Wenn Kinder ihren eigenen Kleidungsstil entwickeln

Bis zu einem gewissen Alter entscheiden die Eltern, was ihr Nachwuchs anzieht. Früher oder später wollen die Kleinen bei der Kleiderauswahl mitreden.
 

Kinder sind in jungen Jahren süß: Jeder ausgefallene Milchzahn wird gefeiert, als wäre es schon Weihnachten, ein schulischer Erfolg zaubert Freudentränen auf ihr Gesicht und auch beim Anziehen gibt es keinen großen Aufstand. Irgendwann ändert sich die Situation: Die Kleinen werden unabhängiger, sie nehmen die Welt mit ihren eigenen Augen wahr und beginnen, sich selbst zu kleiden. Hierin sehen viele Eltern ein Problem, wenn die Kleinen nicht ihre Erwartungen erfüllen.

Kleidung im 21. Jahrhundert: Ein Ausdrucksstil

Kleidung hat im Laufe der Jahre eine beachtliche Entwicklung hinter sich gebracht. Früher diente sie in erster Linie dem Schutz des Körpers. Später konnte sich die wohlhabende Schicht mit der Qualität ihrer Kleider von den armen Menschen absetzen. Die heutige Kleidung hat viele verschiedene Gesichter:

  • sie kann ein Statement (z. B. politisch oder persönlich) sein
  • Auskunft über Hobbys oder persönliche Vorzüge geben
  • beeindrucken oder Seriosität erwecken

Die Macht der Kleider erkennen Kinder heute recht früh. In jungen Jahren wissen sie noch nicht, wer sie selbst sind oder was sie später sein möchten. Deshalb experimentieren sie mit verschiedenen Kleidungsstilen und versuchen, ihr persönliches Aussehen zu definieren.

Leider reagieren Eltern auf solche Versuche der Selbstfindung häufig übersensibel: Panischerweise fragen sie in Foren, auf sozialen Netzwerken und anderen Webseiten, ob mit ihrem Kind etwas nicht stimmt. Natürlich gibt es auch bei der Kleidung gewisse Grenzen. Diese müssen Eltern ihrem Nachwuchs aber verständnisvoll erklären.

Too sexy für die Schule

Gerade Eltern von Töchtern werden immer wieder mit dem Thema inadäquate Kleidung konfrontiert. Mit der Pubertät entwickelt sich ihr Kind schlagartig, es bemerkt, wie sich sein Körper verändert, und möchte diese Entwicklung zum Ausdruck bringen.

Der Schwarzwälder Bote berichtet über eine Realschule im baden-württembergischen Horb am Neckar, wo knappe, aufreizende Kleidung (Hotpants, kurze Röcke) neuerdings verboten ist. Wer sich nicht an die Regel hält, der muss als Strafe ein XXL-Shirt tragen.

Dass nicht nur Mädchen mit unpassender Kleidung auffallen, demonstrieren Modetrends wie sogenannte Baggy-Pants bei den Jungs. Diese extrem tief hängenden Hosen sitzen weit unter der Gürtellinie und haben ebenfalls nichts auf dem Schulgelände verloren, so einige Schulleiter in Deutschland.

Beide Fälle sind Beispiele, die zeigen, wann Eltern in die Kleiderwahl ihrer Sprösslinge eingreifen müssen. Sie sollten ihnen die Probleme erklären, dennoch aber Verständnis zeigen. Ein offener, verständnisvoller Dialog kann viele Probleme lösen. Wer seinen Kindern bestimmte Kleidungsstücke ohne Grund verbietet, sollte sich nicht wundern, wenn das Kind rebelliert.

Frische Mode für Kinder und Jugendliche

Eltern können nur dann auf die Kleiderwahl ihrer Kinder reagieren, wenn sie sich selbst mit der aktuellen Mode befassen. Die Marke mister*lady richtet sich an junge Menschen, die sich individuell kleiden möchten. Im Lookbook finden Eltern Inspirationen und können diese auch ihrem Nachwuchs vermitteln.

Sobald Kinder erste Anzeichen vermitteln, dass sie ihre Kleiderwahl mitbestimmen möchten, sollten Eltern ihnen diese Chance nicht verwehren. Nun haben sie noch die Gelegenheit, ihnen ihr Wissen bezüglich Kleidung zu vermitteln. Im Laufe der Jahre werden die Kinder ein Gespür für die Kleiderwahl entwickeln und ihr Outfit eigenständig auswählen können.

Der gesamte Lernprozess sollte von Eltern nicht penibel kontrolliert werden. Eltern sind das Leitbild ihrer Kinder, was aber nicht heißt, dass sie diese getreu ihrer Ideale wie Puppen von Kopf bis Fuß kleiden müssen.

Der Kapuzenpullover: Wenn Kleidung zum Symbol wird

Ein Kleidungsstück, was nicht nur Eltern, sondern nun auch Ländern ein Dorn im Auge ist, ist der Kapuzenpullover. Ursprünglich war er nichts weiter als ein Teil einer Sportkleidung. Boxer und andere Sportler nutzen den Kapuzenpullover beim Training, um übermäßig zu schwitzen. Doch die Träger dieses Kleidungsstück haben ihn heute viele neue Images verliehen:

  • er verschleiert die Identität eines Bankräubers
  • er schützt Randale, die mit Steinen auf Polizeibeamte werfen

Diese Liste lässt sich endlos fortführen. Leider sind die beiden Beispiele negativ - und von ihnen gibt es viele weitere. Der Kapuzenpullover wird immer häufiger mit Individuen verbunden, die ihn nutzen, um ihre Identität zu verschleiern und Probleme zu bereiten. In England ist die Situation so stark eskaliert, dass der Kapuzenpullover in einigen Malls und Pubs verboten ist.

Der Trend des bösen Hoodies tritt vermehrt in den Medien auf. Selbst Horrorfilme stellen ihren negativen Helden im Hoodie dar, wie diese Streifen demonstrieren. Eltern sollten ihren Kindern trotz der Negativität nicht dieses Kleidungsstück nehmen. Die Kapuze ist nämlich ein historisch wichtiger Bestandteil unserer Kleidung. Die alten Römer trugen zu ihrer Zeit den Kukullus, ein Kapuzenmantel, welcher bis zum Gesäß reichte. Sein Zweck diente lediglich dazu, den Träger vor Witterung zu schützen. Kapuzenpullis haben heute im Grunde keine andere Funktion.

Freunde, Idole und andere Menschen, die die Kleidung beeinflussen

Abseits von einzelnen Kleidungsstücken wie dem Hoodie werden Kinder ihre Eltern mit vielen Entscheidungen bezüglich ihres Outfits verärgern, schockieren oder zumindest zum Stirnrunzeln bringen. Nicht selten wird ihr Kleidungsstil von Freunden beeinflusst - weil sie diese Nachahmen wollen oder weil sie ihnen Ratschläge geben. Auch Ikonen und andere Vorbilder dienen gerne als Inspiration für die eigene Kleiderwahl. Aktuelle Trends, auf die Kinder über das Internet leicht Zugriff haben, können die Wahl ihrer Kleider ebenfalls beeinflussen.

Eltern sollten die Entwicklung beobachten und nicht unnötig angreifen, wenn die Kleiderwahl keine merkwürdigen Ausmaße annimmt. Das Kopieren von Kleidungsstilen anderer Menschen ist meist eine Phase, die dann vorüber ist, wenn das Kind einen zu sich passende Etikette gefunden hat.

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