Kulanz-Entschädigungen für Lehmann-Opfer

Die Verbraucherzentrale NRW hat schon länger versucht, für Investoren in Papieren der insolventen Lehman Brothers Investmentbank von der Citibank Entschädigungszahlungen zu bekommen. Nun hat man sich auf ein Punktesystem geeinigt, bei dem die Käufer der Papiere auf Kulanz (also ohne Anerkennung einer Schadensersatzpflicht) zwischen 30 und 80 Prozent vom ursprünglichen Kaufwert der inzwischen wertlosen Zertifikate erhalten können.

Die Verbraucherzentrale NRW rechnet mit durchschnittlich Kulanzzahlungen in Höhe der der Hälfte der Kaufpreise. (http://www.vz-nrw.de/UNIQ124542221031628/link570691A.html)

Hintergrund der Vorgänge ist die Meinung vielen Käufer von Lehmann-Zertifikaten, dass sie falsch beraten worden seien. Jede Bank ist nach dem Wertpapierhandelsgesetz verpflichtet, jedem Kunden, der über sie Wertpapiere kaufen will, vorher genauestens über die Risiken zu beraten. In einem Formular wird der Beratungsvorgang genau dokumentiert und auch vom Kunden unterschrieben. Man sollte sich als Käufer von Wertpapieren diesen Text genau durchlesen, denn hier wird auch die mögliche Strategie beim Wertpapierkauf zwischen konservativ und spekulativ bestimmt. Ist diese Beratung nicht richtig erfolgt, dann hat der Kunde Schadensersatzansprüche gegenüber der vermittelnden Bank. Allerdings muss er die Falschberatung notfalls nachweisen können. Die Gerichte gehen davon aus, dass das, was unterschrieben wurde, auch dem Kunden bekannt war.

Der Vorteil der Kunden durch die Kulanzabsprache der Verbraucherzentrale liegt in der direkten Erstattung, während sich eine gerichtliche Klärung sehr lange hinziehen und ein hohes Prozessrisiko mit sich bringen würde. Die Verbraucherzentrale NRW überwacht den Ablauf der Zahlungen und das Bundesverbraucherschutzministerium wurde über die Parlamentarische Staatssekretärin als Schirmherrin mit ins Boot genommen.

Die jeweilige Entschädigungsquote des Kunden wird über ein Punktesystem ermittelt: Zugrundegelegt werden verschiedene Kriterien mit unterschiedlichem Gewicht: Alter des Käufers, Datum der Zeichnung der Papiere, Anlagestrategie und wie stark der Berater bei der Zertifikate-Vermittlung vom Risikoprofil des Kunden abgewichen ist.

Das Angebot geht an alle, die nicht klagen wollen; wer mehr auf dem Klageweg erreichen will, der kann dies versuchen. Wer aber auf das Kulanzangebot eingeht, der muss auf seine Klagemöglichkeit verzichten. Man wird abwarten müssen, inwieweit die Kunden der Citibank auf das Angebot eingehen oder den langwierigen Weg der Klage wählen.

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