Essstörungen: Wenn Probleme mit dem Essen lebensbedrohlich werden 

Unter einer Essstörung versteht man eine Verhaltens- und Wahrnehmungsstörung, die sich sowohl körperlich als auch psychisch äußert. Massive Gewichtsprobleme (Über- oder Untergewicht) und psychische Störungen gehören zum typischen Krankheitsbild.

Die Betroffenen leiden unter einer gestörten Körperwahrnehmung, ihre Gedanken drehen sich pausenlos um das Thema Essen. Ihre Handlungen sind zwanghaft und sollen vor allem Bedürfnisse wie Liebe, Geborgenheit und Zufriedenheit ersetzen.
Eine groß angelegte Studie des Robert-Koch-Institutes kam 2007 zu einem erschreckenden Ergebnis: Knapp die Hälfte der 17.000 Teilnehmer zwischen 11 und 17 Jahren waren von Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating (Esssucht) betroffen.

Magersucht (Anorexia nerovsa)

Magersüchtige sehen bei einem Blick in den Spiegel stets einen dicken Menschen vor sich. Sie sind nicht mehr in der Lage, ihren Körper der Realität entsprechend wahrzunehmen. Obwohl sie bereits unter starkem Untergewicht leiden, versuchen sie ihr Gewicht durch Hungern, ständiges Kalorien zählen, exzessiven Sport oder Appetitzügler weiter zu verringern.
Sinkt der Body-Mass-Index unter 17,5 treten ernsthafte körperliche Probleme auf. Es kommt unter anderem zu hormonellen Schwankungen, Muskelschwund und osteopathischen Knochen. Werden keine Gegenmaßnahmen getroffen, drohen schwerste körperliche Folgen bis hin zum Tod.
Die Ursachen sind vor allem exogen. Dazu gehören sowohl das geltende Schönheitsideal als auch Probleme mit dem Elternhaus, der (ersten) Liebe und dem Erwachsenwerden allgemein. Inzwischen werden auch genetische Probleme wie ein zu niedriger Dopamin- und Endorphinspiegel in Betracht gezogen.

Bulimie (Ess-Brecht-Sucht)

Bei der Bulimie haben die Betroffenen zwar häufig Normalgewicht, leiden aber unter einer übersteigerten Angst zuzunehmen. Um das zu vermeiden, führen die Betroffenen nach dem Essen ein künstliches Erbrechen herbei oder greifen zu Abführmitteln und Einläufen. Durch dieses Verhalten wird der Körper in einen Mangelzustand versetzt, was wiederum Heißhungerattacken auslöst: Der Kreislauf beginnt von vorne. In der Folge kommt es zu einer Störung des Elektrolytehaushaltes, Zahnschäden und chronischen Entzündungen der Mundschleimhaut und Speiseröhre. Da das Erbrechen in der Regel heimlich stattfindet, bleibt die Krankheit oft lange unentdeckt.

Binge Eating (Esssucht)

Etwa zwei Prozent der Deutschen leiden unter Binge Eating. Darunter versteht man eine Esssucht, bei der es regelmäßig zu Fressanfällen kommt. Das Krankheitsbild ist von einem deutlichen Suchtcharakter geprägt. Binnen kürzester Zeit werden wahllos Nahrungsmittel in sich „hinein gestopft". Die Menge ist dabei unverhältnismäßig groß, der Vorgang selbst völlig unkontrolliert.
Auffällig sind folgende Merkmale: Die Betroffenen essen ohne überhaupt ein Hungergefühl zu verspüren. Sie verschlingen die Nahrungsmittel regelrecht und hören erst auf, wenn sich ein Unwohlsein (starkes Völlegefühl) einstellt. Oftmals passiert das im Verborgenen, da die Betroffenen Scham für ihr Verhalten empfinden. Hinterher stellt sich in der Regel ein Gefühl der Reue ein, die Essattacken werden als eklig empfunden.
Die Mehrheit der Betroffenen leidet unter Adipositas und den damit verbundenen körperlichen Beschwerden.

Prävention

Besonders wichtig ist ein gesundes Selbstwertgefühl, denn nicht selten leiden die Betroffenen unter einem mangelnden Selbstbewusstsein und definieren sich ausschließlich über das Aussehen. Da vor allem junge Mädchen betroffen sind, sollten Eltern und Lehrer für dieses Thema sensibilisiert sein. Auch wenn die Jugendlichen an der Stelle zum Erwachsensein stehen, brauchen sie gerade in der Pubertät eine Atmosphäre des Vertrauens und das Gefühl, geliebt zu werden.

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