Bundesinstitut berufliche Bildung: Studie zu Bedarf an Ausbildungsplätzen

Deutschland braucht auf Grund der demographischen Entwicklung in den nächsten Jahren viele hochqualifizierte Fachkräfte und dafür eigentlich jetzt schon viele Ausbildungsplätze. Doch nach einer neuen Studie des renommierten BIBB (Bundesinstitut berufliche Bildung in Bonn) droht in Bezug auf beide Anforderungen ein erheblicher Mangel.

Seit Jahren liegt der Anteil von Jugendlichen ohne Berufsabschluss bei ungefähr 15 % - und ist damit viel zu hoch für Deutschland, das die Basis seines wirtschaftlichen Wachstums im hohen Qualitätslevel seiner Arbeitenden hat. Dies und weiteres mehr kann man in einen Gutachten des BIBB nachlesen: "Jugendliche ohne Berufsabschluss - Handlungsempfehlungen für die berufliche Bildung".
Download: http://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_gutachten_jugendliche-ohne-berufsabschluss.pdf.

Für die relativ hohe Zahl der Jugendlichen ohne Berufsabschluss gibt es Gründe auf der individuellen Ebene bei den Jugendlichen und in der Zahl und der Qualität der Angebote an Ausbildungsplätzen.

Ursachen:

Die individuellen Ursachen bei den Jugendlichen ohne Berufsabschluss sind ihre schlechten Bildungsvoraussetzungen wie fehlender oder schlechter Hauptschulabschluss und besondere Lebensumstände wie bildungsferner familiärer Hintergrund (z.B. Sozialhilfebezug oder allein erziehendes Elternteil). Die Studie stellt fest, dass es nicht am fehlenden Interesse bei den Jugendlichen liegt, wenn sie keine vollqualifizierende Berufsausbildung erfolgreich abschließen können. Fast alle Jugendlichen wollten einen Ausbildungsplatz bekommen, aber es gibt seit Jahren zu wenige Angebote. Ein Drittel der Jugendlichen, die eine Berufsausbildung begonnen hatten, konnten diese nicht erfolgreich abschließen, vor allen wegen schwieriger familiärer Rahmenbedingungen und ungünstiger Entscheidungsmöglichkeiten bei der Wahl des Ausbildungsziels. Insbesondere Jugendliche mit niedriger schulischer Vorbildung brechen sehr oft die Ausbildung ab.

Der zweite Grund für die niedrige Berufsausbildungsquote ist die geringe Zahl von Ausbildungsplätzen. Denn während die Zahl der Jugendlichen in den letzten Jahren angestiegen ist, blieb die Anzahl der Ausbildungsplätze gleich. Die Betriebe haben die Anforderungen für einen Ausbildungsplatz nach oben geschraubt. Wo früher Schüler mit Hauptschulabschluss genommen wurden, werden jetzt nur Realschul- oder Gymnasiums-Absolventen genommen. Der Staat reagierte mit Überbrückungsmaßnahmen (ergänzende Qualifizierungsmaßnahmen bei privaten Bildungsträgern) und schob damit den "Berg" der Ausbildungsinteressierten vor sich her. Diese Qualifizierungsmaßnahmen standen gleichzeitig unter hohen Erfolgsdruck bei geringen Möglichkeiten und sorgten für zusätzlichen Frust bei den Jugendlichen. Die Übergangsmaßnahmen waren also nicht geeignet, Jugendlichen mit Reifedefiziten eine Qualifikation zu verschaffen, sondern hatten im Wesentlichen die Funktion, die Ausbildungsmarktbilanz bloß rechnerisch zu stabilisieren.

Für das Jahr 2009 rechnet die BIBB-Studie wegen der Wirtschaftskrise mit einer weiteren Verschlechterung der Ausbildungsplatzsituation. Gegenwärtig sollte von staatlicher Seite mit einer Erweiterung und qualifizierten Verbesserung des überbetrieblichen Ausbildungsangebots reagiert werden. Die bisher als Kompensationsmaßnahme genutzte kontinuierliche individuelle Begleitung der jungen Leute mit schlechten schulischen Abschlüssen sollte über die episodische Beratung und punktuelle Handlungsunterstützung hinaus erweitert werden. Auf kommunaler Ebene sollten Mentorensysteme als direkte Unterstützungseinrichtungen etabliert werden.

Langfristig rechnet das BIBB aber mit einer Trendumkehr. Denn der demographisch bedingte Rückgang der Neuzugänge würde den Betrieben verdeutlichen, dass diese Ressource nicht mehr so einfach zur Verfügung steht wie bisher. Die Konkurrenz zwischen den Ausbildungsplatzsuchenden nimmt ab; die Konkurrenz zwischen den Betrieben um Interessierte nimmt zu.

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