Wie wirkt sich Grüner Tee auf die Gesundheit aus?

Grüner Tee gehört in Japan zum Alltag wie bei uns Butter aufs Brot. Warum aber ist diese Teesorte im Land der aufgehenden Sonne so beliebt?

Tee wird aus jungen Blättern und Blattknospen einer einzigen Pflanzenart hergestellt. Dennoch enthält Tee Hunderte von Inhaltsstoffen bei einem gleichzeitig niedrigen Kaloriengehalt. Grüntee ist eine besondere Teeart, die viele gesundheitliche Effekte besitzt.

Japanischer Grüntee: Eigenschaften und Zubereitung

Die Definition von Tee unterscheidet sich grundlegend zwischen Japan und Deutschland. Hierzulande verbindet man Sorten wie Früchtetee mit dem Oberbegriff Tee. In Japan ist Tee (お茶; ocha) ein Synonym für grünen Tee (緑茶; Ryokucha).

Grüner Tee ist ursprünglich kein Produkt Japans. Seinen Ursprung hat die Teesorte in China. Dort ist es bis heute die beliebteste Teesorte geblieben. Der buddhistische Mönch Myōan Eisai brachte den grünen Tee von China nach Japan.

In der westlichen Welt ist japanischer Grüntee besonders beliebt. Der Grund liegt darin, dass in Japan überwiegend gedämpfte Grünteesorten produziert werden. Andere Länder erzeugen überwiegend pfannenerhitzte Tees. Experten empfehlen gedämpften Tee gegenüber anderen Herstellungsmethoden.

Für die Zubereitung von japanischem Grüntee gibt es vier Richtwerte:

  1. Wassertemperatur
  2. Ziehdauer
  3. Teemenge
  4. Wassermenge

Genaue Zubereitungsempfehlungen zu einzelnen Teesorten gibt es hier.

Matcha-Tee: Eine besondere Sorte des grünen Tees

Matcha-Tee ist eine besondere Teesorte. Er wird wie Gyokuro unter Bambusmatten beschattet. Die Herstellungsmethode von Matcha-Tee ist äußerst aufwendig, garantiert aber auch ein besonderes Geschmackserlebnis. Nach der Beschattung der Blätter vor der Ernte werden sie unfermentiert in Steinmühlen zu einem feinen Pulver gemahlen.

Die Zubereitung von Matcha-Tee unterscheidet sich grundlegend von anderen Sorten des grünen Tees. Interessierte benötigen folgendes Zubehör:

  • Matcha-Schale
  • Chasen (jap. 茶筅) - Teebesen
  • Chashaku (jap. 茶杓) - Bambuslöffel
  • Messbecher
  • Matcha-Sieb
  • Matcha-Tee

Bei japanischem Grüntee, insbesondere bei Macha, gibt es qualitative Unterschiede, die im Geschmack bemerkbar sind. Grüner Tee von Koyamaen gehört zu den edleren Sorten, deren Qualität mithilfe hoher Standards erhalten wird. Die Plantage besitzt eine ISO- und Bio-Zertifizierung, die die Reinheit der Teeblätter belegen. Verbraucher sollten auch darauf achten, dass ausschließlich natürliche Pflanzenschutz- und Düngemittel zum Einsatz kommen. Schließlich soll der Grüntee ihnen helfen, ihre Gesundheit zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.

Die Rettung des Professors Hunstein

Werner Hunstein, einer von Deutschlands bekanntesten Hämatologen, war jahrelang ein Befürworter und Fan von Kaffee - bis er auf grünen Tee stoß. Der Hochschulprofessor baute die Abteilung Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie an der Heidelberger Medizinischen Poliklinik auf und war bis 1998 ihr Leiter.

Doch Ärzte sind Menschen wie alle anderen auch. Bei Hunstein wurde im Alter von 73 Jahren eine problematische Diagnose gestellt: Systemische Leichtketten-(AL)-Amyloidose. Es handelt sich um eine leukämieähnliche Blutkrankheit, welches 1859 erstmals in Heidelberg beschrieben wurde. Krankhafte Blutzellen produzieren Eiweiß, Leichtketten genannt. Diese Proteine sind eigentlich für die Immunabwehr zuständig. Da der Körper sie nicht abbaut, klumpen sie sich als Fäden und lagern sich in lebenswichtigen Organen, insbesondere Herz und Nieren, im Körper ab.

Die Wende kam unerwartet: Zwei ehemalige Oberärzte von Hunstein gaben ihm einen Tipp. Sie haben in Berlin einen Vortrag des Molekularmediziners Erich Wanker gehört. Der Inhaltsstoff Epigallocatechingallat (EGCG) soll Amyloidablagerungen verhindern beziehungsweise auflösen. Zu finden ist der Inhaltsstoff in grünem Tee.

Da Hunstein nichts zu verlieren hatte, trank er täglich 1,5 bis zwei Liter der Teesorte. Innerhalb kürzester Zeit verbesserte sich die gesundheitliche Situation des ehemaligen Mediziners, der seinen Fall später bei dem hämatologischen Fachblatt Blood einreichte.

Nach seiner Heilung durch grünen Tee lebte Prof. Dr. med. Werner Hunstein noch viele Jahre, bis er im Februar 2012 im Alter von 83 Jahren verstarb. Weitere Informationen zur Karriere von Werner Hunstein gibt es in diesem Nachruf der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (PDF; 442 KB).

Grüner Tee als Vorsorge gegen Alzheimer und Parkinson

Der zuvor genannte Vortrag von Erich Wanker ist nicht nur für den Fall von Werner Hunstein interessant, sondern praktisch alle Menschen, die für ihre Gesundheit vorsorgen möchten. Wanker hat zusammen mit Jan Bieschke, Dagmar Ehrnhöfer und seinem Team vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch herausgefunden, dass grüner Tee Amyloidablagerungen hemmen. Amyloidablagerungen sind nicht nur für die Diagnose von Hunstein wichtig, sondern auch für die Krankheiten Alzheimer und Parkinson.

Da einige Proteine dazu neigen, sich als unlösliche Aggregate (Amyloid) abzulagern, können sie Nervenzellen im Gehirn schädigen. Das in grünem Tee enthaltene EGCG kann verhindern, dass die Proteine eine unlösliche Form annehmen. Ihr Konzept, wie Medikamente auf Basis von EGCG entwickelt werden können, haben die Forscher in der Onlinevariante der Zeitschrift Nature Structural & Molecular Biology geäußert.

Grüner Tee schützt gegen Prostatakrebs

Italienische Mediziner nutzen denselben Wirkstoff aus grünem Tee wie Wanker, um zu verhindern, dass sich ein Tumor bei Patienten in einer Prostata-Krebs-Vorstufe entwickelt. Sie verabreichten den männlichen Patienten 600 Milligramm (mg) Catechine. Die Catechin-Mischung bestand zu 50 Prozent aus EGCG.

Insgesamt 62 Patienten nahmen an der Studie im italienischen Parma teil. Ihre Prostata wies eine fortgeschrittene Veränderung (intraepitheliale Prostata-Neoplasie) auf. In der Gruppe mit Catechinen erkrankte nur ein Mann an einem Prostata-Karzinom. Bei der Testgruppe gab es neun erkrankte Männer.

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