Sprachlenkung im Nationalsozialismus 

Das dritte Reich entwickelte zwar keine neue, eigene Sprache, aber es sorgte für eine Veränderung vieler Begriffe auf emotionaler Ebene, änderte die Häufigkeit im Gebrauch von Parolen und Schlagwörtern, und sorgte für einige, wenige Wortneubildungen.
Viele Sachverhalte wurden sprachlich extrem vereinfacht, und in Form von plakativen Werbeparolen ständig wiederholt. 
Die Sprachlenkung im Nationalsozialismus mit psychologisch durchdachtem Vokabular verfolgte das Ziel, dass durch den kontrollierten Sprachgebrauch die brutal durchgesetzte politische Richtung eine größere Akzeptanz von der Bevölkerung durch Wortverherrlichung und Verschleierung erfahren sollte.
Das tatsächliche Geschehen wurde durch die Sprache weitgehend verharmlost und beschönigt.
Sehr gerne wurde mit Metaphern aus Medizin und Landwirtschaft gearbeitet; Juden wurden - wie Unkraut - "ausgemerzt", der Begriff "Blutvergiftung" bekam plötzlich eine völlig andere Bedeutung, und meinte nichts anderes als die "Rassenverunreinigung".
Wer nicht den Rassemerkmalen entsprach, tat gut daran "abzuwandern" (was allerdings nichts mehr mit einem lustigen Wanderausflug zu tun hatte), um nicht "evakuiert", "sonderbetreut" oder "ghettoisiert" zu werden; denn dies alles waren Begriffe, die die Hinrichtung tausender von Juden und Regimegegnern beschönigten.
Viele Dinge wurden sprachlich verschleiert und schöngeredet, um sie weniger grausam erscheinen zu lassen, so wurde die Judenfrage mit der "Endlösung" beantwortet, im KZ gab es "Sonderbehandlungen" unter "Schutzhaft", und es gab den "Gnadentod".
Es gab Wörter, die schlichtweg verboten wurden, wie „Sabotage“ oder „Katastrophe“, und andere, die eine Verengung in ihrer Bedeutung erfuhren oder durch andere Begriffe ersetzt wurden. Der "Volkstrauertag" wurde schlichtweg zum "Heldengedenktag“ erklärt, und der Begriff "Mischehe" wurde plötzlich nur noch angewandt für eine Ehe zwischen Nichtariern und Ariern. Ein "Konzentrationslager" war ursprünglich in seiner Bedeutung vor dem Nationalsozialismus, bevor es zum Massenvernichtungslager für Menschen jüdischer Abstammung wurde, nichts anderes als ein Internierungslager.
Ursprüngliche Begriffe aus der Viehzucht, wie "Abstammungsnachweis" sollten plötzlich der Begriff für den genetischen Nachweis deutscher Abstammung sein, es kam auch zu Wortneuschöpfungen wie der "Aufnordung", die dazu dienen sollte, in einem Mischvolk den Anteil der viel propagierten "nordischen Rasse" zu erhöhen. 
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