Zungendiagnostik: Was die Zunge über Krankheiten verrät 

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zählt die Zungendiagnostik zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden überhaupt. Nach Möglichkeit soll ein chinesischer Arzt während seines Studiums 15.000 bis 20.000 Zungen genauer untersucht haben, um sich einen Überblick über Krankheiten zu verschaffen.

Zungendiagnostik

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Für die Chinesen ist die Zunge nicht nur ein Muskel, sondern vor allem auch ein Spiegelbild des Körpers.

Krankheitsdiagnose in vier Schritten

In der traditionellen chinesischen Medizin wird die Diagnose in vier Verfahren aufgeteilt. Zunächst muss der Patient ausführlich von seinen Beschwerden berichten. Darauf folgen das Riechen, Hören, Betrachten und Betasten durch den Arzt. Die Zungendiagnostik gilt als Betrachtung. In der TCM geht man davon aus, dass die Zunge mit inneren Organen, Meridianen, Blut, Körperflüssigkeiten und dem Energiefluss (Qi) verbunden ist.
Zunächst sieht sich der Arzt die Zunge insgesamt an. Form, Farbe, Spannkraft und Vitalität geben Aufschluss über den allgemeinen Zustand des Patienten. Das beinhaltet nicht nur die Organe, sondern auch den Energiefluss Qi. Die Zunge eines gesunden Menschen ist normal groß, hellrot und glatt. Ihre Oberseite ist samtartig und von gleichmäßiger Struktur. Der vorhandene Belag darf lediglich nur dünn und leicht weißlich sein.

Wegweiser zu den Organen

Einzelne Punkte auf der Zunge lassen sich bestimmten Organen zuordnen. Das Herz findet man an der Zungenspitze, dicht gefolgt von der Lunge. Die seitlichen Zungenränder stehen für Leber und Gallenblase. In der Mitte findet man Milz und Magen, während die Nieren am Zungengrund angesiedelt sind.
Abweichungen von der Norm werden von ausgebildeten Ärzten nach den beeinflussenden Witterungseinflüssen (Trockenheit, Feuchtigkeit, Hitze, Kälte und Wind) beurteilt.

Störungen erkennen

So weist eine zu blasse Zunge auf Kälte hin, ein kräftiges rot sowie ein gelber Belag hingegen auf Hitze. Ist sie bläulich verfärbt, geht der Arzt in der TCM von einem Blutstau aus. Als ein Symptom für eine Überbelastung gilt ein besonders dicker Zungenbelag.
Ein dicker weißer Belag ist typisch für Erkältungen und Magen-Darm-Störungen. Färbt er sich braun, ist die allgemeine Verdauung gestört und der Darm bereits in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Belastung durch Schlacken ist deutlich gestiegen. Auch die sogenannte „Landkartenzunge" (zahlreiche Zahnabdrücke und ungleichmäßiger Belag) weisen auf eine Verdauungsstörung hin, die aber im Zusammenhang mit der Hormonsteuerung steht.
Eingerissene Mundwinkel und eine trockene Zungen können Anzeichen für Diabetes mellitus sein. Auch durchgezogene vertiefte Rinnen mit Furchen deuten auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hin.
Gewebedefekte lassen sich an Hand des Zungenkörpers diagnostizieren. Risse oder Senken weisen daraufhin, dass der Patient größere Erkrankungen durchgemacht hat.
Selbst schwer wiegende Erkrankungen wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion kann bereits am Zustand der Zunge erkannt werden. Ist die Zunge an den Seitenrändern geschwollen und weist Zahnabdrücke auf, sollte das Hauptaugenmerk auf Schilddrüse und Leber gelegt werden. Auch eine rote „Lackzunge" und gelbbraune Beläge im hinteren Zungenabschnitt deuten auf ein Leberleiden hin.
Bei einer Blutarmut ist die Zunge oftmals gräulich verfärbt.
Die Venen auf der Zungenunterseite deuten auf eine Herzinsuffizienz, Krampfadern oder Hämorrhoiden hin, wenn sie besonders dick und gestaut sind.
Selbst bei Kindern kommt in China die Zungendiagnostik häufig zum Einsatz. Einen Vitamin-B-Mangel erkennt der erfahrene Mediziner beispielsweise an einer erdbeerartig veränderten Zungenoberfläche.

Die Zungendiagnostik ist in Ländern wie Indien oder China weit verbreitet. In Deutschland hingegen findet sie in der Schulmedizin nur gelegentlich Anklang. Bei Heilpraktikern und Anhängern der TCM hingegen findet die Zungendiagnostik immer häufiger Anwendung. Allerdings wird sie vor allem zum Erkennen von Verdauungsstörungen genutzt.

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