Ausbildungsmarketing und Berufswahl im Web 2.0

Mit dem neuen Ausbildungsjahr starten über 500.000 Jugendliche ihre berufliche Ausbildung bei einem deutschen Unternehmen. Für viele eine Sackgasse, denn fast jedem Dritten macht der erlente Beruf schon während der Ausbildungszeit keine Freude. Auf der anderen Seite beklagen Ausbildungsbetriebe die hohe Anzahl schlecht informierter Bewerber und die fehlende Begeisterung für das Thema Ausbildung. Doch welche Möglichkeiten haben Jugendliche heute sich zur Ausbildung zu informieren und was können Unternehmen tun, um die richtigen Talente bereits frühzeitig an sich zu binden?

Schaut man die Karrierewebseiten großer Unternehmen an, so findet sich kaum Interaktionsfläche für die junge Zielgruppe. Informationen und die Darstellung sind weitgehend statisch, der Interessent findet keine Gelegenheit in Dialog zu treten. Eine Möglichkeit des persönlichen und direkten Austauschs bietet sich auf Bewerbermessen, die jedoch immer in eingeschränkten Zeitfenstern stattfinden. Keine Chance also für einen Jugendlichen sich im Primärmedium Internet zeitunabhängig und langfristig mit der Ausbildung und dem Unternehmen auseinanderzusetzen. Das in Zeiten, in denen Jugendliche bis zu 2 Stunden täglich online sind und der Austausch über Netzwerke eine wichtige soziale Funktion übernommen hat. Der Transfer bewährter Konzepte aus dem Ausbildungsmarketing in das Internet steht noch aus.

Das Web 2.0 kann an dieser Stelle einen wertvollen Beitrag leisten und zu einer Verbesserung der Situation für Unternehmen und Schüler beitragen: Wie auf Bewerbermessen können Azubis für ihr Unternehmen als Botschafter auftreten, um über Ausbildungen und Berufswahl zu informieren. So haben Schüler auch lange vor ihrem Schulabschluss die Chance sich im Internet mit den angebotenen Ausbildungen und dem Unternehmen zu beschäftigen. Der direkte und persönliche Austausch mit zukünftigen Kollegen lassen den Kontakt zu einem authentischen Erlebnis werden. Unternehmen wie edding oder Bertelsmann haben den Trend erkannt und lassen ihren Nachwuchs für die Zielgruppe von morgen bloggen. Ein Großteil der Unternehmen scheint diesen Weg der Darstellung jedoch noch zu scheuen. In Zeiten des Web 2.0 kann Meinungsmache für oder gegen das Unternehmen jedoch nicht vermieden werden. Das Employer Branding lässt sich nicht am Reißbrett entwerfen, sondern wird maßgeblich durch die Meinung und den Austausch der Betroffenen geprägt. Wer jedoch meint, den Austausch dadurch zu verhindern, dass man keine Interaktionsplattform anbietet, der unterschätzt die Dynamik des Web 2.0. Personaler stehen lediglich vor der Entscheidung, ob sie bereit sind, der Zielgruppe zu vertrauen und vielleicht sogar aus negativem Kommentaren zu lernen. Die möglichen Risiken im Ausbildungsmarketing 2.0 werden durch die positiven Aspekte deutlich überwogen. Und wenn der Wurm dem Fisch schmeckt, dann sind die Aussichten auf ein volles Netz begeisterter Azubi-Bewerber garantiert.

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