Arbeitszeitkonten zur Flexibilisierung der Arbeitszeit 

Angesichts häufig wechselnder Ansprüche an die Arbeitsleistung von Mitarbeitern besteht für viele Betriebe das Problem, dass sie nicht immer passend genügend Arbeitsstunden zur Verfügung haben. In Zeiten des Booms werden dann Überstunden geleistet, die in den Zeiten des Rückgangs "abzubummeln" sind.

Diese Art der Flexibilisierung von Arbeitszeit ermöglicht es den Betrieben, Kündigungen zu vermeiden, die sonst nötig wären, um Arbeitskosten angemessen zum Umsatz zu halten. Häufig werden aber die Zeiträume sehr kurz gewählt, in denen Mehrarbeit und Minderarbeit gegeneinander getauscht werden können. Erst mit Arbeitszeitkonten, die auch über mehrere Jahre geführt werden können, ist es möglich, die Arbeitszeit wirklich effektiv flexibel zu halten.

Arbeitszeitkonten dienen also dazu, auf schriftlichen oder elektronischen Weg alle geleisteten Arbeitsstunden über den gesamten Beschäftigungszeitraum zu dokumentieren. Arbeitszeitkonten werden oft mit Gleitzeit in Verbindung gebracht, aber es gibt auch Arbeitszeitkonten, die in Betrieben mit festen Arbeitszeiten üblich sind. Dann nämlich, wenn der Betrieb nach Rücksprache mit der Interessenvertretung vorübergehend die gesamte Arbeitszeit aller Beschäftigten oder einzelner Beschäftigungsgruppen hoch oder runter setzt. Arbeitszeitkonten bedürfen der Zustimmung einer Mitarbeitsvertretung, die auch prüft, ob die gesetzlichen und vertraglichen Regelungen zur Arbeitszeit eingehalten werden. Denn Arbeitszeitkonten erlauben es nicht, die teilweise engen Regelungen des Arbeitszeit-Gesetzes zu überwinden.

Liegen Arbeitszeitkonten vor, dann erhält der Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen eine Mitteilung über die Arbeitszeit, die er geleistet hat und die Arbeitsstunden, die er über oder unter seiner Soll-Arbeitszeit hat. Existiert in diesen Betrieb Gleitzeit, dann ist der Mitarbeiter gehalten, für einen Ausgleich der Arbeitszeit bis zum nächten Dokumentationstermin zu sorgen.

Sehr langfristige Modelle von Arbeitszeitkonten laufen unter dem Stichwort Lebensarbeitszeitkonto. Hier ist es auch möglich, dass ein Mitarbeiter diese Arbeitszeitkonten nutzt, um vorzeitig in den Ruhestand einzusteigen. Hier ist allerdings auch das Problem gegeben, dass Arbeitszeitkonten verfallen könnten, z.B. wenn das Unternehmen schließt. Doch seit Anfang 2009 gilt ein "Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen", das auch als Flexi-II-Gesetz bekannt ist. Dieses Gesetz regelt den Insolvenzschutz und die Portabilität von Arbeitszeitkonten. Nun kann die Flexibilisierung der Arbeitszeit noch besser im Interesse der Mitarbeiter mit Arbeitszeitkonten gestaltet werden.

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