Der graue Kapitalmarkt

Was bzw. welche Finanzprodukte genau unter den Sammelbegriff 'Grauer Kapitalmarkt' fallen, können auch Experten für Verbraucherschutz nur schwer beantworten. Die Ein- und Ausgrenzung fällt insofern schwer, als dass machen Verbraucherschützer auch jene Produkte dem Grauen Markt zuordnen, die von namhaften und der staatlichen Aufsicht unterstehenden Banken aufgelegt werden. Kriterien sind hierbei unseriöse Renditeversprechen oder auch überhöhte Gebühren; Vertriebskosten und Versicherungen gegen Risiken.

Andere Experten rechnen dem Grauen Kapitalmarkt jene Produkte zu, die (bisher) nicht der Kontrolle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterliegen. Die Wahrung der gesetzlichen Anlegerschutzvorschriften beschränken sich beim Grauen Kapitalmarkt darauf, dass die Anbieter nur einen Verkaufsprospekt mit ihrem Angebot genehmigen lassen müssen, wobei dieser dann seitens der Finanzaufsicht lediglich auf Vollständigkeit und nicht auf Wirtschaftlichkeit überprüft wird. Zu den beliebtesten Produkten zählen geschlossene Fonds, stille Beteiligungen, Namensschuldverschreibungen, Genussrechte oder auch Investitionen in so genannte blind pools (also Anlagen in nicht weiter spezifizierte Investitionsobjekte). Sie alle teilen, dass man sich als Investor nur schwer von den erworbenen Anteilen trennen kann, weil sich schwerlich Käufer auf dem Markt finden. Oder aber, die Gesellschaften erheben hohe Aufwandsentschädigungen, möchte man vorzeitig aussteigen. Schlimmer ist es eigentlich nur noch dann, wenn man das Kapital für die Beteiligung nicht besitzt und einen Kredit mit zweifelhafter Finanzierung bei demselben Anbieter aufnimmt.

Ein Grund für das immer noch anhaltende Blühen des Grauen Kapitalmarktes kann sicherlich darin gesehen werden, dass viele Menschen als Finanzberater auftreten, ohne eine entsprechende Ausbildung vorweisen zu können. 'Finanzberater' ist als Berufsbezeichnung nicht geschützt, es bedarf also keines Studiums, keiner staatlich vorgeschriebenen Aus- oder Weiterbildung, um diesen Beruf auszuüben.

Weiterhin existiert bisher noch kein einheitliches Rating, also eine Art Bewertungssystem, um als privater Anleger Produkte des Grauen Kapitalmarkts besser einschätzen zu können bezüglich Rentabilität, Seriosität, etc. Kurz gesagt geht es darum, die Schattierung dieses Marktes mit mehr Transparenz aufzuhellen und das Abschließen der Verträge weg vom Telefon und raus aus dem Wohnzimmer hinein in klar definierte Geschäftsräume zu rücken.

Die häufigsten Anlageformen des Grauen Kapitalmarktes sind stille Beteiligungen, Namensschuldverschreibungen oder eben Investitionen in einen Pool nicht eiter spezifizierter Objekte (Immobilien, Schiffe, Container, etc.). Bei einer stillen Beteiligung ist der Anleger Teilhaber an einer Firma, deren Investitionsziele und Strukturen er selten kennt. Er profitiert vom Gewinn, wird aber viel häufiger auch am Verlust beteiligt. Außerdem hat er kein Mitspracherecht, es existieren also keine Aktionärsversammlungen. Anteilseignerabstimmungen, etc. Schließlich verlieren Anteilseigner auch ihr Geld, sobald die Firma/ der Fonds geschlossen wird oder Insolvenz anmeldet.

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