Niereninsuffizienz: Wenn die Niere nicht mehr richtig arbeitet 

Bei der Niereninsuffizienz handelt es sich um eine Unterfunktion einer oder beider Nieren. Es wird zwischen einer akuten und einer chronischen Niereninsuffizienz unterschieden. In Deutschland leiden etwa 16.000 Menschen jährlich unter terminalem Nierenversagen.

Akutes Nierenversagen (ANV)

Beim akuten Nierenversagen kann die Niere vorübergehend ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrnehmen. Dieser Zustand tritt plötzlich auf und wird in der Regel von einer verminderten oder fehlenden Harnproduktion begleitet.
In knapp 80 Prozent der Fälle ist die Ursache eine Vorerkrankung (zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Sepsis oder Durchfall), die zu einer verminderten Sauerstoffversorgung der Niere aufgrund mangelhafter Durchblutung führt. Die Folge: Giftstoffe und Wasser werden nicht mehr gefiltert. Dies bezeichnet man als prärenales ANV. Beim renalen ANV ist das Nierengewebe aufgrund von Giftstoffen oder Durchblutungsstörungen geschädigt und somit nur noch eingeschränkt funktionsfähig.
Eine dritte Variante ist das postrenale ANV. Es bezeichnet eine Abflussstörung im Harntrakt. Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein: Nieren-, Blasen- und Harnsteine, Tumore oder eine Prostatavergrößerung verengen die Harnwege und verhindern so einen einwandfreien Urinfluss.
Das akute Nierenversagen wird in vier Stadien unterteilt. Im Stadium I ist die tägliche Urinmenge mit etwa 500 Milliliter bereits deutlich geringer. In der Regel liegt hier bereits eine Grunderkrankung der Nieren vor. In Stadium II verringert sich die Menge noch einmal innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (neun bis elf Tage). Man spricht von Oligurie, Eiweiß und Blut können jetzt ebenfalls im Urin nachgewiesen werden. Außerdem leidet der Betroffene unter Symptomen wie einer akuten Übersäuerung, Herzrhythmusstörungen oder einer Muskelschwäche.
Im dritten Stadium ist die Urinmenge deutlich erhöht: Es werden mehr als zwei Liter täglich ausgeschieden. Im vierten und letzten Stadium erfolgt die Abheilung. Zwar kann die Nierenfunktion eingeschränkt bleiben, aber die Harnmenge befindet sich wieder auf einem normalen Niveau.
Die Therapie bei akutem Nierenversagen ist von der Ursache abhängig. Liegt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung vor, ist das vorrangige Ziel die Wiederherstellung der Nierendurchblutung. Um dies zu erreichen, werden Medikamente gegeben bzw. der Kreislauf durch Infusionen stabilisiert. Bei einer verringerten Urinmenge (Stadium II) muss einer Übersäuerung vorgebeugt und gleichzeitig der Elektrolytehaushalt ausgeglichen werden. Hat der Patient das dritte Stadium erreicht, muss er mit einem Flüssigkeitsersatz versorgt, da die hohe Ausscheidungsmenge an Urin ansonsten lebensbedrohlich sein kann.
Ist das Nierengewebe bereits verändert, muss ebenfalls nach der Ursache geforscht werden. Oftmals sind bestimmte Medikamente Schuld, so dass die Niere nach deren Absetzen ihre Funktion wieder in vollem Umfang wahrnehmen kann.
Bei dem postrenalen ANV sind häufig Harnsteine die Ursache. Werden diese beseitigt, kann die Niere ausheilen.

Chronisches Nierenversagen (CNV)

Bei der chronischen Niereninsuffizienz verschlechtert sich der Zustand der Niere über einen längeren Zeitraum hinweg. Meist geschieht es über Monate oder gar Jahre und endet oftmals mit einem kompletten Versagen der Nierenfunktionen.
Die Symptome reichen dabei von Ödemen, Übelkeit, Erbrechen und Bluthochdruck bis hin zu Potenzstörungen und Blutarmut.
Die Ursachen sind vielfältig und bestimmen die Therapie. Häufige Auslöser sind Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Vorerkrankungen der Niere (zum Beispiel eine Entzündung) sowie die regelmäßige Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln. Ist das chronische Nierenversagen noch nicht stark fortgeschritten, ist eine konservative Behandlungsmethode möglich. Meistens reicht es, wenn die Therapie mit entsprechenden Medikamenten und einer Änderung der Lebensweise begonnen wird. Ist die Erkrankung jedoch bereits im Endstadium und die Niere nicht mehr funktionsfähig, wird eine Dialyse (künstliche Blutwäsche) oder im schlimmsten Fall eine Nierentransplantation notwendig.

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