der Kuh bis zur Molkerei zurücklegen muss, bevor die aufbereitete Milch über verschiedene Produktionsstufen zum Käse geworden ist.

Vor ein paar Jahren war es das Formfleisch, dass Aufsehen erregte. Hier werden Fleischreste neu geformt und an Spießen oder in neu zusammengesetzten Fleischstücken verkauft. Jeder Verbraucher sollte sich fragen, wenn er mal wieder besonders günstige Fleischangebote im Kühlregal findet, wie denn ein so günstiger Preis möglich ist. Dass diese Produkte bereits in der Verkaufsschale gut gewürzt sind, sollte auch zu denken geben.

Auch wenn man beim Italiener um die Ecke Pizza mit Vorderschinken kaufen kann, dann sollte man mal darüber nachdenken, was ein Vorderschinken wohl ist. Denn echter Schinken kann nur aus dem Hinterteil des Schweins gewonnen werden. Beliebt ist auch der Einsatz von Gel-Schinken, der eine Varianten von Formfleisch darstellt. In meiner Kindheit kaufte meine Mutter etwas Ähnliches als Frühstücksfleisch.

Fisch ist gesund, dem wird man wohl kaum widersprechen können. Ob die Garnele dann aber noch schmeckt, wenn man weiß, dass sie aus gepressten Fischresten zusammengesetzt ist? Aber wer will das schon so genau wissen? Man kann aber davon ausgehen, dass die Lebensmittelimitate nicht aus gesundheitlichen Gründen problematisch sind. Wer eine ausgewogene Ernährung pflegt, dem können solche Imitate nichts anhaben, denn Eiweiß und Fette werden im Magen sowieso in die Grundbestandteile zerlegt.

Wer aber auf die Echtheit und Qualität der Produkte Wert legt, der wird große Probleme bekommen, wenn er nach den Informationen auf den Packungen mit der Lupe suchen muss. Allerdings sind solche Informationen zu finden und man muss nur die Sprache der Werber verstehen, wenn man damit klarkommen will. Wer in den Urlaub fährt und im Reiseprospekt Texte wie "Belebte Einkaufszone mit günstigen Einkaufsmöglich in der Nähe" findet, dem sollte klar sein, das er hier wenig Ruhe findet. Mit ähnlicher Methode müssen die Texte auf den Verpackungen der Lebensmittel gelesen werden. "Hähnchen-Schnitten Wiener Art", dass werden sicher keine Hähnchen-Schnitzel sein. Und "Kekse mit Schokocremefüllung" werden möglicherweise auch keine oder wenig Schokolade enthalten.

Allerdings ist die Information durchaus noch deutlicher gestaltbar. Darum will sich auch die Bundesverbraucherministerin bemühen: nach den Bundestagswahlen im September.

 

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