Bandwurm beim Menschen, so wird man ihn los

"Würmer" bezeichnet weniger eine verwandte Gruppe von Lebewesen als eine Körperform. Würmer, in der Biologie als Helmithen bezeichnet, kommen überall in unserer Umwelt vor. Einige Gruppen von diesen sind parasitisch und schmarotzen unter anderem am Menschen. Parasiten findet man in den Gruppen Annelida (z.B. den außen am Wirt saugenden Blutegel), Trematoda (Egel, die im Wirt leben, z.B. Leberegel), Nematoda (hierzu gehören die Madenwürmer, die vor allem bei Kindern häufiger vorkommen, und der auf den Menschen übertragbare Spulwurm des Hundes) und Cestoda, die sogenannten "Bandwürmer". Diese Gruppen unterscheiden sich in Körperbau und Lebensweise, einschließlich Gefährlichkeit für den Menschen, Vermehrungszyklus und Übertragungswege.

Bandwürmer entwickeln sich in der Regel in zwei Stufen. Abgegebene Wurmeier müssen erst von einem sogenannten Zwischenwirt aufgenommen werden, in dem die Eier schlüpfen und sich ein Stadium des Wurmes entwickelt, das als Finne bezeichnet wird. Diese Finnen siedeln sich im Körper des Zwischenwirtes an, nicht im Darm, und finden ihren Endwirt, in dem dieser den Zwischenwirt frisst und verdaut. Die im Verdauungstrakt freiwerdenden Finnen entwickeln sich im Darm ihres jeweiligen Endwirts zum geschlechtsreifen Bandwurm weiter.
Der erwachsene Bandwurm besteht typischerweise aus einem Kopf mit Saugnäpfen oder -gruben und Haken, letztere können arttypisch fehlen, mit dem er sich in der Darmwand des Wirtes verankert. Gefolgt wird dieser kleine Kopf (Scolex) von einer Bildungszone (Proliferationszone), in der fortlaufend Segmente (Proglottiden) mit männlichen und weiblichen Geschlechtsanlagen produziert werden, die in ihrer Gesamtheit den größten Teil des Bandwurms ausmachen (Strobila). Die einzelnen Segmente wachsen und reifen, während sie durch die permanente Nachproduktion immer weiter vom Kopf des Wurmes nach hinten rücken. Auf ihrem Wege befruchten sie sich meist gegenseitig und werden mit einem gewissen Reifegrad, voller Bandwurm-Eier, vom restlichen Wurm abgeschnürt und verlassen auf natürlichem Wege den Wirt.

Die wenige Millimeter bis zu mehreren Metern langen erwachsenen Bandwürmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Darm ihres Wirtes lebt und dort mit ihm um Nahrung konkurriert. Dieses geht meist relativ symptomlos vonstatten, selten kommt es zu Störungen des Hungergefühls, Unwohlsein und leichten Bauchschmerzen, vor allem bei Kindern kann es jedoch zu Mangelerscheinungen trotz guter Nahrungsmittelversorgung kommen. Die Lebensdauer variiert je nach Art zwischen wenigen Wochen bis ca. 25 Jahre. In dieser Zeit scheidet der Endwirt ständig Eier aus, einzeln, in Paketen oder innerhalb von Proglottiden. Nur wenige Bandwürmer haben einen Lebenszyklus, bei dem sich der Endwirt direkt wieder mit diesen Eier infizieren kann und wo direkt ein neuen Bandwurm aus einem Ei hervorgeht. Zu nennen wäre hier Hymenolepis nana, der Zwergbandwurm. Mit Fäkalien verunreinigtes Essen kann in diesem Fall zur Infektion führen, oder ungewaschene Hände nach Kontakt mit der Analregion eine bestehende Infektion mit diesem relativ kurzlebigen Bandwurm fortführen.
Der Fund der winzigen Eier in Stuhlproben durch den Arzt beziehungsweise das Auffinden von ganzen, kalkweißen, wenige Millimeter bis einen Zentimeter großen Proglottiden ist ein sicherer Nachweis für eine Bandwurminfektion. Je nach Wurmart kann vom Arzt ein entsprechendes Mittel verschrieben werden, das, oral eingenommen, zum Abgang des Bandwurmes führt. Als Prävention gegen eine Infektion mit Bandwurm-Finnen, die mit Fleisch aufgenommen werden und sich im Menschen in erwachsene Bandwürmer weiterentwickeln, gilt das ausreichende Garen von Speisen (Kerntemperaturen von über 65°C) und das Vermeiden von rohem Fleisch wie zum Beispiel Tatar.

In der Regel entwickelt sich, wie oben beschrieben, der Bandwurm in einem Zwischenwirt über ein Zwischenstadium, bei dem die Finnen sich im Körper des Zwischenwirtes ansiedeln. In einigen Fällen bzw. bei einigen Bandwurmarten kann der Mensch diese Stellung als Zwischenwirt einnehmen, was durch die Ansiedlung dieser Finnen in der Leber, Muskelgeweben wie Herz und Zwerchfell, oder dem Gehirn weitreichendere Konsequenzen hat als ein ausgewachsener Bandwurm im Darm. Diese Stadien sind durch ihren Aufenthaltsort und ihre Gestalt schwieriger bis gar nicht zu bekämpfen und der beste Schutz besteht hierbei in der Vermeidung einer Infektion. Zu nennen ist hier zum einen der Schweine-(Finnen-)Bandwurm Taenia solium, dessen natürlicher Endwirt der Mensch ist und bei dem sich die Finnen im Schwein entwickeln. T. solium ist bei versehentlichem Verzehr der Eier durch den Menschen in der Lage, diesen als Zwischenwirt zu nutzen. In Deutschland zählt dieser Bandwurm heute durch einheitlich umgesetzte Hygienemaßnahmen als ausgestorben. Zum anderen sind die Eier z.B. des Fuchsbandwurmes Echinococcus multilocularis ebenfalls in der Lage sich neben Nagetieren auch im Menschen als Zwischenwirt zum Zwischenstadium zu entwickeln. Von Echinococcus gibt es weltweit mehrere Arten, deren Endwirte vor allem Katzen- und Hundeartige sind. Hier kann eine Ansteckung des Menschen durch engen Tier-Mensch Kontakt mit nicht entwurmten Tieren geschehen, entweder direkt oder über verunreinigte Lebensmittel. Die Eier sind extrem kältebeständig, durch Frostverfahren des Hausgebrauchs nicht unschädlich zu machen, und hitzebeständig bis ca. 60°C. Gefährlich ist dieser Bandwurm für den Menschen vor allem deshalb, weil sein Zwischenstadium nicht in Form einer Finne pro Ei im Zwischenwirt ruht, sondern sich vervielfacht und blasen- oder tumorartig wächst. Risikostudien konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen einem erhöhten Verzehr von am Boden gesammelten Früchten, Pilzen und Gemüse und erhöhter Infektionsrate belegen, jedoch sollte diese präventiv mindestens gewaschen, besser noch gekocht werden, da sich der hauptsächliche Endwirt Fuchs nicht nur im Wald sondern bis in besiedelte Gebiete hinein aufhält. Bei der Mehrheit der seit den 80iger Jahren infizierten Menschen, die nicht direkt im Kontakt zu Füchsen stehen, handelt es sich um Katzen- und Hundehalter. Als wirksamstes Mittel zur Vermeidung einer Echinococcus-Infektion stellt somit die regelmäßige Entwurmung seiner Haustiere dar, sofern diese Freilauf haben und somit Zugang zu Nagetieren, den eigentlichen Zwischenwirten.

Diesen Artikel stellt uns freundlicher Weise Bianca Gaißer zur Verfügung. Vielen Dank!

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