Soll man zur Privatinsolvenz wg. Fristverkürzung nach England umziehen? 

Wenn man als Privatperson nicht mehr seine Schulden zurückzahlen kann, dann gibt es in Deutschland die Möglichkeit, die Privatinsolvenz seinen Gläubigern anzuzeigen und sich in einem langwierigen Verfahren von den alten Schulden zu befreien.

Privatinsolvenz in einem Jahr, das wäre ein schöner und schneller Traum. Denn eine solche Fristverkürzung ist tatsächlich möglich, wenn man seinen Wohnsitz vor Beginn der Privatinsolvenz ins europäische Ausland verlegt; beispielsweise nach England.

Auch in einigen anderen europäischen Nachbarländern gibt es deutlich kürzere Fristen für die Privatinsolvenz und auch einfachere Verfahrensweisen. Umständlich ist nur das Umziehen ins Nachbarland, womit natürlich auch soziale Kontakte im Inland reduziert werden und das neue Aufbauen einer Existenz im Heimatland erschwert wird. Denn eine Privatinsolvenz im Ausland ist nur möglich, wenn man vor Beginn des Insolvenzverfahrens seinen dauerhaften Wohnsitz ins Ausland verlegt hat. Attraktiv in diesem Zusammenhang ist beispielweise England, wo vor einigen Jahren die Durchhaltefrist nach einer Privatinsolvenz auf ein Jahr verkürzt wurde.

Deshalb gibt es in Deutschland inzwischen Agenturen, die eine Art des Insolvenz-Tourismus anbieten. Diese organisieren Wohnung und Anmeldung im Ausland und stellen auch Kontakte zu entsprechend versierten Anwälten vor Ort her. Allerdings sollte man es sich gut überlegen, ob man diesen Weg ins Ausland machen will. Wer allerdings langfristig eine berufliche Perspektive im Ausland aufbauen kann und will, für den ist dies möglicherweise eine bedenkenswerte Perspektive.

Falls man sich auf diese Perspektive einlassen will, dann sollte man sie von langer Hand planen. Auch Sprachkurse und Informationen zu den Rahmenbedingungen eines Neuaufbaus gehören hierzu. Ob man dazu die rechte Zeit hat, wenn man Tag für Tag von Gläubigern beansprucht wird, ist aber fraglich.

Artikelinformationen