Die Pille: Nebenwirkungen des Kontrazeptivums

1961 brachte die Berliner Firma Schering AG die erste Antibabypille heraus. Unter dem Namen „Anovlar“ wurde sie als „Mittel zur Behebung von Menstruationsbeschwerden“ verkauft, die Empfängnis verhütende Wirkung lediglich im Beipackzettel unter den Nebenwirkungen erwähnt. Aus moralischen Gründen riet der Hersteller den Ärzten zunächst, Anovlar nur verheirateten Frauen mit mindestens zwei Kindern zu verschreiben. Doch bereits 1966 wusste beinahe jeder in Westdeutschland, was mit der „Pille" gemeint war und nur vier Jahre später beliefen sich die Absatzzahlen bereits auf mehr als 27 Millionen Packungen.

Gleichzeitig ließ die Geburtenrate beinahe um die Hälfte nach. Heute macht ein Hersteller allein mit einem solchen Produkt rund eine Milliarde Euro Umsatz im Jahr. Immer wieder kommt es jedoch auch zu Kritik, sogar von Todesfällen ist die Rede.

Unerwünschte Nebenwirkungen der Pille

Neben ihrer Empfängnis verhütenden Wirkung zeichnet sich das Kontrazeptivum durch weitere positive Eigenschaften aus. Sie wird deshalb auch bei Akne, schmerzhaften oder stark auftretenden Regelblutungen, gutartigen Gebärmuttertumoren, Endometriose und Hypertrichose (übermäßige Körperbehaarung) eingesetzt. Den Vorteilen stehen aber auch unerwünschte Nebenwirkungen gegenüber: Übelkeit, sexuelle Unlust und Gewichtszunahme zählen zu den bekannten Folgen. Die Gewichtszunahme ist aber in der Regel lediglich eine Wassereinlagerung durch die Östrogene, das mit Absetzen der Pille wieder verschwindet. Allerdings kann sie auch ein Spannungsgefühl in den Brüsten sowie ein Anschwellen von Fingern oder Beinen nach sich ziehen. Dies wird von den Patientinnen oftmals als unangenehm empfunden. Eine eindeutige Gewichtszunahme durch Bildung neuer Fettzellen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Nur in seltenen Fällen wurde ein gesteigerter Appetit festgestellt, der aber meistens mit einem Produktwechsel reduziert wurde. Ebenfalls selten, dafür aber auch schwerwiegender, sind Bluthochdruck, Störungen der Leberfunktion und Thrombose als Nebenwirkungen. Frauen mit entsprechenden Vorerkrankungen wie Thrombosen der tiefen Beinvenen, Diabetes mellitus (Typ1) oder Lebererkrankungen wird von der Einnahme der Antibabypille abgeraten.

Anpassungsphase

Wird mit der Einnahme der Pille begonnen, sollte mit einer Anpassungszeit von drei bis sechs Monaten gerechnet werden. In dieser Zeit können nicht nur die oben genannten Nebenwirkungen auftreten, sondern auch Durchfall oder Übelkeit. Bei Migräneanfällen während der Blutung sollte mit dem Arzt über ein alternatives Verhütungsmittel gesprochen werden.

Kontroverse

Ob bei regelmäßiger Einnahme das Risiko, an bestimmten Krebsarten (Gebärmutterhals-, Brust- und Leberkrebs) zu erkranken, wirklich steigt, ist bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Zwar scheinen einige Studien dies zu belegen, andere wiederum bringen aber den Gegenbeweis. Die Weltgesundheitsorganisation sowie auch internationale Datenbankerhebungen gehen davon aus, dass hormonelle Kontrazeptiva der dritten Generation (erhältlich seit Ende 1990er Jahre) keine Gefahr darstellen. Einzelne Todesfälle oder dauerhafte Schäden wie die Behinderung einer 16-Jährigen Schweizerin konnten bis heute nicht eindeutig geklärt werden. Die Hersteller weisen jede Schuld von sich, ein Gegenbeweis ist nur schwer zu erbringen.

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