Nabelschnurblut: Sinnvolle „Lebensversicherung“ oder Geschäftemacherei? 

Beim Nabelschnurblut (Plazentarestblut) handelt es sich um das Blut des neugeborenen Babys, das sich nach der Abnabelung noch in der Nabelschnur und Plazenta befindet. Es enthält besonders viele Stammzellen, die fähig sind, neue Blutzellen zu bilden. Weiterhin können sie in der Biotechnologie zur Regeneration von Körpergewebe eingesetzt werden.

In Deutschland wurde 1997 erstmals Nabelschnurblut eingelagert. Heute gibt es mehrere private Anbieter - allerdings ist die Zahl der Fälle, in denen die Stammzellen tatsächlich genutzt worden sind, noch überschaubar.
Direkt nach der Geburt werden etwa 100 Millimeter Blut aus der Nabelschnur entnommen und per Kurier zur beauftragten Blutbank gebracht. Dort wird es bei 196 Grad in einem Stickstofftank gelagert. Für 20 Jahre Aufbewahrung fallen etwa 2.000 Euro an, die Angebote variieren jedoch. Derzeit gibt es drei namhafte Anbieter in Deutschland, die mittlerweile auf einen recht prominenten Kundenstamm schauen können. So sind zum Beispiel der Fußballer Thomas Helmer und die Schauspieler Mariella Ahrens von dieser „Lebensversicherung" überzeugt. Auch der spanische Kronprinz und seine Frau haben Nabelschnurblut bei einem amerikanischen Anbieter einfrieren lassen. Das Geschäft mit der Sorge um die Gesundheit des Kindes läuft bestens.

Zahlen & Fakten

In Deutschland, wo die Möglichkeit der Einlagerung erst seit 1997 besteht, wurde privat eingelagertes Nabelschnurblut bis heute 15 Mal eingesetzt. 2005 erhielt als erster ein kleiner Junge das Nabelschnurblut seines Bruders zur Bekämpfung einer Bluterkrankung. Im letzten Jahr wurden u.a. zwei Kinder mit einem Hirnschaden und weitere drei Kinder mit Typ-1-Diabetes behandelt. Allein ein Leipziger Unternehmen hat knapp 50.000 Kunden. Immerhin wird damit geworben, dass die Stammzellen sogar zur Züchtung neuer Herzklappen eingesetzt werden könnten. Und wenn nicht heute, dann zumindest in naher Zukunft.

Kritik

Dem widersprechen jedoch die Experten. Stammzellenforscher betonen immer wieder, dass die medizinische Anwendung sich bisher weitestgehend auf die Blutneubildung bezieht. Das sei vor allem bei Leukämie eine sehr gute Alternative zur Knochenmark-Transplantation. Ein weiterer Kritikpunkt ist außerdem die Tatsache, dass die verwendeten Stammzellen bereits erkrankt sind. Ob die eingefrorenen Zellen nach einer längeren Zeit überhaupt noch verwendbar sind, ist bis heute ungeklärt, da schlichtweg Vergleichswerte fehlen. Der medizinische Fortschritt auf diesem Gebiet, wie ihn die weltweit etwa 100 Banken bewerben, ist zwar nicht gänzlich ausgeschlossen, aber in den nächsten zwei Jahrzehnten auch nicht sehr wahrscheinlich. Von diesen Zweifeln ist in den Broschüren der Anbieter natürlich nichts zu finden.

Fazit

Eltern sollten sich auf keinen Fall einschüchtern oder unter Druck setzen lassen. Die bisherigen Fälle, in den Kindern tatsächlich durch die Einlagerung von Nabelschnurblut geholfen werden konnten, sind nur in geringer Zahl vorhanden. Zudem hätten sie zum Großteil auch alternativ behandelt werden.
Frauenärzte, die zu einer Einlagerung raten, bekommen oftmals eine Provision der Anbieter und sind deshalb nicht objektiv.
Über eine Einlagerung bei einer öffentlichen Bank sollte allerdings nachgedacht werden, da dadurch anderen kranken Menschen geholfen werden kann. Eventuell ist dann allerdings der Vorrat aufgebraucht, sollte das eigene Kind doch eine Stammzellentherapie benötigen.

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