Was man bei Haut jucken tun kann

Hautjucken wird in der Fachsprache als Pruritus (aus dem Lateinischen: prurire = jucken) bezeichnet. Darunter versteht man einen Juckreiz der Haut, der ein verstärktes Kratzen hervorruft. Wie jüngere Forschungen ergeben haben, ist die Sinnesempfindung der Haut unabhängig von der Schmerzempfindung. Vielmehr sind es oberflächliche Nervenenden in der Haut, die auf Botenstoffe aus der Haut und Blut reagieren. Da die Botenstoffe in ihrer Zusammensetzung jedoch sehr unterschiedlich sind, reagiert die Haut auch mit verschiedenen Juckempfindungen auf sie. Mal wird die Reaktion vom Patienten nur als reines Jucken wahrgenommen, mal wird das Gefühl als brennend, stechend oder schmerzend beschrieben. Diese Juckempfindung wird dann über die Nervenbahnen des Rückenmarks bis zum Gehirn geleitet – und genau dort entsteht unmittelbar als Reaktion darauf das Verlangen, an bestimmten Stellen zu kratzen. Die Ursachen dafür sind äußerst unterschiedlich, zunächst einmal aber wird zwischen einem akutem und einem chronischen Pruritus unterschieden.

Akuter Pruritus:

Ein akuter Pruritus ist eigentlich eine positive Reaktion, denn er sorgt dafür, dass wir Fremdkörper auf der Körperoberfläche bemerken. Das können beispielsweise Insekten, Parasiten, aber auch schädliche Pflanzen wie Brennnesseln sein. Durch den akuten Juckreiz wird der Schädlingsreiz beseitigt. Behandelt man dann die eventuell entstandenen Auswirkungen des Schädlings, verschwindet der Juckreiz in der Regel innerhalb weniger Stunden bis weniger Tage.

Chronischer Pruritus:

Problematisch hingegen ist der chronische Pruritus. Der Juckreiz bleibt länger bestehen und belastet den Betroffenen. Die Ursachen hierfür sind sehr unterschiedlich. Tatsächlich kommt es häufig vor, dass der Juckreiz bereits einsetzt, die Krankheit aber nicht vollständig ausgebrochen ist. Aus diesem Grund ist es oftmals sinnvoll, dass mehrere Fachärzte zusammenarbeiten.

Was verstärkt den Juckreiz?

Das ständige Jucken der Haut ist unangenehm und kann bisweilen den Alltag stark einschränken. Doch nicht nur das Kratzen verschlimmert den Zustand, sondern durchaus auch andere Faktoren. So sollten Betroffene eine trockene Haut ebenso wie überhitzte Räume vermeiden. Auch raue Kleidung kann eine negative Auswirkung haben. Für zusätzlich gereizte Haut sorgen häufiges Waschen und Baden – hier gilt: weniger ist mehr. Auch die Ernährung spielt bei einem gesunden Hautbild eine wichtige Rolle. So können Genussmittel wie Alkohol, scharfe Gewürze und heiße Getränke den Juckreiz noch verstärken. Auch Stress kann ein Auslöser sein.
Da Kratzen ein reiner Reflex ist, kann das Entstehen von Hautverletzungen kaum verhindert werden. Diese wiederum verursachen erneut einen Juckreiz, so dass sich der Patient letztlich in einem Teufelskreis befindet.

Abhilfe schaffen

Eine sofortige Linderung verschaffen kühlende Gels oder Cremes. Dabei ist aber darauf zu achten, wie das Hautbild aussieht. Bei sehr trockener Haut zum Beispiel benutzt man am besten Fettcreme, eine fettige Haut wiederum hat andere Ansprüche. Alternativ sind auch kalte Umschläge mit schwarzem Tee sehr empfehlenswert.
Hat der Kratzreflex schon eingesetzt, kann man versuchen, ihn umzuleiten. Ein kleines Kratzkissen ist beispielsweise ein guter Ersatz. Notfalls tut es aber auch das Sofa oder die Bettdecke. Auch eine kurze kalte Dusche kann helfen. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass man die Haut regelmäßig eincremt.
Bei besonders schlimmen Kratzattacken in der Nacht sollten die Fingernägel generell äußerst kurz gehalten und Handschuhe getragen werden.
Hilfreich sind auch verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Entspannte Patienten haben in der Regel ein weniger starkes Bedürfnis, sich zu kratzen.

Therapie

Zunächst einmal muss untersucht werden, wodurch der Juckreiz ausgelöst wird. Betroffene, die schon lange unter Pruritus leiden, haben allerdings oft das Problem, dass die eigentliche Ursache nicht mehr herauszufinden ist.
Besonders schlimme Fälle profitieren von einem kurzen, stationären Aufenthalt. Hier erfolgen eine gründliche Anamnese sowie die Erstellung eines individuellen Therapieplans. Creme, Salbe und Lotion zur Juckreizlinderung helfen zwar nur zeitlich begrenzt, unterdrücken aber den Juckreiz in der Regel sehr gut. Da es inzwischen eine Vielzahl von Präparaten gibt, muss geschaut werden, welches am besten wirkt.
Auch eine psychosomatische Begleitung kann sinnvoll sein. Sie ist vor allem dann empfehlenswert, wenn der Patient sich in seiner Lebensqualität bereits stark eingeschränkt fühlt. Leiden die Partnerschaft oder die Arbeit unter dem Problem, können schnell Schlafstörungen, Antriebslosigkeit oder sogar Depressionen auftreten. Einzelgespräche bringen dem Patienten in der Regel besonders viel.

Andere Erkrankungen

Der Juckreiz kann aber auch durch infektiöse oder nichtinfektiöse Hauterkrankungen ausgelöst werden. Die Liste der Krankheiten, die als Symptom Juckreiz aufweisen ist lang. So kann es sich unter anderem um Allergien, Neurodermitis, Hautinfektionen, Pilzinfektionen, Hämorrhoiden, Schuppenflechte oder Wurmerkrankungen handeln.

1. Allergien (allergische Kontaktdermatitis)

Ob rote Flecken oder kleine Pickel, die Haut reagiert sensibel auf Wetter- und Umweltbedingungen, Stress und die Ernährung. Die Folge: Wenn mit der Haut etwas nicht stimmt, kommt es zu einem Spannungsgefühl oder Juckreiz. Häufig entstehen Rötungen oder Quaddeln. Doch nur etwa jedes fünfte Ekzem ist tatsächlich auf eine Allergie zurückzuführen. Ist das allerdings der Fall, bezeichnen die Ärzte es als allergische Kontaktdermatitis. Eine solche Allergiereaktion kann schon durch kleinste Kontaktstellen auf der Haut ausgelöst werden. Diese Überempfindlichkeit ist eigentlich ein natürlicher Schutz des Immunsystems gegen schadhafte Substanzen. Doch in diesem Fall wird kein gefährlicher Schadstoff abgewehrt – vielmehr sind die Auslöser häufig Nickel, bestimmte chemische Substanzen in Waschmitteln oder Weichspülern oder Bestandteile von Pflanzen wie Arnika oder Kamille. Selbst Kosmetikprodukte können allergische Reaktionen auslösen.
Kennt der Patient die Belastungsfaktoren, sollten sie möglichst ganz vermieden werden. Ein Hauttagebuch kann zeigen, wann eine Reaktion eingesetzt hat und was der Verursacher war. Der Verzicht auf Make-up und Peelings ist ebenso ratsam wie ein Schonprogramm bei der Reinigung. Nach Abheilung einer allergischen Kontaktdermatitis benötigt die Haut übrigens noch etwa acht Wochen, bis sie ihre natürliche Barrierefunktion wieder vollständig hergestellt hat.

2. Neurodermitis

Neurodermitis ist vor allem bei Kindern weit verbreitet. Allerdings sind rund 70 Prozent der Betroffenen im Erwachsenenalter wieder komplett beschwerdefrei.
Bei Neurodermitis-Betroffenen hat die Haut eine gestörte Barrierefunktion. Daraus resultieren eine sehr empfindliche, trockene und gerötete Haut. Besonders häufig sind Armbeugen, Kniekehlen sowie der Hals und das Gesicht von einem atopischen Ekzem betroffen. Am meisten leiden Neurodermitis-Patienten unter dem starken Juckreiz. Wird gekratzt, treten weitere Hautirritationen auf, die wiederum einen erneuten Juckreiz auslösen. Vor allem nachts ist es besonders schlimm, so dass es in der Folge häufig zu einem Schlafmangel und damit zu einer Leistungsminderung kommt. Die sogenannten Trigger (Provokationsfaktoren) können sowohl durch die Ernährung als auch durch äußere Einflüsse ausgelöst werden.

Behandlung

Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute vielfältig, und häufig werden verschiedene Therapien miteinander kombiniert. Jeder Mensch reagiert dabei individuell. Am wichtigsten ist die Basispflege. Sie stärkt die Haut. Häufig leiden Menschen mit Neurodermitis und einer sehr trockenen Haut. Hier empfiehlt sich ein Gemisch aus Öl und Wasser, das für eine ausreichende Rückfettung sorgt. Auch Ölbäder bei einer Temperatur von 37 Grad helfen. Durch ein solches Bad werden Trigger auf der Haut weggespült und die Haut gleichzeitig ausreichend befeuchtet. Krusten und Schuppen werden aufgeweicht und lösen sich ab. Ist die Haut allerdings stark entzündet und nässt bereits an den Problemstellen, sollten wasserhaltige Cremes verwendet werden.
Warme und nasse Umschläge lindern den Juckreiz und fördern die Heilung der Haut. Bei der Produktauswahl sollte auf Inhaltsstoffe wie Alkohol, Parfüm und Konservierungsstoffe verzichtet werden. Am besten sind pH-neutrale und seifenfreie Waschlotionen. Eventuell kann auch getestet werden, ob sich der Hautzustand bei einem Wechsel des Waschmittels und einem Weglassen des Weichspülers bessert.
Auch bei den Kleidungsmaterialen können Betroffene ihre Auswahl einschränken. Ein Großteil der Haut ist stets von Kleidung bedeckt, daher sollte sie möglichst hautsympathisch sein. In der Regel gut geeignet sind Baumwolle und Leinen. Viele Betroffene schwören auch auf Silbertextilien.
Weiterhin kann der Zustand der Haut durch UV-Licht- und Klima-Therapien verbessert werden. Ein Aufenthalt am Meer und in den Bergen erzielt häufig beachtliche Erfolge.
Auch in der Ernährung des Patienten sind häufig Auslöser zu finden. Ob Nahrungsmittelallergien oder Unverträglichkeiten vorliegen, sollte getestet werden. Laut einer Studie können etwa zehn Prozent der Betroffenen ihr Hautbild durch den Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel dauerhaft verbessern. Allerdings ist es nicht immer leicht herauszufinden, welche Lebensmittel Reaktionen auslösen. Häufig sind es aber Hühnereier, Kuhmilch, Soja, Weizenmehl, Fisch und Nüsse.
Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Cortison ist dagegen etwas Vorsicht geboten. Es hilft zwar kurzfristig, doch es kann durchaus auch zu nachhaltigen Schäden kommen. Die Auslöser der Krankheit werden damit allerdings nicht bekämpft, sondern lediglich die Symptome gelindert.
Es gibt noch weitere Therapie-Möglichkeiten wie Stressbewältigung, Darmsanierung und Eigenurintherapie. Tatsächlich muss hier viel getestet und dann entschieden werden, worauf die betroffene Haut am besten reagiert.

3. Bakterielle Hautinfektionen

Bakterielle Hautinfektionen entstehen häufig durch Staphylokokken und Streptokokken. Ihre Ansiedlung wird durch Haarschäfte, feine Hautverletzungen und grobe Hautporen begünstigt. Auch bei chronischen Entzündungen der Haut kann es zu einer Infektion kommen. Bakterielle Hautinfektionen haben in der Regel ein charakteristisches Aussehen und treten häufig an bestimmten Körperstellen auf.
Vor allem Kinder sind von der Eiterflechte betroffen. Sie beginnt meistens im Gesicht. Honiggelbe Krusten und Auflagerungen im Bereich des Mundes, die aus Pusteln und Bläschen entstanden sind, sind typisch.
Weitere Symptome bei bakteriellen Hautinfektionen sind scharf begrenzte Rötungen um eine kleine Wunde, eine Schwellung und Erwärmung des betroffenen Hautbereiches sowie rote und randbetonte Flecken.
Behandelt werden solche Infektionen in der Regel mit Antibiotika in Salbenform. Keimabtötende Alkohollösungen können unterstützend wirken.

4. Pilzinfektionen

Pilzinfektionen der Haut sind durch juckende und leicht gerötete Hautareale gekennzeichnet. Zum Teilen schuppen die Stellen, und es bilden sich nasse Bläschen. Durch das Kratzen besteht schnell die Gefahr, den Hautpilz auf andere Körperstellen zu übertragen. Um den Juckreiz zu lindern, helfen häufig Salz- oder Essigumschläge auf den betroffenen Stellen. Bei Fußpilz können Fußbäder angewendet werden.
Besonders unangenehm sind Pilzerkrankungen in der Scheide. Sie verursachen einen starken Juckreiz und einen krümelig-weißen Belag im Intimbereich.
Da Pilzerkrankungen jedoch als sehr hartnäckig gelten, müssen in der Regel Antimykotika verschrieben werden. Sie töten die Pilze ab, müssen aber auch nach Abklingen der Symptome noch eine bestimmte Zeit weiter angewendet werden. Auch Kleidung, die mit der Pilzinfektion in Berührung gekommen ist, sollte entsprechend mit einem Pilz abtötenden Mittel (zum Beispiel Sprays mit Clotrimazol als Inhaltsstoff) gereinigt werden.

5. Hämorrhoiden

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung hatte schon einmal ein Hämorrhoidalleiden. Männer sind dabei ebenso häufig betroffen wie Frauen. Dabei vergrößern sich Blutpolster am After. Schuld daran sind Stuhlregulierungsprobleme, zu starkes Pressen beim Toilettengang, eine Druckerhöhung im Schließmuskel sowie eine Bindegewebsschwäche.
Die Symptomatik bei Hämorrhoiden sind zunächst Juckreiz und eine Schleimproduktion. Schnell kommen Schmerzen beim Toilettengang, Blutungen und das Gefühl, nicht mehr vollständig den Stuhl entleeren zu können, hinzu.
Die Therapien fallen je nach Schweregrad sehr unterschiedlich aus. Sie reichen von der Sklerosierung (Hämorrhoiden-Verödung) bis hin zu einer Infrarotbehandlung oder einer Gummibandligatur, bei der das Absterben des Gewebes erreicht werden soll. In besonders schweren Fällen werden die Hämorrhoiden operativ entfernt.

6. Schuppenflechte (Psoriasis)

Unter einer Schuppenflechte leiden nur etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Die chronisch-entzündliche Hauterkrankung ist höchstwahrscheinlich genetisch bedingt. Betroffene haben entzündliche Hautgebiete, die gerötet sind und silbrig-weiße Schuppen aufweisen. Besonders der Juckreiz macht ihnen stark zu schaffen.
Bei etwa einem Viertel der Patienten verschwinden die Beschwerden komplett. Die Behandlungen sind unterschiedlich und reichen von Badezusätzen und Salben bis hin zu alternativen Ansätzen wie traditionelle chinesische Medizin (TCM) und Akupunktur.

7. Wurmerkrankungen

Vor allem Kleinkinder sind häufig von einer Wurmerkrankung betroffen. Würmer sind Parasiten, die gelegentlich in den menschlichen Körper gelangen.
Fällt bei Kindern ein besonders starker Juckreiz am After auf, lassen sich die sogenannten Oxyuren (Madenwürmer) meist schon im Stuhlgang feststellen. Das liegt an den Eiern des Madenwurmweibchens, die vor allem nachts am After ablegt werden.
Wirklich schlimm ist eine solche Erkrankung nicht, dafür aber wird sie als äußerst eklig empfunden. Abhilfe schafft eine vom Arzt verschriebene Wurmkur. Gleichzeitig sollte für eine ausreichende Hygiene durch Wäschewaschen und gründliches Saubermachen gesorgt werden. Auch das Händewaschen vor dem Essen ist jetzt ein absolutes Muss, da die Eier oral aufgenommen werden. Bei den meisten Medikamenten muss die Wurmkur nach einiger Zeit wiederholt werden, damit auch eventuell noch später geschlüpfte Oxyuren abgetötet werden.

Wann zum Arzt?

Juckreiz, der länger als eine Woche andauert, kann Symptom einer ernsthaften Erkrankung sein. Helfen Hausmittel und frei verkäufliche Medikamente nicht, sollte dann unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Auch bei unklaren Hautauschlägen sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Was macht der Arzt?

Zunächst einmal muss die Ursache des Juckreizes festgestellt und die Grunderkrankung behandelt werden. Weiterhin lindert der Arzt die Symptome wie Juckreiz durch eine geeignete Therapie.
Bei entzündlichen und allergischen Hauterkrankungen werden häufig Salben verwendet, die Hydrocortisonacetat, Fluocinoid oder Dexamethason enthalten. Bei allergischen Reaktionen werden zusätzlich sogenannte Antihistaminika verschrieben.
Pilzerkrankungen wiederum werden in der Regel mit Mitteln, die Clotrimazol enthalten, bekämpft.
Weiterhin gibt es bei Hautproblemen Therapien wie Lichttherapien, Ernährungspläne, autogenes Training und durchaus auch sinnvolle Ergänzungen durch die Homöopathie oder traditionelle chinesische Heilmedizin. Die Homöopathie empfiehlt bei Juckreiz Kalium, Magnesium und Kalzium. Gut beraten sind Betroffene hier häufig schon bei Apotheken, die sich auf Schüssler-Salze und Globuli spezialisiert haben. Auch einige Ärzte haben eine Zusatzausbildung in der Homöopathie und verbinden so Schulmedizin mit alternativen Ansätzen.

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