Darlehensantrag beim Arbeitsamt funktioniert nur in Ausnahmefällen 

Normalerweise ist es nicht vorgesehen, dass das Arbeitsamt auf einen Darlehnsantrag reagiert. Denn die Bundesagentur für Arbeit (das frühere Arbeitsamt) bzw. die für die Zahlung von Arbeitslosengeld II zuständige Instanz (meist die Arbeitsgemeinschaft ARGE aus Kommune und Arbeitsamt) gewähren Leistungen auf Grund eines Rechtsanspruchs.

Entweder man hat diesen Anspruch gegenüber dem Arbeitsamt, dann bekommt man ihn auch ohne Darlehensantrag gewährt oder man hat diesen Anspruch nicht, dann hilft auch kein Darlehnsantrag.
Es gibt aber eine seltene Ausnahme von dieser Regel, dass kein Darlehnsantrag beim Arbeitsamt Erfolg haben kann und zwar im Sozialgesetzbuch 2, das für die Gewährung von Leistungen an Arbeitslosengeld II-Empfänger Gültigkeit hat. § 23 SGB 2 spricht die Möglichkeit eines Darlehnsantrags für begrenzte Einzelfälle an. Ein Darlehnsantrag beim Arbeitsamt (im Gesetz steht Agentur für Arbeit - gemeint kann nur die für den Arbeitslosengeld II-Empfänger zuständige Einrichtung sein) hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn "... im Einzelfall ein von den Regelleistungen umfasster und nach den Umständen unabweisbarer Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhalts weder durch das Vermögen nach § 12 Abs. 2 Nr. 4 noch auf andere Weise gedeckt werden... (kann)." (Quelle: http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_2/__23.html). Dabei interpretiere ich "von der Regelleistung umfasster" als Anspruch, der vom Grundsatz her dem Anspruchsberechtigten zusteht, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in der Regelleistung enthalten ist. Das Gesetz macht keine weiteren Aussagen, welche Ansprüche dies genau sein könnten, um dem Darlehnsantrag beim Arbeitsamt zum Erfolg zu verhelfen, sondern benennt lediglich drei Fälle, bei denen keinesfalls der Darlehnsantrag beim Arbeitsamt Erfolg haben wird: "

1. Erstausstattungen für die Wohnung einschließlich Haushaltsgeräten,
2. Erstausstattungen für Bekleidung und Erstausstattungen bei Schwangerschaft und Geburt sowie
3. mehrtägige Klassenfahrten im Rahmen der schulrechtlichen Bestimmungen" (Zitat mit gleicher Quelle).

Für diese drei Fälle ist kein Darlehnsantrag beim Arbeitsamt erforderlich, weil sie gesondert erbracht werden.
Weitere Hinweise zum Darlehensantrag beim Arbeitsamt gibt der Absatz 5 des § 23 SGB 2:"Soweit Hilfebedürftigen der sofortige Verbrauch oder die sofortige Verwertung von zu berücksichtigendem Vermögen nicht möglich ist oder für sie eine besondere Härte bedeuten würde, sind Leistungen als Darlehen zu erbringen." (Zitat von gleicher Quelle).
Ich interpretiere dies so, das der Arbeitslosengeld II-Empfänger dann einen Darlehnsantrag mit gewissen Erfolgsaussichten beim Arbeitsamt stellen kann, wenn er das Darlehen nutzen will, um die Verwertung seines Vermögens (vorerst) zu vermeiden. Arbeitslosengeld II bekommt man nur, wenn man bedürftig ist. Und Bedürftigkeit liegt nicht vor, wenn man eine gewisse Vermögensgrenze überschreitet, die abhängig vom Lebensalter ist.
Im Einzelfall ist es zwar vorstellbar, dass man mit einem Darlehnsantrag beim Arbeitsamt als Arbeitslosengeld II Empfänger die Verwertung seines Vermögens zu schlechten Bedingungen vermeiden kann, aber für das Darlehen des Arbeitsamtes sind sehr hohe Tilgungsraten vorgesehen. Sie vermindern die auszuzahlende Regelleistung um 10%.
Möglicherweise vermindert sich die Notwendigkeit für einen Darlehnsantrag beim Arbeitsamt noch weiter, wenn die gegenwärtigen Pläne zur Anhebung der Vermögensgrenzen wirksam werden. In der Praxis beim Arbeitsamt werden bereits jetzt kaum Anträge auf Arbeitslosengeld II mit der Begründung zu hohen Vermögens abgelehnt.

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