Pflegekräfte aus Osteuropa: Vor- und Nachteile 

Fit bis ins hohe Alter sein - das wünschen sich die meisten Menschen. Doch die Realität sieht anders aus. Mehr als zwei Millionen Menschen gelten in Deutschland als pflegebedürftig, davon sind weit über 80 Prozent älter als 65 Jahre.

Tendenz steigend. Der Anteil an der älteren Bevölkerung nimmt ebenso wie das Höchstalter stetig zu. Die Folge: Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen.

Oftmals ist es den Angehörigen in der heutigen Zeit nicht mehr möglich, die permanente Pflege der Eltern oder Großeltern zu übernehmen. Der Wunsch, das Familienmitglied in seiner bekannten und liebgewonnenen Umgebung zu betreuen, stößt dabei auf schnell auf Grenzen: Der Haushalt und die Versorgung des Pflegebedürftigen nehmen viel Zeit in Anspruch. Doch der Einsatz einer deutschen 24-Stunden-Kraft ist beinahe unbezahlbar und so gibt es seit einigen Jahren einen neuen Trend: Pflegekräfte aus Osteuropa. Inzwischen gibt es zahlreiche Agenturen, die ausgebildete Frauen (und teilweise auch Männer) aus Polen, Ungarn oder Tschechien nach Deutschland schicken.

Sind die Räumlichkeiten gegeben, zieht die Pflegekraft bei der zu betreuenden Person ein. Ist das nicht möglich, reicht ihr häufig ein günstiges Zimmer in der Nähe. Sie übernimmt die Grundpflege (Hilfe bei der Körperhygiene, An- und Ausziehen, Prophylaxe), leichte Aufgaben im Haushalt (wie beispielsweise die Zubereitung der Mahlzeiten, Wäsche waschen und Einkaufen gehen) und aktivierende Pflege (als Unterstützung im Rahmen einer laufenden Physiotherapie). Da die Pflegekräfte in der Regel selbst Familie in ihrem Heimatland haben, begrenzt sich ihr Einsatz meistens auf einen Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren. Auch ein regelmäßiger Urlaub zu Hause wird in Anspruch genommen, doch wer eine Pflegekraft über eine Agentur bucht, bekommt für diesen Zeitraum Ersatz. Überhaupt wird dazu geraten, denn nur in diesem Fall bleiben die Angehörigen Auftraggeber und werden nicht zu Arbeitgebern. Damit ist die Pflegekraft in ihrem Heimatland über die Agentur sozialversichert. Allerdings gilt diese Bewilligung (E-101-Schein) nur für zwölf Monate. Nach Ablauf des Jahres muss sie für zwei Monate zurück. Schätzungsweise 100.000 Pflegekräfte aus osteuropäischen Ländern arbeiten derzeit illegal in Deutschland, da die Gesetzgebung noch immer nicht eindeutig ist.
Die Vorteile einer 24-Stunden-Pflegekraft, ob nun privat oder über eine Agentur liegen klar auf der Hand. Die Betreuungsperson hat permanent Gesellschaft, kann in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und kann selbst bei kleinsten Aufgaben mit Hilfe rechnen. Allerdings sprechen nicht alle Pflegekräfte aus dem Ausland einwandfrei deutsch. Zwar ist die Versorgung (ausgenommen sind medizinische Tätigkeiten, da die Ausübung dieser auch bei einem vorhandenen Qualifikationsnachweis in Deutschland nicht erlaubt ist) stets gewährleistet, aber auf kommunikativer Ebene kann es vor allem zu Beginn Schwierigkeiten geben.

Kosten

Bei der Fülle der Agenturen ist es schwer, den Überblick zu behalten. In der Regel nimmt eine solche Agentur eine Jahres- oder Vermittlungsgebühr zwischen 500,- und 1000,- Euro. Die Pflegekraft selbst verdient zwischen 1.200,- und 1.800,- Euro. Entscheidend ist dabei die Anforderung an die Pflegekraft, ihre Qualifikation sowie ihre Deutschkenntnisse. Kost und Logis sind dabei ebenfalls frei.

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