Wie lange können Kinder warten? Kinder und ihre Geduld

Warten gehört zum Leben dazu. Ob auf den Bus, baldigen Feierabend, Geburtstag oder die Ankunft am Urlaubsziel, auf irgendetwas warten wir immer. Das fällt sogar manchen Erwachsenen noch schwer und so ist es nicht verwunderlich, dass vor allem Kleinkinder ihre Schwierigkeiten damit haben.

Rundumversorgung in Mamas Bauch

Den Begriff der Wartezeit lernen Kinder unmittelbar nach der Geburt kennen. Wurden sie in Mamas Bauch noch rund um die Uhr mit der Nabelschnur versorgt, müssen sie als neuer Erdenbürger auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen. Ob Hunger, Bauchschmerzen, eine volle Windel oder das Bedürfnis nach Nähe, Babys können sich nur über das Weinen mitteilen. Die einen lauter, die anderen leiser. Aber warten können und sollen sie noch nicht. Um ihnen die Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln, die sie später im Leben dringend benötigen, muss man die Bedürfnisse des Babys möglichst sofort stillen. Gerade wer schon ein Kind hat, weiß aber, wie schwierig das manchmal ist. Aber dennoch: Babys, die ständig warten müssen, sind gestresst, was sich wiederum negativ auf ihre Entwicklung auswirkt. Und verwöhnen kann man sie in dem Alter übrigens nicht – auch, wenn die Eltern oder Schwiegereltern diesbezüglich gerne mal warnen.

Feste Abläufe

Mit etwa sechs Monaten allerdings verstehen die Kleinen Abläufe wie zum Beispiel das Anziehen, Baden und Spazieren gehen. Sie können zwischen Tag und Nacht unterscheiden und mit den zeitlichen Abläufen entwickeln sie auch mehr Verständnis. Sie wissen, dass es nach draußen geht, wenn man ihnen eine Jacke und Mützchen anzieht. Sie haben auch gelernt, dass Papa abends wiederkommt, nachdem er morgens das Haus verlassen hat. Es macht ihnen jetzt keine Angst mehr.

Konkretisieren

Ab dem ersten Geburtstag können Kinder durchaus mal warten. Aber: Je jünger sie sind, um so kürzer sollten die Wartezeiten sein. Außerdem können Mama und Papa ihnen die Zeit besser erklären, wenn sie konkrete Abläufe benennen. Beispiel: Du hast morgen Geburtstag – also musst du noch einmal schlafen. Oder: Wenn ich hier im Wohnzimmer gesaugt habe, können wir ein Bilderbuch anschauen. Reine Zeitgaben wie gestern und morgen lernen Kinder erst im dritten Lebensjahr.

Warten will gelernt sein

Nach dem dritten Geburtstag wird es für Eltern leichter. Einige Minuten können Kinder jetzt durchaus warten - und sie haben sogar Verständnis dafür. Wer allerdings länger telefonieren möchte, sollte das immer noch in einer kinderfreien Zeit tun. Mit dem Kindergartenbeginn lernen Kinder endgültig, was Wartezeit ist: Hier herrscht das Prinzip des Teilens. Bei einer durchschnittlichen Gruppengröße von 20 Kindern muss man durchaus warten – auf den Bagger, das Puzzle oder die Einteilung für die Schminkecke. Und manche Eltern wären erstaunt, wie gut die Kinder dabei harmonieren. Während Dreijährige gerne einen Wutanfall bekommen, haben Vierjährige gelernt, sich selbst nicht mehr ständig an erster Stelle zu sehen. Das ist vor allem für Eltern mit Baby eine Erleichterung, da Kinder in diesem Alter durchaus schon planen können. Erklärt man ihnen, dass man erst auf den Spielplatz gehen kann, wenn das Baby getrunken hat und gewickelt wurde, wird das ohne größeres Murren akzeptiert. Aber generell sollten Eltern daran denken: Warten ist doof – ganz egal, ob man gerade erst vier oder 40 Jahre alt ist…

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