Psychologische Online-Beratung wird immer wichtiger 

Online-Beratung als Bestandteil einer psychologischen Therapie oder eines Coachings wurde bisher in der Wissenschaft und Publizistik kaum beachtet. Wenn es überhaupt Untersuchungen gab, dann wurde die psychologische Online-Beratung als Alternative betrachtet und häufig auch die Defizite gegenüber der "Face-to-Face"-Therapie hervorgehoben.

Mit dieser eingeschränkten Sicht auf die Möglichkeiten räumt nun Richard Reindl auf, wenn er aufzeigt, dass psychologische Online-Beratung wesentlich zur Findung neuer Zielgruppen für Beratung genutzt werden kann:
http://www.journal-fuer-psychologie.de/jfp-1-2009-04.html.

In den Anfangszeiten der Onlineberatung ab Mitte der 1990er Jahre konnte man es sich nicht vorstellen, dass eine psychologische Beratung im Internet stattfinden kann. Online-Beratung war eine "Notlösung", weil die Zielgruppe keinen Zugang zu einer Beratungseinrichtung aufnehmen konnte oder wollte. Inzwischen hat sich das Bild aber verändert. Psychologische Online-Beratung wird gezielt von gut ausgebildeten und hochqualifizierten Benutzern bevorzugt, die auch sonst ihre beruflichen und privaten Ansprüche im Online-Dialog erledigen. Diese Personen hätten auch Zugang zu Offline-Beratungseinrichtungen, schätzen aber eher aus Kostengründen und wegen der hohen Flexibilität die Online-Beratung.

In Deutschland erfolgen die meisten psychologischen Onlineberatungen durch freie Träger, wie sie in den Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege zu finden sind. Feststellbar ist, dass junge Menschen überproportional durch Online-Beratung ansprechbar sind. Klienten-Gruppen, die auch schwer durch Offline-Beratung erreichbar sind, werden wegen zusätzlicher Barrieren (Internet-Zugang, Fähigkeiten beim Umgang mit Computern) auch nicht durch die Online-Beratung erreicht. Deshalb könnte eine Verbesserung der Qualifikation und eine Verbreiterung des Internetzugangs in den nächsten Jahren auch neue Zielgruppen für die Online-Beratung bringen.

Vergleiche zwischen Online- und Offline-Beratung zeigen auf, dass besonders diejenigen psychologischen Online-Beratungen erfolgreich sind, die teilweise Face-to-Face Kommunikation (lokale Treffen von Interessenten und andere Möglichkeiten des Kennenlernens) in ihr Konzept einbeziehen. Schon in den 1990er-Jahren hatte sich beim Einsatz von E-Learning in Betrieben gezeigt, dass das persönliche Kennenlernen der Teilnehmer wesentlich für den Erfolg des Lernprozesses ist.

Psychologische Online-Beratung führt also nicht nur zur Erschließung neuer Zielgruppen sondern schafft auch neue Sichten zur Vergleichbarkeit der Wirkung von Online-Beratung mit herkömmlichen Vorgehensweisen psychologischer Beratung. Allerdings zeigt die Forschung auch auf, dass es eine digitale Ungleichheit bei der formaler Bildung gibt, wenn die Online-Beratung zum Einsatz kommt. Die Potentiale psychologischer Online-Beratung haben aber in den nächsten Jahren gute Erfolgsaussichten, denn die psychologische Online-Beratung boomt bereits jetzt. Insbesondere die Verschränkung von Online- und Offline-Beratung hat ein gutes Zukunftspotential. Hier wiederholt sich eine Erfahrung, die man von E-Learning-Konzepten kennt: Erfolge sind bei Online-Angeboten erst erwartbar, wenn Offline und Online zu einer optimierten Zusammenarbeit finden.

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