Gesundheitsreform: Versicherungspflicht & Einheitsbeitrag 

Bereits 2007 traten erste Teile der Gesundheitsreform in Kraft. Doch erst zum 1. Januar wurden die wirklich gravierenden Änderungen umgesetzt. Dazu gehören die Einführung des Gesundheitsfonds, das Angebot eines Basistarifes bei den privaten Krankenkassen und die Krankenversicherungspflicht.

Krankenversicherungspflicht

Vor der Umsetzung der Gesundheitsreform waren in Deutschland etwa 300.000 Menschen nicht krankenversichert. Aber nur rund 200.000 Menschen davon gehörten der ärmeren Bevölkerungsschicht an. Mit Einführung der Neuregelung wurde dies geändert. Ob man sich eine gesetzliche oder private Krankenkasse sucht, steht allerdings jedem frei. Die Krankenkassen hingegen sind zur Aufnahme verpflichtet. Wer früher Mitglied einer privaten Krankenkasse war und keinen Wechsel zur gesetzlichen vorgenommen hat, musste sich nach dem 1. Januar 2009 wieder privat versichern.
Unversicherten droht neben der Nachzahlung der offenen Beiträge ein Bußgeld. Möchte man die Krankenkasse wechseln, muss eine neue Police nachgewiesen werden.

Der Gesundheitsfond

Neu ist auch der einheitliche Beitragssatz, der von der Bundesregierung auf 15,5% festgelegt wurde. Er ist für alle gesetzlichen Krankenkassen gültig. Das Geld landet nun in einem „großen Topf", im sogenannten Gesundheitsfond. Verwaltet wird dieser Fond vom Bundesversicherungsamt. Neben den Versicherungsbeiträgen wird hier noch Geld aus Steuermitteln eingezahlt. Die Krankenkasse wiederum erhält für jeden Versicherten eine Pauschale. Zusätzlich gibt es allerdings einen Ausgleichszuchlag, der nach Art und Schwere der Erkrankungen (rund 80 Krankheitsbilder wurden hier festgelegt) des Versicherungsteilnehmers unterscheidet. In Fachkreisen spricht man aufgrund der Umverteilung von einem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA).
Da im einheitlichen Krankenkassenbeitragssatz weiterhin 0,9% Sonderbeitrag enthalten sind, zahlt der Versicherungsteilnehmer bei der gesetzlichen Krankenkasse 8,2% seines Bruttoeinkommens.

Zusatzbeiträge
Die Krankenkassen sind berechtigt, einen monatlichen Zusatzbeitrag von bis zu acht Euro zu nehmen. Ist der geforderte Betrag höher, muss zuvor eine Einkommensprüfung beim Versicherten durchgeführt werden. Der Zusatzbeitrag darf nicht höher als ein Prozent des Bruttoeinkommens sein. Hat die Krankenkasse aufgrund des Risikostrukturausgleiches einen Überschuss, kann sie diesen als Prämie an ihre Mitglieder weitergeben.
Wird ein Zusatzbeitrag erhoben, kann der Versicherungsteilnehmer die Krankenkasse wechseln.

Neue Leistungen
Auch wenn die Gesundheitsreform nach wie vor umstritten ist, so gibt es auch einige Vorteile. Empfohlene Impfungen und Eltern-Kind-Kuren werden nun von der Krankenkasse übernommen. Schwerstkranke und Sterbende haben das Recht auf eine spezielle Betreuung bei sich zu Hause. Auch Heimbewohner mit Pflegebedarf (z.B. Wachkomapatienten) können auf Wunsch zu Hause betreut werden.


Ziele der Gesundheitsreform

Durch die Änderungen erhofft man sich auf Dauer mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Desweiteren soll der Versicherungsschutz offener gestaltet werden. So gibt es mittlerweile unterschiedliche Modelle, die eine besonders gesunde Lebensweise honorieren. Vor allem von den privaten Krankenkassen wurde ein Umdenken erzwungen, da es nun bessere Rückkehrmöglichkeiten in eben diese gibt. Selbst für sozial schwache Menschen ist der Wechsel möglich. Insgesamt sollen die Kosten transparenter und die Verwendung von Beitrags- und Steuermitteln wirtschaftlicher sein.

 

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