Haltungsschäden bei Kindern vorbeugen

Laut aktuellen Studien der Krankenkassen KKH und BKK leiden etwa zwei Drittel der deutschen Kinder über 14 Jahre bereits an Rückenschmerzen. Aufgrund dieser alarmierenden Zahlen sind Eltern natürlich schockiert. Doch wie können Sie Haltungsschäden bei Ihrem Kind wirklich vorbeugen?
 

Haltungsschäden schon im Babyalter vorbeugen

In den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt eines Kindes krümmt sich die Wirbelsäule nach hinten, während die Beine im Hüftgelenk einen Winkel von mehr als 90 Grad annehmen. Um spätere Haltungsschäden und Rückenprobleme zu vermeiden, sollten Sie diese natürliche Haltung schon im Babyalter unterstützen. Wenn Sie mit Ihrem Baby unterwegs sind, sollten Sie daher auf eine Tragehilfe setzen, die den Rücken Ihres Kindes stützt, aber dennoch eine leichte Krümmung ermöglicht. Am besten ist es, wenn Sie Ihr Kind schon als Baby im Tragetuch tragen, denn dies ist die gesündeste Art, Ihr Baby zu transportieren. In einem solchen Tuch kann das Kind mit gespreizten und angewinkelten Beinen sitzen. Dadurch wird der Rücken optimal entlastet. Wichtig ist nur, dass der Blick des Kindes immer der Mutter zugewandt ist, wenn es vor dem Bauch getragen wird, da die Wirbelsäule andernfalls ein Hohlkreuz bildet.

Ursachen für Haltungsschäden

Später lernt Ihr Kind im Liegen den Kopf anzuheben, zu stehen, zu sitzen und zu laufen. Dadurch wird die Wirbelsäule umgebildet, sodass sie im Alter von etwa zwei Jahren die charakteristische S-Form erreicht hat. Von der Seite her betrachtet ist die Halswirbelsäule dann ein wenig nach vorne gekrümmt, während die Brustwirbelsäule eine leichte Krümmung nach hinten aufweist und die Lendenwirbelsäule abermals ein wenig nach vorne gekrümmt ist. Diese S-Form ermöglicht Ihrem Kind das Stehen und Gehen, sofern die Muskulatur im Rücken und im Bauch stark genug ausgeprägt ist.

Insbesondere während des Längenwachstums, das zwischen dem fünften und dem siebten Lebensjahr sowie zwischen dem elften und dem 15. Lebensjahr stattfindet, kommt es häufig vor, dass die Entwicklung der Muskulatur länger dauert als das Wachstum der Knochen. Ist die Muskulatur im Verhältnis zum Skelett zu schwach, dann entstehen typische Haltungsschäden wie zum Beispiel:

  • Hohlkreuz
  • Rundrücken
  • Flachrücken

Außerdem werden Rückenprobleme durch äußere Faktoren beeinflusst. Wenn Ihr Kind zum Beispiel die meiste Zeit sitzend verbringt, sich generell wenig bewegt oder sich zu einseitig und zu stark belastet, sind Haltungsschäden oft vorprogrammiert. Kaufen Sie daher zum Beispiel einen ergonomischen Kinderschreibtisch.

verbaudet.de, langjähriger Hersteller solcher Tische, nennt folgende Vorteile davon:
  • kindgerechter und ergonomischer als normale Möbel
  • bequem und rückenfreundlich sitzen
  • praktischen Fächern an der Seite und direkt unter der Tischplatte sorgen für Ordnung
  • große Arbeitsfläche bietet auch Schülern viel Platz zum Hausaufgaben machen
Zusätzlich sollten Sie Ihr Kind zu ausreichend Bewegung an der frischen Luft animieren, um seine Gesundheit zu fördern.

Bewegung gegen Haltungsschäden

Die beste vorbeugende Medizin, um die Wirbelsäule zu stärken und zu entlasten, besteht in einer ausgeprägten Muskulatur. Das gelingt natürlich nur durch viel Bewegung. Ermöglichen Sie Ihren Kindern so oft wie möglich dem natürlichen Bewegungsdrang nachzukommen. Falls Ihr Kind lieber vor dem Fernseher sitzt oder Videospiele spielt, sollten Sie es regelmäßig dazu auffordern, sich im Freien auszutoben.

Am besten geeignet sind Laufspiele, weil sie natürliche Bewegungen nachahmen. Aber auch Schwimmen ist eine sinnvolle Bewegung für Kinder. Hier kommt es darauf an, dass Ihr Kind die richtige Technik beherrscht, da andernfalls Haltungsschäden sogar verstärkt werden könnten.

Spezielle gymnastische Übungen, um die Bauch- und Rückenmuskulatur zu stärken, sind bei gesunden Kindern noch nicht notwendig. Sie sollten erst auf dem Programm stehen, wenn wirklich Haltungsschäden diagnostiziert wurden. Gesunde Kinder dürfen zur Vorbeugung stattdessen gern Sportarten ausüben, bei denen der Spaß im Vordergrund steht.

Haltungsschäden rechtzeitig erkennen und behandeln

Gerade für Laien ist es nicht so einfach herauszufinden, ob ein Kind Probleme mit dem Rücken hat oder nicht. Sie sollten jedoch Haltungsschäden bei Kindern rechtzeitig erkennen, um schnell Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Je früher die Diagnose gestellt werden kann, desto besser ist in der Regel auch der Behandlungserfolg. Wir empfehlen Ihnen, regelmäßig Tests zur Früherkennung von Haltungsschäden durchzuführen. Das gilt insbesondere dann, wenn Sie bemerken, dass Ihr Kind gerade in einem Wachstumsschub steckt.

Fordern Sie Ihr Kind dazu auf, sich mit hüftbreit entfernten Füßen gerade hinzustellen. Befinden sich die Kniekehlen auf gleicher Höhe? Haben beide Arme den gleichen Abstand zum Körper? Stehen die Schulterblätter nur leicht hervor? Betrachten Sie Ihr Kind auch von der Seite. Die äußeren Fußknöchel, die Schultergelenke, die Ohren und die Hüftknochen sollten sich allesamt auf einer geraden Linie befinden. Typisch für ein Hohlkreuz sind zum Beispiel der nach vorn gewölbte Bauch, ein runder Rücken sowie stark herausstehende Schulterblätter. Solche Merkmale erkennen Sie in dieser Haltung Ihres Kindes sehr gut.

Außerdem sollte Ihr Kind ab dem Grundschulalter regelmäßig die folgenden Übungen durchführen:

  • 30 Sekunden lang mit nach vorne gestreckten Armen gerade stehen
  • 60 Sekunden lang mit geschlossenen Augen gerade stehen, ohne zu schwanken
  • Die Fingerspitzen bei durchgestreckten Knien bis zu den Zehen bewegen
  • Eine Ferse ohne Festhalten bis zum Po führen

Sofern Sie feststellen, dass Ihr Kind bei einem dieser Tests oder gar bei mehreren Aufgaben Schwierigkeiten hat, sollten Sie zeitnah einen Orthopäden kontaktieren.

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