Kleine Nervensäge oder Schreibaby? Tipps bei Regulationsstörungen 

Kleine Nervensäge oder Schreibaby? Tipps bei Regulationsstörungen
Die gute Nachricht vorweg: Ein gesundes Baby schreit. Nach der langen und vergleichsweise ruhigen Zeit im Mutterleib, hat das Baby vor allem in den ersten Lebensmonaten Probleme, die vielen neuen Reize zu verarbeiten.

Ob es Hunger oder Schmerzen hat, Zuwendung oder Aufmerksamkeit haben möchte, kann es vor allem über das Schreien mitteilen. Ein bis zwei Stunden pro Tag sind normal, die meisten Babys schreien bis zu eine halbe Stunde am Nachmittag und am Abend.

Schreibaby oder nicht?

Als Schreibaby bezeichnet man Kinder, die häufig und besonders lange schreien. Sie lassen sich kaum beruhigen - weder durch das Füttern, Tragen, Baden oder Wickeln noch durch Schaukeln oder Stillen. Sie sind häufig unzufrieden, haben eine niedrige Reizschwelle, leiden unter Schlafstörungen, sind übermüdet und generell sehr unzufrieden. Hält dieser Zustand mehr als drei Wochen lang für mindestens drei Stunden täglich an, sprechen Experten von einem Schreibaby.
Solche Definitionen sind allerdings nach wie vor strittig, geben aber die Situation, unter der viele Eltern leiden, gut wieder. Schreibabys fallen oftmals bereits in der zweiten Lebenswoche auf, finden aber nach etwa drei bis vier Monaten zu einem normalen Lebensrhythmus. Nur ein geringer Teil (acht Prozent) hat auch danach noch Schwierigkeiten.

Ursachen

Solche Regulationsschwierigkeiten sind eine Belastung für die ganze Familie. Eltern haben Schuldgefühle oder leiden unter Versagensängsten und entwickeln oftmals Wutgefühle ihrem Kind gegenüber. Damit es nicht zu einer dauerhaft gestörten Eltern-Kind-Beziehung kommt, sollten sich betroffene Eltern schnell Hilfe suchen. Körperliche Auslöser wie die sogenannten „Drei-Monatskoliken" oder Blähungen sind übrigens nur selten die Ursache für die Probleme. Vielmehr leiden die Babys an einer generellen Überempfindlichkeit und haben Probleme, den Wach-Schlafrhythmus selbst zu regulieren. Aber auch die Kommunikation zwischen Mutter und Kind kann betroffen sein. Gab es während der Schwangerschaft ständig starken Stress, kann auch das Baby beeinflusst werden. Paarkonflikte können sich ebenfalls negativ auswirken.

Was hilft?

Für überempfindliche Schreibabys ist ein geregelter und ruhiger Tagesablauf mit bestimmten Ritualen besonders wichtig. Alles, was Sie machen, sollten Sie behutsam und langsam tun - wie etwa das Schaukeln auf dem Arm. Lassen Sie Ihr Kind nicht bei sich im Bett schlafen und vermeiden Sie Geräusche durch laute Musik, lärmende Spielgeräte und den Fernseher. Manchen Babys hilft es beim Einschlafen, die Mutter im Nebenraum sprechen zu hören und eine kleine Lichtquelle im Zimmer zu haben. Wenn die Situation Sie völlig überfordert, verlassen Sie für fünf Minuten den Raum. Ihr Kind braucht eine ausgeglichene Mutter, auch wenn sich das unmöglich anhört.
Deutschlandweit gibt es inzwischen Schreiambulanzen, in denen man Ihre Sorgen und Nöte sehr Ernst nimmt. Die entsprechenden Adressen erfahren Sie beim Kinderarzt, in Kinderkliniken und über das Jugendamt. Hier bekommen Sie vor allem Praxistipps, um Ihrem Kind die so dringend benötigte Ruhe zu verschaffen. Auch ein Schreitagebuch, Massage, Pucken und homöopathische Globuli können eventuell Abhilfe schaffen.

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