Hausbau wird teurer Strengere Energieauflagen ab 2016

Wer sich bereits intensiv mit dem Hausbau beschäftigt und sich konkret für eine eigene Immobilie entschieden hat, sollte sich nicht mehr allzu lange Zeit lassen. Denn ab 2016 treten neue Energieauflagen in Kraft, die den Hausbau teurer machen. Ob es sinnvoll ist alle notwendigen Schritte schnellstmöglich einzuleiten, um den von der Bundesregierung angekündigten strengeren Vorschriften zu entgehen, ist deshalb eine berechtigte Frage, die sich potenzielle Bauherren stellen sollten.

Es ist selbstverständlich, dass der von der Regierung eingeschlagene Weg in Richtung Kernkraftausstieg richtig und für die kommenden Generationen wichtig ist. Die Verantwortlichen sehen im reduzierten Energieverbrauch bei Immobilien einen entscheidenden Faktor, um sich endgültig von der Kernkraft zu verabschieden. Welchen Beitrag die Novelle der Energieeinsparverordnung zum Klimaschutzziel, bis 2050 einen möglichst klimaneutralen Gebäudebestand zu erzielen, konkret leistet, erläutert Bundesminister Ramsauer im folgenden Video.

Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird die Bundesbauministerin Barbara Hendricks zum Thema zitiert: „"Die energetischen Anforderungen an Neubauten werden deutlich angehoben, bleiben aber für den privaten Bauherren vertretbar. Dieser wichtige Schritt hin zum Niedrigstenergiehaus ist ein weiterer Baustein für unsere ambitionierte Klimaschutzpolitik.“

So positiv dies alles klingt: Für künftige Bauherren werden sich aufgrund der damit verbundenen Energieauflagen und verschärften Standards finanzielle Nachteile ergeben. Mit der Aktualisierung der Energieeinsparverordnung (EnEv) Anfang 2014 ergaben sich strengere Regelungen, die 2016 zum Tragen kommen.

Strengere Standards ab 2016

Für Neubauten gelten ab 2016 strengere energetische Standards. Der zulässige Jahresprimärenergiebedarf sinkt dann um 25 Prozent. Die Menge an Energie, die ein Gebäude für Heizung und Warmwasser innerhalb eines durchschnittlichen Jahres benötigt, stellt den Jahresprimärenergiebedarf dar. Hinzu kommt eine Änderung bezüglich der Dämmung. Die EnEv verlangt eine Optimierung der Dämmung um durchschnittlich 20 Prozent. Werden diese wesentlichen Vorschriften nicht erfüllt, erhalten Bauherren keine Baugenehmigung. Wer diesen verschärften Maßnahmen entgehen möchte, sollte den Hausbau noch 2015 angehen. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang der Zeitpunkt des Bauantrags. Um die ab 2016 gültigen Standards zu umgehen, muss der Bauantrag vor dem 1. Januar 2016 beim zuständigen Bauamt eingehen. Wann mit dem Bau begonnen wird, ist hierbei zweitrangig. Wird der Bauantrag rechtzeitig gestellt, gelten die alten EnEv-Auflagen.

Niedrigzinsen begünstigen Bauvorhaben

Wer trotz dieser Möglichkeit nicht sicher ist, ob der Hausbau tatsächlich die richtige Entscheidung ist, sollte sich mit den markanten Vorteilen auseinandersetzen, die mit der aktuellen Lage auf dem Immobilienmarkt einhergehen. Besonders hervorzuheben sind die Zinsen, die sich seit einigen Jahren auf einem Rekordtief befinden.

Während vor rund 40 Jahren je nach Region noch rund 18 Prozent üblich waren, dürfen sich Bauherren heute über Bestkonditionen von 1,5 Prozent freuen. Im Ratgeberteil des Möbel-Onlineshops stilartmoebel.de, wo Gründe für den Hausbau aufgeführt sind, wird bezüglich der Niedrigzinsen ein wichtiger Punkt angesprochen: „Die größte Tücke bei den Niedrigzinsen ist die Tatsache, dass ein heute abgeschlossener Kredit etwa zehn bis 15 Jahre gültig ist. Sobald die Zinsbindung endet, ist das Haus aber im Regelfall noch nicht abbezahlt. Häuslebauer müssen somit einen neuen Darlehensvertrag abschließen – zu den dann gültigen Zinsen. Diese können natürlich höher, niedriger oder in etwa gleich ausfallen. Höhere Zinsen würden die weitere Finanzierung des Hauses bedrohen, wenn die Häuslebauer diese nicht mehr zahlen können.“ Empfehlenswert ist daher eine dauerhafte Sicherung des aktuellen Zinssatzes durch eine Festschreibung für 20 Jahre.

Bereitstellungzins beachten

Neben den Niedrigzinsen ist dem Bereitstellungzins erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Lässt sich der Bauherr die Baukreditsumme nicht als Einmalzahlung auszahlen, sondern in mehreren Teilzahlungen, verlangen Banken hierfür Zinsen. Grund ist, dass der Kreditnehmer dann nicht auf den vollen Betrag Zinsen zahlt, sondern nur auf die Teilbeträge. Attraktive Angebote von Banken sollten genauestens geprüft werden. Nicht immer bestätigen sich die Vorteile eines Kredits. Abhängig von Zeitraum und Höhe der Bereitstellungszinsen ist zu berechnen, welche Variante die günstigere ist.

Auswirkungen bei Kfw-Förderung

Angesichts der Frage ob e sich lohnt das Bauvorhaben noch im Jahr 2015 zu realisieren, sollten Bauherren darüberhinaus auch die Kfz-Förderung im Auge behalten. Denn die strengeren Grenzwerte, die ab 2016 gelten, wirken sich auf die Voraussetzungen zur Kfw-Förderung aus. Wie attraktiv Zinsen und Zuschüsse der Förderbank ausfallen, hängt direkt vom Energieeinsparpotenzial des Gebäudes ab. Da die gesetzlichen Standardwerte ab dem kommenden Jahr verschärft werden, fallen auch die Förderungen entsprechend aus. Der Tilgungszuschuss der Kfw ist umso höher, je geringer der Bedarf an Energie ist.
Weitere Auswirkungen der Energieeinsparverordnung auf Neubauten hat die Verbraucherzentrale NRW zusammengefasst.

Fazit

Generell kann es sich für Bauherren lohnen einen bereits geplanten Hausbau noch 2015 einzuleiten. Trotz allem sollten sich potenzielle Immobilienbesitzer mit der Frage beschäftigen, ob es sich sinnvoller ist nach zukünftigen Standards zu bauen. Denn bei der Konzentration auf Mindeststandards besteht die Gefahr schon nach wenigen Jahren ein Gebäude zu besitzen, das bautechnisch überholt ist. In einigen Fällen amortisieren sich die Mehrkosten, die bei der Einhaltung modernster Standards anfallen, durch die Einsparungen beim Energieverbrauch. Dies ist in jedem Fall vor Baubeginn zu analysieren, um im Einzelfall die richtige Entscheidung zu treffen.

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