Bachelor und Master: Die Grundidee des Bologna-Prozesses 

An den Hochschulen in Deutschland wird nahezu täglich über den "Bologna-Prozess" diskutiert und gestritten; in der breiten Öffentlichkeit kann kaum jemand etwas damit anfangen. Erst als Studenten vor kurzem mit einen Streik auf sich aufmerksam machten, wurden die Bachelor und Master zum Alltagsgespräch.

Es handelt sich Begriffe von Universitäts- und Fachhochabschlüssen. Früher bereiteten die meisten Unis ihre Studenten auf Abschlüsse vor, die als Staatsexamen, Diplom oder Magisterabschluss bezeichnet wurden. An den Fachhochschulen wurden Diplome mit dem Zusatz FH erteilt. Unter 10 Semester (5 Jahre) war kaum an solcher Abschluss an der Uni zu bekommen (Fachhochschulen etwa ein bis zwei Jahre weniger).

Das galt nicht nur in Deutschland als zu lang. Im Jahr 1999 unterzeichneten daher Regierungsvertreter aus 29 europäischen Ländern die "Bologna-Erklärung", deren erklärtes Ziel eine Vereinheitlichung der Ausbildungen und Abschlüsse an den Hochschulen in Europa wurde: Bis 2010 soll die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes erreicht werden. Die Ausbildungen an den Hochschulen sollen auch so mehr Durchlässigkeit schaffen und über eine Verkürzung der Ausbildung soll die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen gesteigert werden.

Zentraler Reformpunkt ist die Abschaffung der bisherigen Abschlüsse. Die Ausbildung soll auch gestuft gestaltet werden. Meist kann ein Student innerhalb von 6 Semestern einen ersten Abschluss, den Bachelor, erreichen. Für die besten Absolventen ist dann als zweite Stufe der Master (meist 4 Semester) vorgesehen. Diplom und Magister werden abgeschafft, das Staatsexamen für Lehrer und Juristen bleibt vorerst noch teilweise erhalten. Die letzten Magister und Diplomanten werden demnächst ihre Prüfung abgelegt haben. Bereits im letzten Wintersemester waren 75 % der Unistudenten in den neuen Studiengängen (Fachhochschulen 94 %).

Ebenfalls sehr wichtig ist die Neueinführung eines Punktesystems während der Studienzeit. Das kennen die Studenten schon von der Oberstufe des Gymnasiums, wo sie auch über die Ausbildungszeit bei jedem Fach Punkte sammeln konnten und mussten. Das wird an den Hochschulen auf die Veranstaltungen übertragen. Früher musste der Student (Seminar-)Scheine sammeln; heute wird jedem Schein eine genau definierte Punktzahl (Modularisierung und Creditpoints-System) zugeordnet.

Obwohl das Konzept konsequent durchdacht ist und auch viele positive Ansatzpunkte für Gestaltungsmöglichkeiten bietet, sind viele Studenten und Hochschullehrer wenig begeistert. Das liegt zum einen daran, dass viele Hochschulen die kürzeren Bachelor-Studiengänge mit zu vielen Inhalten belastet haben. Dies führt dann bei den Studenten zum Stress und prinzipielle Wahlmöglichkeiten und Studienaufenthalte im Ausland können nicht genutzt werden. Gleichzeitig ist die Ausbildung der Bachelor-Studenten weiter verschult worden. Und zum Master werden nur die besten Studenten zugelassen; das bedeutet gegenüber dem früheren Zustand ein Rückgang von Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Eine Rückkehr zum früheren Zustand ist angesichts des europäischen Rahmens der Reform schwer vorstellbar. Erfolgsversprechender sind Reformbemühungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen: Entlastung der Bachelorstudiengänge von weniger wichtigen Inhalten und mehr Möglichkeiten, zum Masterstudiengang zu kommen. Denn unklar ist auch, ob die Arbeitgeber überhaupt den Bachelor als ausreichenden Studienabschluss anerkennen werden.

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