Die Arbeitnehmerüberlassung ist ökonomisch und politisch umstritten 

Der Begriff Arbeitnehmerüberlassung ist in Deutschland nicht sehr gebräuchlich, denn die Brache, die mit Arbeitnehmerüberlassung ihr Business betreibt, scheint den Begriff wohl aus Marketing-Gesichtspunkten nicht zu schätzen. Tatsächlich nennt sich aber das der Arbeitnehmerüberlassung zu Grunde liegende Gesetz Arbeitnehmerüberlassungsgesetz und stammt aus dem Jahre 1972, als in Deutschland die Arbeitnehmerüberlassung noch eine sehr geringe Bedeutung hatte.

Bei den Betreibern der Vermittlung von bei sich beschäftigen Arbeitnehmern wird Arbeitnehmerüberlassung lieber durch Zeitarbeit oder Personalleasing als Begriff ersetzt. Im gewerkschaftlichen Bereich spricht man eher von Leiharbeit, weil man gezielt die Beschäftigten im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung ansprechen will. Aus dieser unterschiedlichen Begriffswahl für Arbeitnehmerüberlassung wird schon deutlich, dass nicht nur der Begriff Arbeitnehmerüberlassung sondern auch die zu Grunde liegende Geschäftspraxis ökonomisch und politisch sehr umstritten ist.
Arbeitnehmerüberlassung bedeutet, dass ein Unternehmen seine Mitarbeiter gezielt an andere Unternehmen verleiht. Vertraglich stehen diese Arbeitnehmer dann auch nach der Arbeitnehmerüberlassung in einen Beschäftigungsverhältnis beim Verleih-Unternehmen. Dort haben sie auch ihre Ansprüche an Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und ihren Urlaubsanspruch umzusetzen. Das Unternehmen, dass die Mitarbeiter nach der Arbeitnehmerüberlassung im eigenen Betrieb einsetzt, hat nur das Direktionsrecht über diese Arbeitnehmer, weist die also in die Arbeit ein und sorgt für die Einhaltung der gesetzlichen und vertraglichen Regelungen, z.B. was Pausen und Arbeitsschutz angeht.
Umstritten ist die Arbeitnehmerüberlassung, weil es möglich ist, dass der Zeitarbeitnehmer unter Umständen schlechtere Konditionen hat, als der fest angestellte Mitarbeiter. Obwohl die Zeitarbeitnehmer eigentlich flexibler und anpassungsfähiger als die festangestellten Mitarbeiter sind, werden sie unter Umständen schlechter bezahlt oder haben sonstige Nachteile.
Trotzdem kann die Arbeitnehmerüberlassung auch Vorteile für die Arbeitnehmer bringen, wenn sie sonst keine feste Arbeitsstelle z.B. aus Altersgründen bekommen können. Unternehmen der Arbeitnehmerüberlassung sind unter Umständen auch bereit Mitarbeiter einzustellen, die ohne Arbeitnehmerüberlassung keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Dies gilt insbesondere in besseren Konjunkturphasen, wenn die Arbeitnehmerüberlassung sehr gut läuft. Denn dann haben die Unternehmen hohen Personalbedarf, den sie aber nicht durch neue Festanstellungen abdecken können oder wollen, denn der Auftragsboom kann schnell vorbei sein.
Im Allgemeinen wird auch aus gewerkschaftlicher Sicht die Arbeitnehmerüberlassung akzeptiert, wenn sie überwiegend für diese Produktionsspitzen eingesetzt wird und die Zeitarbeitnehmer durch einen gewissen Mindeststandard an Arbeitsgestaltung geschützt sind. Kritisch wird hier insbesondere gesehen, wenn bisher feste Arbeitsplätze abgebaut und durch Arbeitnehmerüberlassung ersetzt werden.

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