Wie hängt damit Gewalt, Sexismus oder Faschismus zusammen?  Was ist eigentlich Rassismus

Rassismus

Es ist davon auszugehen, dass Rassismus immer dann vorliegt, wenn bestimmte koerperliche Merkmale oder Eigenschaften qualitativ bewertet werden, z.B. wenn Hautfarben Rueckschluesse auf die geistigen Potenzen geben sollen. Des weiteren liegt Rassismus dann vor, wenn gelerntes Verhalten, z.B. Intelligenz, naturalisiert, d.h. als angeboren unterstellt wird. Diese Arten des Rassismus bezeichnet man auch als genetischen Rassismus. Rassismus liegt z.B. auch vor, wenn behauptet wird, dass Frauen per se weniger Rationalitaet, dafuer von Geburt an aber mehr Gefuehl zukomme als Maennern usw.
Neben dem genetischen Rassismus gibt es einen sogenannten kulturellen Rassismus. Er liegt immer dann vor, wenn bestimmte Lebensgewohnheiten, Sitten und Gebraeuche anderer als negativ abweichend deklariert werden. Dieser kulturelle Rassismus scheint auf dem Vormarsch zu sein. Auch diese Form des Rassismus dient der Praxis der Ausschliessung anderer, die man benoetigt, um ihnen den umkaempften Platz an der Sonne streitig zu machen. (1) Der Rassismus des sogenannten "Ethnopluralismus" liegt darin, dass er eine Vermischung von Menschen, die unterschiedlichen Kulturen angehoeren, nicht zulassen will. (2)
Darin geht die Vorstellung ein, dass bestimmte vorhandene genetisch bedingte und/oder historisch-kulturell tradierte Eigenschaften und Lebensgewohnheiten dieser Voelker sich nicht nur mit den unseren nicht vertragen, sondern dass Rassen- und Voelkermischung zur Degeneration der Menschheit, insbesondere zum Untergang der deutschen Menschheit, der deutschen Nation fuehre. Der Rassismus der Rechtsextremen aeussert sich heute also in der Tat meist nicht mehr in Form von Antisemitismus. Er geht darueber hinaus: Man will die Trennung aller sogenannter Menschen-" Rassen" und Voelker oder, wie man auch sagt: Ethnien. Den breiten Waehlermassen wird dies dann mit Parolen wie "Deutschland den Deutschen!, Die Tuerkei den Tuerken!", "Asylanten ausweisen!" oder aber auch "Auslaender raus!" nahezubringen versucht! Fuer die Funktionaere werden pseudowissenschaftliche Begruendungen bemueht, wie z.B. staendig in der Zeitschrift "Nation Europa", in der man sich immer wieder zu der Annahme versteigt, dass Rassismus selbst eine angeborene Eigenschaft aller Menschen und deshalb niemals vermeidbar sei. (3)

Hier wird deutlich, dass die Rede von der Auslaenderfeindlichkeit eigentlich bereits eine Verharmlosung darstellt, denn in den allermeisten Faellen liegt hier blanker Rassismus vor. Dieses Wort "Rassismus" - in den anderen europaeischen Laendern gang und gaebe - ist in unseren Landen aber total verpoent. Er erinnert die Deutschen wohl zu sehr an die Verbrechen des Dritten Reiches. Ethnopluralismus bedeutet also keineswegs ein gleichberechtigtes Nebeneinander von Voelkern und Kulturen. Zusammen mit dem Anspruch auf Herstellung bzw. Bewahrung der "nationalen Identitaet" des deutschen Volkes wird gleichzeitig immer auch der Besitzanspruch auf Gebiete Polens formuliert, so dass von dem Ziel eines friedlichen, gleichberechtigten Nebeneinanderlebens verschiedener Voelker nicht die Rede sein kann.
Die von den Rechtsextremisten behauptete Ungleichheit der Menschen, die nach ihrem rassistischen Konzept gleichbedeutend mit einer Ungleichwertigkeit der Menschen ist, durchzieht mehr oder minder verdeckt die gesamte ideologische Ansprache der heutigen Rechtsextremen. Die aeusseren koerperlichen Ungleichheiten von Menschen geraten den Rechtsextremen zu angeborenen Wesensunterschieden; kulturell erworbene Unterschiede werden weder toleriert, noch gelten sie als veraenderbar. Sie werden immer als etwas Negatives, von der Norm Abweichendes, ja, als etwas Abartiges angesehen. Und dies ist die Grundlage fuer die Haltung der Ausschliessung alles Fremden, die sie propagieren und praktizieren.
Hier schliesst sich der Kreis: Gelingt es den Rechtsextremen, sich wirklich vom Hitlerfaschismus im Bewusstsein der Menschen abzukoppeln, sich vom Antisemitismus zu distanzieren; gelingt es ihnen, ihren Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus attraktiv erscheinen zu lassen, obwohl sie in Wirklichkeit prokapitalistisch eingestellt sind, ist fuer sie der Weg frei, ueber die Schleuse der in der Bevoelkerung breit verankerten Auslaenderfeindlichkeit und des in der BRD sehr verbreiteten rassistischen Denkens ihre im Kern faschistische Weltanschauung im Bewusstsein der Menschen weiter zu verbreiten. (4)

  1. In der Zeitschrift MUT ist eine deutliche Abwendung vom genetischen Rassismus zu beobachten. Man vergleiche dazu den Artikel des Biologen Wolfgang Kuhn 1989. Kuhn zeigt dass die Reduktion des Menschen auf seine Gene wissenschaftlich nicht laenger haltbar ist. Kulturelle Rassismen findet man in vergangenen MUT-Artikeln neben genetischen, vgl. z.B. Ortlieb 1987. Andere rechtsextreme Zeitschriften wie z.B. "Nation Europa", die sich juengst mit den "Deutschen Monatsheften" verbunden hat, verzichteten auch in ihren neuesten Ausgaben nicht auf einen genetischen Rassismus (vgl. z.B. NE 40. Jg. H. 2/1989).

  2. Hierbei handelt es sich also um einen verschleiernden Kampfbegriff gegen die Vorstellung einer multikulturellen Gesellschaft.

  3. Vergleiche als ein Beispiel von vielen Christian Mattauschs Artikel "Rasse und Rassismus" in Nation Europa 9/1 986, Seite 65 bis 69. Zur Analyse dieses Artikels vgl. Krieg 1988.

  4. Zur herausragenden Wichtigkeit der Auslaenderfeindlichkeit als Anknuepfungspunkt fuer rechtsextreme Ansprache vgl. auch M. und S. Jaeger 1989 und 1990.

zitiert nach Prof. Dr. S. Jaeger, DISS, Duisburg, 1990

Rassismus

Rassismus liegt immer dann vor, wenn bestimmte Merkmale von Menschen (z.B. Hautfarbe, Asylbewerber zu sein, Geschlecht usw.) mit bestimmten Eigenschaften gekoppelt werden (z.B. wenn von der Hautfarbe oder Herkunft auf die geistige, kriminelle oder sexuelle Energie o.ae. geschlossen wird) und durch diese Konstruktion eine Bewertung entsteht.

Arbeitsgruppe - SOS - Rassismus

Faschisten (Neofaschisten)

Der Faschismus wurde 1919 durch B. Mussolini begruendet. Er lebt von der Idee eines totalitaeren Staates unter der autori- taeren Fuehrung eines einzelnen (Duce) und vom grundsaetzlichen Gegensatz gegen Kommunismus, Demokratie und Libera- lismus.

Beispiele:

  • Faschismus des "Duce" Mussolini in Italien 1919 bis 1943 (Sturz M.'s)
  • Diktatur des "Caudillo" Franco in Spanien 1936 bis 1975 (Tod Francos)
  • Diktatur des Antonio de Oliveira Salazar in Portugal 1933 (Estado Novo) bis 1970 (Tod S.'s)
  • Verschiedene Militaerdiktaturen in Suedamerika heute
  • Graue Woelfe (Tuerkei)

Alle jene, die Antisemitismus und Judenvernichtung als Abweichung vom ansonsten richtigen faschistischen Weg ablehnen und unter Anwendung sozial revolutionaerer Parolen fuer die Wieder- herstellung faschistischer Herrschaft oder (in ihren Worten) des einzig wahren "Volkssozialismus" eintreten, muesste man als Neofaschisten bezeichnen.

Faschisten erkennt man in aller Regel daran, dass sie offen oder heimlich drei Grundprinzipien verfolgen:

  1. Der Staerkere hat immer Recht (und weil das ihrer Meinung nach so ist, ist natuerlich auch immer das Recht auf seiten des Staerkeren). Gewalt ist ein legitimes Mittel, um das Recht des Staerkeren durchzusetzen.
  2. Menschen sind von Natur aus ungleichwertig. Es gibt welche, die stehen von Natur aus immer oben (z.B. Leute mit gruenen Augen), und andere, die von Natur aus nach unten definiert werden (z.B. Brillentraeger oder Auslaender etc.).
  3. Weil das alles so ist, brauchen Faschisten einen Fuehrer, der oben an der Spitze steht und der durch seine Staerke all jenen Kraft gibt, die zu ihm halten, und ihnen sagt, wo's langgeht

AG - SOS - RASSISMUS

Aus dem Strafgesetzbuch ($ 86) der Bundesrepublik Deutschland

Wer Kennzeichen wie Fahnen, Abzeichen, Uniformstuecke, Parolen oder Grussformeln (Hitlergruss) ehemaliger nationalsozialistischen Organisationen verwendet,wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldbusse bestraft. Anzeigen nimmt jede Polizeidienststelle entgegen!

Nazis (Neonazis)

Wer heute immer noch oder schon wieder die Ideologie und die gesellschaftlichen und politischen Verhaeltnisse des National- sozialismus fuer erstrebenswert, verteidigungs- wuerdig und nachahmenswert haelt bzw. sie in seinen Schriften und Taten verherrlicht, gleichviel ob als "Einzelkaempfer" oder als Organisation, der muss zur Gruppe der Neonazis gerechnet werden.

Die nationalsozialistische Weltanschauung gruendet vor allem auf zwei Texten: 1. Hitlers "Mein Kampf", 2. A. Rosenbergs "Der Mythos des 20. Jahrhunderts". Der Nationalsozialismus ist eine Form des Faschismus. Er unterscheidet sich vom historischen Faschismus Mussolinis durch den Rassismus (den Wahn einer arischen UEberlegenheit), den Antisemitismus und seine industrialisierte Mordpraxis, die Perfektion in der Nutzung des gesamten Staatsapparates fuer die gnadenlose Durchsetzung der Fuehrerideen. Er entspricht dem Faschismus in jeder anderen Hinsicht, besonders in seinem grundsaetzlichen Antikommunismus, Anti- demokratismus, Antiliberalismus und seinem Irrationalismus.

Nationalismus

Mit Nationalismus wird eine Einstellung bezeichnet, die die legitime Liebe zum eigenen Land uebersteigt, das eigene Volk zum hoechsten Sinn des Daseins macht und die ganze Hingabe des einzelnen fuer dieses Volk fordert.
Mit dem Nationalsozialismus verbindet sich ein uebersteigerter Anspruch auf Selbstbehauptung, eine arrogante Exklusivitaet und ein UEberlegenheitsgefuehl gegenueber anderen Nationen. Solcher Nationalismus steht der Annaeherung zwischen den Voelkern feindlich gegenueber und kann in Fremden- oder Rassenhass abgleiten. Die Interessen der eigenen "Volksgemeinschaft" werden ueberbetont. Grundsaetze der repraesentativen parlamentarischen Demokratie werden abgelehnt, und rassistische Tendenzen ver- binden sich mit ihm. Dieser Nationalismus ist gepraegt durch die Bildung zahlloser Gruppen mit einer militanten Anhaengerschaft und der Verbreitung von extremistischen, rassistisch- en und auslaenderfeindlichen Inhalten sowie durch die Teilnahme an Wahlen. Dieser Nationalismus kann sich heute z.B. darin ausdruecken, dass an hessischen Schulen auch die erste Strophe des sog. Deutschlandliedes gelernt werden muss:

"Deutschland, Deutschland ueber alles, ueber alles in der Welt..."

Auslaenderfeindlichkeit

Auch wenn in der BRD oft von Auslaenderfeindlichkeit gesprochen wird, geht es um Rassismus. Der Begriff Auslaenderfeindlichkeit meint, dass eine Feindschaft gegenueber Auslaendern gegeben sei - uebersehen wird aber, dass gleichzeitig eine deutliche Trennung zwischen z.B. Schweden, Franzosen, Hollaendern usw. einerseits und z.B. Tuerken, Kanaken, Afrikanern usw. andererseits vollzogen wird. Lies also bitte bei Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit weiter.

Fremdenfeindlichkeit

Neben dem programmatischen Rassismus gibt es eine Ablehnung von Fremden, die als Auslaender- oder Fremdenfeindlichkeit bezeichnet wird und in dem Gefuehl der UEberlegenheit des eigenen Volkes begruendet ist. Mit dieser Fremdenfeindlichkeit werden ablehnende Einstellungen und Verhaltens- weisen bezeichnet, die Menschen wegen anderer Herkunft, Sprache, Religion oder Kultur diskriminieren.
Gemeinsam ist der Fremdenfeindlichkeit bzw. dem Ethnozentrismus und dem Rassismus, dass sie von der UEberlegenheit und Hoeherwertigkeit, der gerechten Unterordnung der Minderheit ausgehen. Ungleich- wertigkeit zwischen den Gruppen werden behauptet und Diskriminierungen gerechtfertigt. Unterschiedlich sind die Behauptungen, worauf das Ungleichverhaeltnis beruht: Der Ethnozentrismus geht von der UEberlegenheit der eigenen Kultur aus, der Rassismus darueber hinaus von der angeblichen Uberlegenheit des sog. "Erb- gutes". Der Rassismus geht also von der prinzipiellen Unveraenderbarkeit der behaup- teten Ungleichheit und Ungleichwertigkeit aus (n. F. Heckmann, 1987).
Von einem rassistischen Verhalten ist dann zu sprechen, wenn einzelne oder Gruppen daran festhalten, dass Diskriminierungen von anderen, z.B. aus biologischen Gruenden, zu rechtfertigen seien. Wo diese Unterschiede zwischen den Menschen interpretiert und zu eigenen Gunsten gewertet werden, da handelt es sich um Rassismus.
Nicht die Wahrnehmung eines Unterschiedes ist also entscheidend, sondern der Gebrauch des Unterschieds zum eigenen Vorteil und als Waffe gegen das Opfer. Die angeblichen, z.B. biologischen Merkmale des anderen werden negativ gesehen. Der Rassist rechnet sich selbst zur guten Welt und seine Opfer zur Welt des Boesen. Der Sinn und Zweck des Rassismus liegt in der Vorherrschaft. Wo Rassismus auftaucht, da geht es um die Unterdrueckung von Menschen.

Radikal

Radikal ist und bleibt fuer mich ein positiver und hoffnungsvoller Begriff, der es nicht verdient, einer rechtsextremen oder gar militant-faschistischen Organisation zugeschrieben zu werden. Denn der lateinische Begriffsursprung "radix" oder "radicalis" erinnert daran, dass das Radikale "bis in die Wurzel" dringt und nicht identisch ist mit dem Extremen (extremus = der aeusserste bzw. letzte Teil).
Das ist keine Wortklauberei, sondern soll zur Orientierungshilfe und Wertefindung beitragen. Oft wird geklagt, rechtsextreme Einstellungen seien ein Ergebnis von Orientierungslosigkeit und Werteverfall. Nun, so fuege ich hinzu, dann lasst uns das im Umgang mit Schuelern schnellstens aendern, indem wir mit ihnen gemeinsam gruendlich "bis in die Wurzel" der politischen Erscheinungen vordringen.
Eine radikale Sicht auf aktuelle Erscheinungsformen von personaler, struktureller und institutioneller Gewalt hat Erinnerungs-, Erkenntnis- und Aufklaerungs- arbeit zur Konsequenz und eroeffnet per- spektivische Handlungsmoeglichkeiten. Sie verhindert unreflektierte Anpassung oder Unterordnung und foerdert das Beduerfnis von Schuelern, die normierte Erwachsenenwelt zu hinterfragen und andere als vorgegebene Beduerfnisse bei sich zu entdecken. Wenn wir uns daraufeinlassen, uns mit unseren Schuelern radikal gegen Gewalt und Rechtsextremismus zu verhalten, dann tragen wir gleichzeitig zu einem couragierten Denken und Handeln bei, das seinerseits wiederum gegen einen Untertanengeist immunisiert, der besonders in rechtsorientierten Kreisen anzutreffen ist.

aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an Schulen. PapyRossa Verlag, Koeln 1992 - s. auch S. 349

Rechtsradikalismus

Im Terminus "Rechtsradikalismus" ist die zweite Begriffshaelfte in der Tradition der buergerlichen Aufklaerung positiv besetzt im Sinne des "an der Wurzel packen", also an der Wurzel jener Herrschaftsverhaeltnisse, die Emanzipation verhindern. Mit dem Begriff "rechts" entsteht hier eine eher bizarre Verbindung, nun gerichtet gegen die politischen und sozialen Traditionen von Emanzipationsbewegungen, insbesondere der Arbeiterbewegung.

Rechtsextremismus

Rechtsextremismus liegt immer dann vor, wenn die beiden Grundelemente der "Ungleichwertigkeit von Menschen" und die der Gewaltakzeptanz zusammen-fliessen. Der Ungleichwertigkeit von Menschen als zentralem, integrierendem Kernstueck rechtsextremistischer Ideologien entsprechen etwa folgende Facetten:

  • Nationalistische bzw. "voelkische" Selbstuebersteigerung,
  • Rassistische Sichtweise/ Fremdenfeindlichkeit,
  • Unterscheidung von "lebenswertem" und "unwertem" Leben (etwa durch Eugenik),
  • Behauptung "natuerlicher" Hierarchien (ueber Soziobiologie),
  • Betonung des "Rechtes des Staerkeren" (Sozialdarwinismus),
  • Totalitaeres "Norm"-Verstaendnis, d.h. Ausgrenzung des "Andersseins".

Der Gewaltperspektive und -akzeptanz als zentralem, integrierendem Kernstueck rechts- extremistischen politischen Verhaltens entsprechen etwa folgende Facetten:

  • Ablehnung rationaler Diskurse/UEber- hoehung von Irrationalismen,
  • Betonung des alltaeglichen "Kampfes ums Dasein",
  • Ablehnung demokratischer Regelungs- formen von sozialen und politischen Konflikten,
  • Betonung autoritaerer und militaerischer Umgangsformen und Stile.

Aggression

Manche Aggressionstheorien verstehen Aggression als Verhalten, andere definieren sie als Beduerfnis. Wenn Aggression ein Verhalten ist, das auf Schaedigung und Verletzung zielt, so ist sie wegen ihrer negativen Folgen nicht erwuenscht. Wird Aggression als "affekt-bedingtes Angriffsbeduerfnis" (dtv-Lexikon) verstanden, so ist sie etwas ganz "Normales", das jeder von uns fast taeglich spuert und das keinesfalls unterdrueckt werden sollte. Vielmehr kommt es darauf an, Aggressionen auf offene, nicht verletzende Art auszutragen.
Unstrittig ist, dass Frustration (die Einschraenkung von Beduerfnissen und Zielen) Aggression foerdert. Aber nicht jede Einschraenkung fuehrt zu Aggression - aggressives Verhalten ist von mehreren Faktoren abhaengig.
Bewiesen ist heute auch, dass ein geringes Selbstwertgefuehl, Versagen in der Schule und ein negatives Selbstbild Aggressionen beguenstigen (Schwind/ Baumann). Aggressionen koennen sich aber auch nach innen richten und zu Sprachstoerungen, Krankheiten, Depressionen oder im Extrem- fall zu Selbsttoetungsabsichten fuehren. Wut und Angst sind Gefuehle, die sich hinter aggressivem Verhalten verbergen. Es sind "normale" Gefuehle, die jeder Mensch hat und derer sich niemand zu schaemen braucht. Unterdrueckte Gefuehle wirken im Unbewussten weiter und tauchen versteckt wieder auf - und unterdrueckte Energie sucht sich Ersatzziele. "Viele der bekannten Formen fehlgeleiteter Aggression wie Herrschsucht, Vorurteile und Grausamkeit gegen Schwaechere lassen sich zurueckfuehren auf innerhalb der Familie entstandene, aber unterdrueckte aggressive Gefuehle." (Bach/Goldberg)
Fassen wir zusammen: Aggressionen, verstanden als "affektbedingtes Angriffs- beduerfnis" oder gar als Verhalten, das nicht passiv ist, hat jeder Mensch in unseren Breitengraden. Sie auf nicht-verletzende Art in offener Konfrontation ausdruecken zu duerfen und sich der dahinterstehenden Gefuehle nicht schaemen zu muessen, sollte das Recht eines jeden Menschen - insbesondere eines jeden Kindes - sein. In der Schule sollten die verschiedensten Konflikte offen ausgetragen werden duerfen. Hierzu muss Zeit und Raum geschaffen werden, und viele Kinder werden die Unterstuetzung ihrer Lehrerinnen und Lehrer brauchen, damit sie Moeglichkeiten finden, Konflikte fair auszutragen.
Aggressionen in Form von unsozialem, destruktivem Verhalten hingegen ist Ausdruck geringer Selbstachtung und tiefer Verunsicherung, von Angst und Frustration. Sie muss als Hilferuf verstanden werden.

Gewalt

Manifestiert sich Aggressivitaet derart, dass Menschen zielgerichtet physisch oder psychisch geschaedigt werden, wird von Gewalt gesprochen. Gewalt ist immer an Macht geknuepft, denn nur Macht ermoegIicht dauerhafte, zielgerichtete Aggressionen wie

  • Schlaegereien mit Koerperverletzung
  • Kindesmisshandlung,
  • Raub,
  • Sachbeschaedigung und Zerstoerung,
  • koerperliche und sexuelle Belaestigung, gewaltsames eindringen in Schutzraeume,
  • Toetung, Totschlag,
  • Mord.

Der norwegische Friedensforscher Johan Galtung hat den Begriff der strukturellen Gewalt gepraegt, womit er gesellschaftlich grundlegende Ordnungssysteme und oekonomische Prinzipien meint, die materielle, soziale und ideelle menschliche Entwick- lungen und Lebenszukunft verhindern.
Strukturelle Gewalt wird legal ausgeuebt in Form von Massnahmen, Erlassen und Gesetzen, die viele Menschen nicht durchschauen und die hoechst selten in ihrem Interesse liegen, die sie aber doch auf eine fuer sie diffuse Weise mittragen. So muessen Schrebergaerten und natuerliche Gruenflaechen Autobahnen weichen, werden Mieten erhoeht, Gelder gestrichen, Abgaben verlangt, Landschaften mit Muell vollgekippt, Kindereinrichtungen und Modellversuche, die breiten Anklang finden, von Sparmassnahmen bedroht. Es ist widersinnig, dass Gewalt minimierende Projekte (wie Kinderbauern- hoefe, Jugendzentren Arbeitsgemeinschaften, Jugendcafe's und Foerdermassnahmen) gestrichen werden, waehrend gleichzeitig ueber zunehmende Gewalt geklagt wird!

aus: G. u. A. Preuschoff, Gewalt an schulen. PapyRossa Verlag, Koeln 1992 - 5. auch 5. 349

Gewaltlose Strategien entwickeln - sich an Leitbildern orientieren

Mit Gewalt und Gewaltanwendung muss man sich nicht abfinden. Gewaltanwendung in der Gesellschaft laesst sich vermindern, Gewaltanwendung in der Erziehung laesstsich vermindern, Gewaltanwendung unter Partnern zerstoert die Partnerschaft, internationale Gewalt Iaesst sich kontrollieren und regulieren und verhindern. Mahatma Ghandi hat vorgelebt, was Gewaltlosigkeit bewirken kann, Martin Luther King hat mit seinem Lebenszeugnis aufgezeigt, welche Macht und welches Veraenderungspotential in der Gewaltlosigkeit steckt, in der richtig angewandten gewaltlosen Aktion. Wir koennen Strategien der Gewaltlosigkeit entwickeln, in unseren Jugendgruppen, in der Gesellschaft, in der Schule, in der Familie, in unserer Partnerschaft. Streitigkeiten lassen sich anders loesen als durch Gewalt. Konflikte lassen sich anders bearbeiten als durch Gewalt. Wir muessen die Kultur des Streites lernen und die Kultur der Konfliktaustragung lernen. Da sind wir alle noch Anfaenger.

Rudi Pahnke, Textauszug aus dem Kirchentagsreferat: Was koennen Jugendliche gegen Gewalt tun, ZaW, Dortmund, 1991

Hass

Hass: ein gegen Personen oder soziale Gruppen (Staende, Voelker, Rassen, Minderheiten) gerichteter Vernichtungsaffekt, von besonders stark ausstrahlender Wirkung auf alles mit den gehassten Personen Zusammenhaengende. Im Unterschied zur Antipathie ist der Hass besonders affektstark, aber vom "gerechten" Zorn zu unterscheiden. Tatsaechlich entsteht Hass oft aus Gruenden, die dem Bewusstsein zunaechst entzogen sind, z.B. aus Angst, verletztem Selbstgefuehl, Um- schlagen von Liebe in Hass (Hassliebe, Ambivalenz). Das Bewusstmachen der seelischen Gruende kann oft zur UEberwindung des Hasses beitragen. (aus: Brockhaus Enzyklopaedie)

aus: Projekthandbuch Rechtsextremismus, 1989. Shirin Pargas

Sexismus

"Verhaltensweisen, die einen Menschen aufgrund seines Geschlechtes benachteiligen. Mit Sexismus kennzeichnet insbesondere die Frauenbewegung das diskriminierende Verhalten von Maennern gegenueber Frauen in Politik, Arbeitswelt und Gesellschaft. Sexismus beruht auf dem Vorurteil, dass die Frau aufgrund ihrer biologischen Geschlechtszugehoerigkeit dem Mann koerperlich und intellektuell unterlegen sei. Sexismus wird ueberall dort deutlich, wo Frauen zuerst als GeschIechtswesen und erst dann als Menschen betrachtet und behandelt werden."

aus: "Aktuell-Lexikon", Chronik Verlag

Sexismus ist der Glauben an die Hoeherwertigkeit des maennlichen und die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts. Der Begriff Sexismus wurde in Anlehnung an den Begriff Rassismus gepraegt. Er bezieht sich nicht nur auf individuelle Vorurteile, sondern auch auf institutionalisierte Dis-kriminierung.

Sexismus zieht sich wie ein gluehender roter Faden durch die Geschichte und die alltaeglichen Lebensbereiche von Frauen. Die verharmlosende Begriffserklaerung "Benach- teiligung der Frau" ist bei weitem nicht ausreichend fuer eine von Maennern dominierte Kultur, die kontinuierliche Herrschaft und Gewalt gegen Frauen ausuebt.

Aufrechterhalten und gestuetzt wird Sexismus durch die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung zwischen Maennern und Frauen: Aufgrund ihrer Gebaerfaehigkeit und der damit verbundenen Schwangerschaft wird den Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft der Bereich des Haushalts und der Kindererziehung zugewiesen. Sie sind ausserdem zustaendig fuer die Rekreation des Mannes, in der Familie soll er sich erholen, um seine gesellschaftlich anerkannte Arbeitskraft zu erhalten. Zugleich wird der Erziehungsarbeit und Hausarbeit der Frauen eine geringe Bedeutung beigemessen, sie wird unbezahlt geleistet. Die Zuordnung der Frauen in den haeuslichen Bereich hat erhoehte Verfuegbarkeit und Machtlosigkeit zur Folge: Frauen haben keinen Zugang zum Bereich der OEffentlichkeit, zu finanziellen Ressourcen, zur politischen Macht. Der Sexismus in unserer Gesellschaft liegt in der irrigen biologischen Ansicht begruendet, die "natuerliche" Bestimmung der Frauen liege in der Familie.
"Feminismus ist als politische Bewegung die Antwort auf alle Spielarten des Sexismus, denen Frauen gegenwaertig ausgeliefert sind. Feminismus bedeutet Kampf gegen den Sexismus."
(M. Janssen-Jurreit)

aus: Sexismus, Gewaltfreie Aktion, Baden

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