Harninkontinenz: Wenn die Blase schwächelt 

Etwa sechs Millionen Frauen in Deutschland leiden unter einer Blasenschwäche. Tatsächlich werden inzwischen mehr Windeln für Erwachsene als für Kinder produziert. Am häufigsten betroffen sind Seniorinnen (jede dritte), gefolgt von Frauen über 35 (jede siebte).

Männer haben in der Regel erst im hohen Alter bzw. nach einer Prostataoperation mit einer Harninkontinenz zu tun. Leider zählt diese Erkrankung in unserer Gesellschaft noch immer zu den Tabuthemen, so dass viele Fälle unbehandelt bleiben. Die Scham ist oft noch größer als die Einschränkungen im sozialen Leben.

Ging man früher davon aus, dass die Blasenschwäche bei Frauen durch die Geburt eines Kindes ausgelöst wurde, weiß man heute um die Vielfältigkeit der Ursachen. Neben einer angeboren Binde- und Gewebsschwäche sind es häufig die hormonellen und körperlichen Änderungen in der Schwangerschaft. Die Geburt selbst belastet den Beckenboden zusätzlich.
Auch die durch die Wechseljahre bedingte Umstellung der Hormone löst oftmals die Beschwerden aus. Aber auch Vorerkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Parkinson oder Blasensteine können Ursache sein.
Der Begriff Harninkontinenz fasst verschiedene Krankheitsbilder zusammen. Man unterscheidet zwischen einer Reizblase, Drang- und Belastungsinkontinenz.

Reizblase

Unter einer Reizblase versteht man den unwillkürlichen Harnabgang. Charakteristisch dafür ist ein häufig und plötzlich einsetzender Harndrang, allerdings verliert der Betroffene dabei keinen Urin. Grund dafür sind schlechte Trink- und Toilettengewohnheiten sowie verschiedene Reizzustände. Auch eine bakterielle Blasenentzündung zählt oftmals zu den Auslösern.

Dranginkontinenz

Eine überaktive Blase (Dranginkontinenz) ist häufig die Folge einer Reizblase. Der Drang, auf die Toilette zu müssen, nimmt deutlich zu, bis die Zeit irgendwann nicht mehr ausreicht.
Wie auch bei der Reizblase muss bei der Diagnosestellung Folgendes beachtet werden. Der Urin sollte auf Entzündungsmerkmale untersucht und ein Hormonmangel ausgeschlossen werden. Liegt tatsächlich ein Hormonmangel vor, müssen Östrogene vaginal verabreicht werden. Weiterhin sollte kontrolliert werden, ob die Blase ausreichend geleert werden kann. Neben Medikamenten zur Normalisierung des Harndranges, sind ein „Toilettentraining" und Beckenbodengymnastik empfehlenswert. Auch auf die Trinkmenge sollte stets geachtet werden.

Belastungsinkontinez

Unter dieser Form der Blasenschwäche leiden vor allem Frauen in den Wechseljahren. Der Schließmuskel der Blase funktioniert nicht mehr richtig. Die Folge: Beim Lachen, Niesen oder körperlichen Belastungen (zum Beispiel schweres Heben), verliert die Betroffene etwas Urin.

Die Therapie bei einer Belastungsinkontinenz sieht häufig eine Operation vor. Allerdings sollten vorher die konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Dazu gehört das Medikament Duloxetin, das den Schließmuskel der Blase stärkt. Neben der Beckenbodengymnastik ist außerdem der Einsatz von Pessaren (Ringe aus Gummi) empfehlenswert. Diese stabilisieren den Beckenboden.
Sind diese Behandlungsmöglichkeiten bereits ausgeschöpft, wird eine kleine Operation notwendig. Dabei wird ein Nylonband unter der Harnröhre eingesetzt. Rund 85 Prozent der Frauen sind nach dieser Operation beschwerdefrei.

Inkontinenz bei Demenz

Menschen in hohem Alter ist es häufig nicht mehr möglich, die Blase und den Darm ausreichend zu kontrollieren. Das liegt an der nachlassenden Leistung des Verstandes, das Nervensystem funktioniert dann nicht mehr wie gewohnt. Um dem entgegenzuwirken, sollten ältere Menschen ihre Beweglichkeit durch Krankengymnastik erhalten, das Gehirn möglichst täglich trainieren und eine regelmäßige Intimpflege vornehmen.

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