Umschulung - wie hilft das Arbeitsamt?

Die Gründe für eine anhaltende Arbeitslosigkeit sind unterschiedlich und reichen von der schlechten wirtschaftlichen Lage mancher Betriebe bis hin zur mangelnden Ausbildung des Betroffenen. Doch auch wenn sich Arbeitslose oft mit Vorurteilen konfrontiert sehen, ist der Großteil stets um eine neue Anstellung bemüht.

Das Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung des Sozialstaates, die dem Arbeitslosen trotz seiner momentanen Situation eine angemessene Lebenshaltung erlauben soll. In der Regel stammt das Arbeitslosengeld aus einer Arbeitslosenversicherung, in die zuvor eingezahlt wurde. Ist das nicht der Fall, wird es über Steuern finanziert. Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, wird nun zwischen Arbeitslosengeld I und II entschieden. Das Arbeitslosengeld II ist das Ergebnis einer Gesetzesänderung und wurde zum 1. Januar 2005 eingeführt. Es richtet sich auch an diejenigen, die zwar nicht arbeitslos sind, aber deren Einkommen sowie andere Vermögensverhältnisse nicht ausreichen, um die Grundsicherung zu gewährleisten.
Um sich besser zu qualifizieren zu können, bietet das Jobcenter verschiedene Möglichkeiten an. Ob Umschulungsangebote, Weiterbildung oder Vermittlungsgutscheine – Hilfe kann von jedem Betroffenen in Anspruch genommen werden.

Umschulung

Eine Umschulung ist im Grunde ähnlich wie eine Ausbildung. Allerdings wird die Ausbildungszeit hier um ein halbes bis ein Jahr verkürzt. Sie ist für diejenigen geeignet, die entweder schon über eine Ausbildung verfügen oder bereits entsprechende Berufserfahrungen haben. Oftmals kommt eine Umschulung in Betracht, wenn gesundheitliche Gründe die weitere Ausübung des bisherigen Jobs unmöglich machen (zum Beispiel bei Allergien). Auch viele Mütter sind bei einem Wiedereinstieg in das Berufsleben nach der Eltern- bzw. Erziehungszeit mit einer Umschulung gut beraten. Häufig lässt die Nachfrage in einem bestimmten Beruf über die Jahre nach – tatsächlich unterliegt der Arbeitsmarkt einem ständigen Strukturwandel.
Wie bei einer Ausbildung wird die Umschulung mit einer Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer abgeschlossen. Der Umschüler bekommt einen anerkannten IHK-Berufsabschluss oder etwas Gleichwertiges wie zum Beispiel einen Gesellenbrief.

Dauer

Die Dauer der Umschulung hängt vom jeweiligen Beruf ab. So haben kaufmännische Ausbildungen in der Regel eine Umschulungszeit von 24 Monaten, bei technischen Berufen sind es sogar 30 Monate.

Arten der Umschulung

a) betriebliche Umschulung

Bei einer betrieblichen Umschulung nach dem Berufsbildungsgesetz (BBIG) findet die komplette Ausbildung in einem Ausbildungsbetrieb statt. Der Berufsschulunterricht an einer staatlichen Schule wird empfohlen, die Teilnahme daran ist aber keine Verpflichtung für Umschüler. Vielmehr geht man davon aus, dass gewisse Grundkenntnisse aufgrund des Erstberufes vorhanden sind.
Bei dieser Art der Umschulung übernimmt entweder der Ausbildungsbetrieb oder die Agentur für Arbeit die kompletten Kosten.

b) schulische Umschulung

Hier findet die Umschulung an einer Berufsfachschule statt. In der Regel werden betriebliche Praktika absolviert. Da eine solche Umschulung häufig Geld kostet, muss auch hier wieder die Agentur für Arbeit einspringen.

c) Umschulung bei einem Bildungsträger

Überbetriebliche Umschulungen bei einem Bildungsträger ersetzen einen Ausbildungsbetrieb. Hierbei handelt es sich um sogenannte Übungsfirmen oder –werkstätten, in denen die Umschüler ihren neuen Beruf erlernen. Um eine praxisnahe Ausbildung zu gewährleisten, werden auch hier Praktika in Betrieben absolviert. Die Umschüler erhalten zwar eine Vergütung, doch um die Lebenshaltungskosten abzudecken, werden auch Kosten von der Agentur für Arbeit übernommen.

Bildungsgutschein

Die Übernahme der Kosten für eine Umschulung durch die Agentur für Arbeit oder andere Leistungsträger wie zum Beispiel die Landesversicherungsanstalt hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab.

Voraussetzungen

Der Antragsteller muss ein Mindestalter von 18 Jahren haben und eine Erstausbildung bzw. drei Jahre berufliche Tätigkeit vorweisen. Dabei ist es allerdings unerheblich, ob diese Ausbildung abgebrochen wurde oder erfolgreich beendet werden konnte. Weiterhin darf es dem Antragsteller nicht mehr möglich sein, in dem erlernten Beruf zu arbeiten. Das kann physische oder psychische Gründe haben oder durch die allgemeine Lage auf dem Arbeitsmarkt bedingt sein. Der gewünschte Umschulungsberuf sollte so ausgewählt werden, dass eine (drohende) Arbeitslosigkeit dauerhaft verhindert werden kann. Eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt sollte mit dem neuen Abschluss äußerst wahrscheinlich sein. Wichtig sind hierbei jedoch auch immer die eigenen Fähigkeiten und Neigungen. Man sollte genau überlegen, in welcher Branche man in Zukunft Fuß fassen möchte. Auch kann eine Umschulung notwendig sein, weil bisher ein Berufsabschluss fehlt.
Werden diese Voraussetzungen erfüllt, sollte man sich mit dem Berater der Agentur für Arbeit zusammensetzen. Dort wird darüber beraten, ob der Antragsteller einen sogenannten Bildungsgutschein erhält. Er ist lediglich eine freiwillige Leistung des Arbeitsamtes. Erhält ein Antragsteller einen solchen Bildungsgutschein, ist das gleichzeitig die Zusicherung, dass alle anfallenden Kosten der Weiterbildung übernommen werden. Zu den Leistungen der Agentur für Arbeit zählen dann Lehrgangs- und Fahrtkosten, eine Verpflegungspauschale sowie die eventuelle Betreuung von Kindern. Auch eine notwendige auswärtige Unterbringung wird oftmals vom Leistungsträger übernommen.

Kursnet/ Weiterbildungsangebote

Kursnet ist ein Portal für die berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit. Unter dem Link http://www.kursnet.arbeitsagentur.de/kurs/index.html findet man Deutschlands größte Aus- und Weiterbildungsdatenbank. Aktuell sind mehr als 600.000 Bildungsangebote in der beruflichen Aus- und Weiterbildung verfügbar, mehr als 438.000 davon können mit einem Bildungsgutschein genutzt werden. Zudem gibt es rund 18.000 Studienangebote.
Etwa 18.000 Bildungsanbieter sind hier registriert, die über eine individuelle Such- und Filterfunktion gefunden werden können. Eine Qualitätssicherung der Kursnet-Umschulung im Vorfeld sorgt insgesamt für ein hohes Niveau.
Bei Fragen steht eine Servicehotline zur Verfügung, die nicht nur über die Umschulungsberufe, sondern auch über die Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten berät.
Aber die Agentur für Arbeit hält in der Regel auch noch Informationsmaterialen von örtlichen Bildungseinrichtungen für Interessenten bereit. Zudem finden sich in vielen Tageszeitungen entsprechende Angebote wie zum Beispiel die des Berufsförderungswerkes (BFW).

Vermittlungsgutscheine für Arbeitslose

Arbeitslose mit einem Anspruch auf Arbeitslosengeld bzw. Arbeitslosenhilfe können von der Agentur für Arbeit einen Vermittlungsgutschein anfordern. Ein solcher Gutschein ermöglicht es dem Arbeitssuchenden, sogenannte private Vermittler mit der Jobsuche zu beauftragen. Dieser schließt mit dem Gutscheinbesitzer einen schriftlichen Vermittlungsvertrag ab. Die Vermittlungsgebühr darf dabei nicht höher als der im Gutschein genannte Betrag sein. Für Arbeitslose, die bis zu sechs Monate ohne Anstellung waren, bekommt ein Vermittler 1.500 Euro. 2.000 Euro sind es nach einer Arbeitslosigkeit zwischen sechs und neun Monaten. Wer länger als neun Monate arbeitslos ist, bekommt einen Vermittlungsgutschein in Höhe von 2.500 Euro. Die Dauer der Arbeitslosigkeit wird anhand der letzten zehn Monate vor der Beantragung des Gutscheines berechnet.

Erfolgreiche Vermittlung?

Als erfolgreich gilt die Vermittlung, wenn es zu einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis innerhalb Deutschlands mit einer Dauer von mindestens drei Monaten kommt. Die Mindestarbeitszeit pro Woche sollte dabei 15 Stunden betragen. Sind diese Bedingungen erfüllt, bekommt der private Vermittler den Gutschein ausbezahlt. Um sich so gut wie möglich vor Betrug zu schützen, zahlt die Agentur für Arbeit den Vermittlungsgutschein in zwei Beträgen aus. Die erste Rate in Höhe von 1.000 Euro wird bei Beginn des Beschäftigungsverhältnisses ausgezahlt, der Rest erst nach sechs Monaten. Wird der Vertrag während dieser Dauer aufgelöst, entfällt die zweite Rate für den Vermittler und er erhält insgesamt nur 1.000 Euro.
Arbeitssuchende können mehrere Vermittler ihrer Wahl gleichzeitig beauftragen. Die Bezahlung bei erfolgreicher Vermittlung erfolgt ausschließlich durch die Agentur für Arbeit, der Arbeitssuchende muss zu keiner Zeit in Vorkasse treten. Anspruch auf den Vermittlungsgutschein haben übrigens auch diejenigen, die sich gerade in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) oder in einer Strukturanpassungsmaßnahme (SAM) befinden.
Um den Gutschein zu erhalten, genügt ein formloser Antrag. Ob per Brief, Fax, E-Mail, telefonisch oder persönlich, bleibt natürlich jedem selbst überlassen.

Berufliche Weiterbildung

Die berufliche Weiterbildung bzw. Fortbildung soll die berufliche Handlungsfähigkeit erhalten, anpassen oder erweitern und einen Aufstieg ermöglichen.
Vor allem der technologische Fortschritt sorgt für die Notwendigkeit, die beruflichen Fähigkeiten sowie das bereits erworbene Fachwissen immer wieder den neuesten Entwicklungen anzupassen. In einigen Branchen ist es zwingend erforderlich, sich den neuen Bedingungen zu stellen, da man ansonsten nicht mehr konkurrenzfähig ist. Aber auch Mütter nach der Erziehungszeit sehen sich häufig ganz neuen Aspekten ihres eigentlichen Berufsbildes gegenübergestellt und erhöhen Dank der Weiterbildung die Wiedereinstiegschancen.

Diese Form der Erwachsenenbildung ist gesetzlich festgehalten. Angeboten wird sie sowohl von öffentlichen als auch privaten Trägern.
In der Regel muss die berufliche Weiterbildung vom Arbeitnehmer selbst finanziert werden. Arbeitslose oder Rehabilitanden allerdings bekommen diese häufig von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt. Die Möglichkeiten der Weiterbildung sind vielfältig. Ob Kurse an der Abendschule, Trainee, Praktikum oder Volontariat – am besten lassen sich Arbeitssuchende im Jobcenter beraten. Doch auch Eigeninitiative ist gern gesehen und so kann man sich bereits im Vorfeld zum Beispiel über Tageszeitungen, Volkshochschulen, etc. Informationen beschaffen.

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