Yamswurzel: Natürliche Empfängnisverhütung oder traditionelles Heilmittel?  

Mit dem zunehmenden Gesundheitsbewusstsein der Deutschen hat sich der Absatzmarkt bei Naturheilprodukten deutlich vergrößert. Auch die Yamswurzel findet immer mehr Anhänger, werben die Vertriebsfirmen doch mit einer Empfängnis verhütenden und verjüngenden Wirkung. Derzeit ist die Yamswurzel allerdings lediglich als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Botanik

Die Yamswurzel (botanisch: Dioscorea villosa) ist eine mehrjährige Rankpflanze, deren Blätter herzförmig sind. Sie kann eine Höhe von bis zu zehn Metern erreichen und blüht im Sommer grüngelb. Ursprünglich wächst sie in Nordamerika, wird aber heute weltweit kultiviert.

Geschichte

Bevor Hormone synthetisch hergestellt werden konnten, benutzte man das in der Yamswurzel enthaltene Diosgenin zur Herstellung der Anti-Baby-Pille. Ihre entzündungshemmende und krampflösende Wirkung kannten bereits die Azteken in Mexiko und die Mayas in Südamerika. Sie setzten die Pflanze als Schmerzmittel bei rheumatischen Symptomen , zur Geburtserleichterung und Zyklusregulierung ein. In Nordamerika wurde sie bereits von den Indianerstämmen als Verhütungs- und Verjüngungsmittel eingesetzt. Die amerikanischen Siedler wandten sie außerdem bei arthritischen Beschwerden und zur Schmerzlinderung an.

Wirkung

Das enthaltene Diosgenin ist die Vorstufe des körpereigenen Gelbkörperhormons Progesteron, das in den Eierstöcken produziert wird. Bereits in den 50er Jahren wurde durch Synthese aus Diosgenin Progesteron hergestellt und für Kontrazeptiva verwendet.
In China kommt der Yamswurzel eine große Bedeutung zu: Sie gehört zu der so genannten „Tablette der acht Zutaten" und wird bei einer Unterfunktion der Schilddrüse, Diabetes mellitus, häufigem Harndrang, übermäßigem Schwitzen, chronischem Husten, Scheidenfluss, Spermatorrhoe und Nierenentzündungen verschrieben. Darüber hinaus dient sie als Tonikum bei Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Müdigkeit.
Auch bei uns spielt die Yamswurzel in der Naturheilkunde eine immer größer werdende Rolle. Schwerpunktmäßig wird sie bei Menstruations- und Wechseljahresbeschwerden sowie zur Verhütung empfohlen. Bei richtiger und regelmäßiger Einnahme soll der Verhütungsschutz rund 97 Prozent betragen, ohne dass es zu den bei der Pille bekannten Nebenwirkungen kommt. Allerdings gibt es Unsicherheitsfaktoren wie zum Beispiel Übergewicht, Rauchen und der häufige Verzehr zuckerhaltiger Produkte. Der Schutz wird nach einer Vorlaufzeit von neun bzw. elf Wochen aufgebaut. Kritiker bemängeln jedoch die Tatsache, dass Diosgenin im menschlichen Organismus nicht weiter verarbeitet werden kann und somit wirkungslos ist. Auch in Hinblick auf Wechseljahresbeschwerden kann die Yamswurzel nicht überzeugen. Die medizinische Datenbank „medline" kam im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis, dass ein Placebo denselben Effekt erzielte.
Als traditionelle Heilpflanze hat die Yamswurzel allerdings gute Aussichten: So kann sie Krämpfe im Magen-Darm-Trakt lösen, die Verdauung durch eine verstärkte Gallensaftproduktion anregen und den Schleim bei Erkältungskrankheiten lösen. Auch bei Durchblutungsstörungen kann die Yamswurzel Abhilfe schaffen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt, allerdings sollten Schwangere und Stillende auf eine Einnahme verzichten.

 

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