Lobbyismus in Deutschland 

Lobbyismus in Deutschland hat eine lange Tradition, wie auch die Diskussionen um eine zu große Einflussnahme mächtiger Interessensverbände immer wieder und mit mehr und minder großer Intensität geführt wurden.

Prinzipiell ist anzumerken, dass sich Lobbyverbände- und Organisationen offiziell sowohl im Bundestag, wie auch im EU-Parlament akkreditieren lassen können und damit praktisch ungehinderten Eingang zu den zuständigen Abgeordneten und deren engsten Mitarbeitern bekommen. Dadurch haben sie die Möglichkeiten, den Entscheidern auf Ebene der Kommunal-, Landes- oder aber auch Bundespolitik wichtige Ressourcen (Studien, Experten, Expertisen, Umfragen, Infrastruktur, etc.) zur Verfügung zu stellen. So fließen Informationen schneller, was auch das Verabschieden entsprechender Gesetzesentwürfe beschleunigen und in die von den Lobbyverbänden gewünschte Richtung lenken kann.

Dies hat in erster Linie nichts mit Korruption oder Günstlingswirtschaft zu tun. Vielmehr nutzen Lobbyisten die ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente, um die Interessen ihrer Auftraggeber (Partikularinteressen) durchzusetzen. Kritisch wird dies, wenn diese Einzelinteressen über jenen des Gemeinwohls stehen.

Welche Interessen Lobbyverbände dabei genau verfolgen, ist natürlich immer auch abhängig vom Bereich, den sie vertreten. Generell jedoch können die Interessen so gelagert sein, dass beispielsweise eine Modifizierung der Vergabevorgaben für Aufträge aus öffentlicher Hand angestrebt wird oder aber auch, dass die Einfuhr ausländischer Produkte erschwert wird. Ganz gezielte Interessen richten sich aber auch auf die Erhöhung von Subventionen oder auf Steuererleichterungen.

Lobbyverbände haben hierbei mehrere Optionen ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. So können sie ihre Mitglieder zu Streiks und Demonstrationen aufrufen, ebenso wie sie Spenden und Spender vermitteln können.

Wenn Lobbyismus in Deutschland schließlich immer auch den Ruf hatte, sich irgendwo in der Grauzone zwischen Korruption und Vetternwirtschaft zu bewegen, hat dies auch damit zu tun, dass nicht wenige namhafte Politiker und Politikerinnen entsprechende Gesetze vorantrieben, die ihren späteren Arbeitgebern-also Unternehmen, denen sie nach ihrer aktiven Zeit als Politiker/innen als Berater, Vorstände, Präsidenten, etc. zur Verfügung standen -zu Gute kamen.

Beispiele dafür reichen von Matthias Wissmann und Gerhard Schröder über Wolfgang Clement und Guido Westerwelle.

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