Anzahl der Freiberuflerzahl steigt an: Definition und Perspektiven

Erstmals ist die Zahl der freiberuflich Tätigen in Deutschland auf über 4 Millionen Personen gestiegen. Das berichtete die Wirtschaftswoche im Mai 2009.

Definition:
Als Freiberufler wird in Deutschland jemand bezeichnet, der nicht der Gewerbeordnung unterliegt und selbstständige künstlerische, schriftstellerische, wissenschaftliche, erzieherische oder unterrichtende Tätigkeiten ausübt. Diese freien beruflichen Tätigkeiten arbeiten auf der Grundlage einer besonderer beruflicher Qualifikation (meist ein Studium) oder auf Basis einer schöpferischer Begabung eigenverantwortliche und fachlich unabhängig und erbringen eine "Dienstleistungen höherer Art" im Interesse Ihrer Auftraggeber oder der Allgemeinheit. Typische Freiberufler sind Ärzte, Heilpraktiker, Journalisten, Autoren, selbständige Informatiker und Programmierer, selbständige Dozenten, Steuerberater, Psychologen und Künstler. Freiberufler sind privilegiert hinsichtlich des Steuerrechts, da sie keine Gewerbesteuer zahlen müssen und auch bei der Abrechnung der Einkommenssteuer vereinfachte Verfahren verwenden können.

Eingerechnet wurden in die Zahl der freiberuflich Tätigen die Freiberufler selbst und ihre Mitarbeiter. Ebenfalls angestiegen ist der Anteil der Freiberufler an der Wertschöpfung bzw. dem Bruttosozialprodukt. Jeder zehnte Euro wird in Deutschland von einem Freiberufler erwirtschaftet.

Die Wirtschaftswoche bezieht sich auf eine Vielzahl von Statistiken, die über die Website des IFB in Nürnberg abgerufen werden können: http://www.ifb.uni-erlangen.de/fs_statistik.htm

Die Anzahl der Erwerbstätigen in Freien Berufen liegt in Deutschland bei über 4 Millionen Personen und ist in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Seit 1977 hat sich die Zahl um das 2,8-fache erhöht.

Die Schwerpunkte freiberuflicher Tätigkeit sind recht gleichmäßig verteilt: Es gibt im Bereich der Heilberufe etwa 322.000 Beschäftigte, im Bereich der rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufe etwa 289.000 Beschäftigte, im Bereich der Kulturberufe etwa 257.000 Beschäftigte und bei technisch-naturwissenschaftliche Berufe etwa 185.000 Beschäftigte. Freiberufler kommen nicht selten aus der Zielgruppe der LOHAs, also Menschen, die sehr viel Wert auf ihre berufliche und individuelle Freiheit legen, Technik und Kultur begeistert sind und auf einen nachhaltigen Lebensstil achten.

Es ist auch davon auszugehen, dass die Zahl der freiberuflich Beschäftigten weiter ansteigt. Das hängt auch mit der Wirtschaftsentwicklung und der demographischen Lage zusammen. Mehr und mehr Personen im mittleren Alter sehen ihre Perspektive nicht mehr in einer Karriereentwicklung als Angestellter, sondern wollen sich freiberuflich positionieren. Auch viele Arbeitslose suchen hier einen neuen Einstieg in die Beschäftigung, da viele Arbeitgeber sich scheuen, aus dieser Altersgruppe neue Beschäftige zu rekrutieren. Deshalb fördert die Bundesagentur für Arbeit den Einstieg von Arbeitslosen in eine Geschäftsgründung über den Existenzgründerzuschuss.

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