Sprachentwicklung bei Kindern

Durchschnittlich zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat ist es soweit: Ihr Kind sagt zum ersten Mal Mama oder Papa. Nirgends sonst allerdings sind Schwankungen so groß wie bei der Sprachentwicklung. Mädchen sind in der Regel schneller als Jungen und können oftmals schon vor dem ersten Geburtstag die erste Worte. Kurz vor dem zweiten Geburtstag zeigt es sich besonders: Einige Kinder haben bereits einen Wortschatz von mehreren hundert Wörtern, andere hingegen haben die Grenze von 20 Wörtern kaum überschritten. Aber keine Sorge: Beides ist völlig normal. Und auch wenn Kinder noch nicht besonders gut sprechen – sie verstehen genauso viel wie ihre Alterskameraden.

In kleinen Etappen

Bevor Ihr Kind die ersten Worte spricht, hat es schon viel gelernt. Bereits im Mutterleib hat es die Stimme seiner Eltern gehört, nach der Geburt stets der Satzmelodie und Betonungen gelauscht. Es hat gelernt, Stimmungen heraus zu hören und im Laufe der Zeit die Logik und Struktur unserer Sprache erkannt. Natürlich spricht es nicht sofort perfekt, immer wieder kommen lustige und ungewöhnliche Satzkonstruktionen zustande.

So unterstützen Sie Ihr Kind

Ihr Kind lernt vor allem von seinen Eltern - beziehen Sie es im Alltag so oft wie möglich mit ein. Erzählen Sie ihm, was Sie gerade tun und benennen Sie alles genau. Bilderbücher helfen jetzt, Worte zu begreifen. „Unterhalten“ Sie sich mit Ihrem Kind, auch, wenn sein Sprachschatz noch nicht so groß ist.
Wenn Ihr Kind etwas falsch ausspricht oder es an der Grammatik hapert, korrigieren Sie es bitte nicht. Das entmutigt das Kind auf Dauer. Wiederholen Sie lieber das Gesagte in der richtigen Form. Machen Sie sich auch nicht darüber lustig, wenn völlig neue Wortschöpfungen entstehen, sondern hören Sie ihm einfach zu und gehen Sie auf das Gespräch ein. Optimal ist es, wenn Sie etwas Gesagtes aufnehmen und fortführen. Fragt Ihr Kind beispielsweise „Papa da?“, dann antworten Sie: „Nein, Papa ist nicht da. Er ist noch bei der Arbeit.“

Ist das noch normal?

Viele Eltern fragen häufig, ob sich Ihr Kind altersgemäß entwickelt. Eine gute Kontrolle bietet die regelmäßige Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Hier wird auch stets die Sprachentwicklung kontrolliert.
Im zweiten und dritten Lebensjahr neigen einige Kinder zum Stottern. Das ist aber in der Regel kein Grund zur Besorgnis. Geben Sie dem Kind die Zeit, die es braucht, sich zu artikulieren. Setzen Sie es auf gar keinen Fall unter Druck – beachten Sie das Stottern am besten nicht weiter. In der Regel erledigt sich das Problem nach einiger Zeit von selbst. Auch das Auslassen von Lauten bzw. das Ersetzen derselben durch andere ist normal. Gerne bringen Kinder Silben in die falsche Reihenfolge, „verkürzen“ Worte oder lispeln bei den sogenannten Zischlauten.
Einen Kinderarzt konsultieren sollten Sie, wenn das Kind auch mit vier Jahren von anderen nicht richtig verstanden wird. Stottert es erst mit fünf Jahren oder länger als drei Monate, sollte auch eine Kontrolle stattfinden. Hat Ihr Kind offensichtliche Probleme, sich nach dem dritten Geburtstag mit seinen Alterskameraden oder überhaupt zu verständigen, bedarf es ebenfalls einer Überprüfung.

Sprechstadien

Einige Babys sprechen bereits mit neun Monaten das erste Wort. Die Verdoppelung von Silben steht jetzt im Vordergrund (Mama, Papa, „namnam“ für Essen, „wauwau“ für Hund). Es bedient sich auch anderer Möglichkeiten, sich sprachlich mitzuteilen. Statt „tschüss“ zu sagen, winkt es. Bei einem „nein“ wird mit dem Kopf geschüttelt. Einfache Wortaufforderungen werden verstanden („Wo ist der Ball?“).
Kurz vor dem zweiten Geburtstag beherrscht das Kind die ersten Zweiwortsätze, mit etwa 2,5 Jahren auch Drei- und Mehrwortsätze. Um den dritten Geburtstag herum steigt der Wortschatz des Kindes sprunghaft an. An manchen Tagen lernt es nun sogar mehrere neue Worte.
Mit vier Jahren sprechen die Kinder bereits recht gut. Einige Laute können noch Schwierigkeiten bereiten (s, sch, k und t) und auch die Grammatik ist manchmal noch fehlerhaft, aber dennoch können sie sich gut mitteilen, verstehen komplexe Zusammenhänge und können Ereignisse wiedergeben.
Mit fünf Jahren gibt es nur noch gelegentlich Probleme mit den Zeitformen („Ich habe alles aufgegesst.“). Im Alter von sechs Jahren ist der Wortschatz groß. Das Kind kann Gedanken und Gefühle in Worte fassen, ausführlich von Erlebnissen berichten und Geschichten nacherzählen.
 

Beste Artikel in Eltern Ratgeber
Verwandte Artikel
Artikelinformationen