Geheimratsecken: Nicht nur Männersache – Ursachen & Therapie

Unter Geheimratsecken (lateinisch: calvities frontalis) versteht man eine bestimmte Form des Haarausfalls, der sich auf den Bereich der Schläfen konzentriert. Der Begriff stammt aus der Monarchenzeit des 17. Jahrhunderts und war als Ehrentitel für Beamte ursprünglich von positiver Bedeutung. Die Ursachen sind meistens erblich, hormonell oder altersbedingt (Klimakterium). Geheimratsecken sind zwar harmlos, stellen aber oftmals eine große psychische Belastung für den Betroffenen dar.

Geheimratsecken

Bildnachweis: photocase.com - markus warneke

Krankheitsbedingter Haarausfall?

Vor allem männliche Jugendliche leiden unter Alopcia praematura, eine vererbte Form der Alopezie (Haarsausfall) mit vorzeitigem Haarschwund an den Schläfen. Weitere häufige Krankheiten, die Geheimratsecken als Symptom haben, sind Alopecia androgenetica (androgener Haarausfall) und das Polyzystische Ovarialsyndrom.

Die Ursache für Alopcia praematura ist eine genetisch bedingte erhöhte Empfindlichkeit für das Hormon DHT ((Dihydrotestosteron). Es verkürzt die Wachstumsphase des Haares so stark, dass es kaum noch sichtbar aus der Kopfhaut hervortritt.
Alopecia androgenetica betrifft weit mehr als die Hälfte der männlichen Bevölkerung Deutschlands und basiert ebenfalls auf einer Empfindlichkeit des Haarfollikels gegenüber männlichen Geschlechtshormonen bzw. dem Stoffwechselprodukt DHT. Es lässt sich allerdings nicht voraussagen, zu welchem Zeitpunkt diese Empfindlichkeit einsetzt.
Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine Stoffwechselstörung bei geschlechtsreifen Frauen, deren Krankheitsbild unter anderem durch eine Erhöhung der Androgene gekennzeichnet ist. Durch einen erhöhten Testosteronspiegel kann es zu Haarsausfall in Form von Geheimratsecken kommen.

Therapie bei Geheimratsecken

Alopecia androgenetica kann vor allem bei Männern medikamentös behandelt werden. Einige Präparate sind zwar in der Lage, den Haarausfall aufzuhalten und im besten Fall ein Nachwachsen der ausgefallenen Haare zu erreichen, verlieren aber ihre Wirkung nach Absetzen des Medikamentes wieder.
Frauen, die unter PCOS leiden, werden vor allem wegen des fehlenden Eisprunges und der damit bestehenden Unfruchtbarkeit behandelt. Dieses geschieht mit Hilfe von Antiöstrogenen (zum Beispiel Clomifen), was sich wiederum auch positiv auf die Follikelbildung auswirkt.

Haarersatz bei Geheimratsecken

Eine dauerhafte Lösung ist ein Haarersatz. Die günstigere und einfachere Variante ist eine Perücke. Aufwendiger und somit auch kostspieliger sind ein Echthaarersatz oder eine Haartransplantation. Um ein wirklich natürlich aussehendes Ergebnis zu erzielen, muss der Eingriff allerdings fachmännisch von einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.

Vorbeugen & weitere Ursachen von Geheimratsecken

Oft sind die Ursachen für einen Haarausfall aber auch woanders zu suchen. Häufig verwendete Shampoos und Stylingprodukte können die Kopfhaut schädigen. Hier lohnt es sich, zunächst einmal milde (pH-neutrale) Shampoos und natürliche Produkte zu verwenden. Eventuell liegt auch eine Vergiftung des Körpers durch alte Zahnfüllungen aus Quecksilber oder andere Gifte (zum Beispiel Medikamente, Lösungsmittel, etc.) vor. Besteht der Verdacht, dass der Haarausfall dadurch ausgelöst wird, sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.
Die Naturheilkunde geht von einer weiteren Ursache für Haarausfall aus. Ihrer Meinung nach leidet der Betroffene häufig unter einer Übersäuerung (Azidose) des Körpers und rät dazu, diesen mittels einer Basen-Kur wieder zu bereinigen. Die Wirksamkeit solcher Produkte konnten bisher allerdings weder klinisch noch in Studien nachgewiesen werden. Vielmehr bedient man sich hier der Hoffnung der Betroffenen auf Besserung, um ein gutes Geschäft zu machen.


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