Die "abstrakte Verweisung" bei der Berufsunfähigkeitsversicherung 

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung soll dazu dienen, dass man im Fall einer eingetretenen Berufsunfähigkeit von dieser ausreichend Mittel zum Lebensunterhalt beanspruchen kann. Aus der Sicht der Versicherten tritt eine Berufsunfähigkeit ein, wenn die zum Lebensunterhalt notwendige berufliche Tätigkeit vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr ausgeübt werden kann.

Wenn beispielsweise ein Bäcker eine Mehlallergie bekommt, dann kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Möglicherweise gelingt es ihm nach einer Umschulung eine neue berufliche Tätigkeit zu beginnen, die seinen Lebensstandard erhält.(siehe dazu: umschulung wegen krankheit) Er erwartet dann von seiner Berufsunfähigkeitsversicherung eine angemessene monatliche Kompensations-Zahlung für die Zeit des Übergangs. Allerdings könnte es dann passieren, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung ihn darauf verweist, dass er ja bereits jetzt eine andere berufliche Tätigkeit ausüben könnte. Man spricht hier von abstrakter Verweisung, weil dieser Verweis zum Zeitpunkt des Abschlusses der Berufsunfähigkeitsversicherung auf eine andere berufliche Tätigkeit abstrakt - ohne Bezug auf eine bestimmte berufliche Tätigkeit - als Möglichkeit unterstellt wird.

Ob eine Möglichkeit zur abstrakten Verweisung in den Bedingungen der Berufsunfähigkeitsversicherung enthalten ist, kann nur eine genaue Lektüre dieser Bedingungen ergeben. Steht dort beispielsweise, dass eine Berufsunfähigkeit nur vorliegt, wenn das Ausüben des bisherigen Berufs oder einer anderen angemessenen Tätigkeit nicht mehr möglich ist, dann stellt sich die Frage, wer denn wie diese andere angemessene Tätigkeit zu benennen hat. Im Falle des Eintritts der Berufsunfähigkeit im bisherigen Beruf könnte die Versicherungsgesellschaft eine andere berufliche Tätigkeit skizzieren, die es dem Versicherten ermöglicht, etwa 80 % des bisherigen Einkommens zu halten.

Ältere Versicherungsverträge enthalten noch oft die die Möglichkeit der abstrakten Verweisung. Bei neueren Versicherungsverträgen wird häufig auf dieses Recht verzichtet und tatsächlich auf die konkrete Situation des Versicherungsnehmers abgestellt. Wer sich über diesen Punkt beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung unsicher ist, der sollte eine entsprechende schriftliche Klarstellung von der Versicherungsgesellschaft vor Abschluss des Vertrages einfordern.

 

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