Stereotypen und Vorurteile 

Menschen werden oft in Gruppen eingeteilt: aufgrund ihrer Kultur, ihres Glaubens, ihrer Herkunft oder an Hand äußerlicher Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße, Haartracht oder Kleidung.
Oft geht diese Gruppeneinteilung mit der Zuschreibung bestimmter Eigenschaften einher, die jeweiligen Gruppen werden mit bestimmten Bilder verbunden. Wenn diese Bilder so übertrieben sind, daß sie kaum noch etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben, sprechen wir von Stereotypen.
Stereotypen findet man z.B. noch häufig in Büchern (sogar Schulbüchern), Comics, in der Werbung oder in Filmen. Bestimmt hast Du auch schon mal irgendwo Beispiele dafür gesehen. Nämlich: AfrikanerInnen in Baströckchen, mit Knochen in der Nase und wulstigen Lippen, gefährliche Araber mit Messern bewaffnet, verschleierte türkische Frauen, Bayern in Lederhosen oder Dirndln und alte Frauen, die im Schaukelstuhl sitzen und stricken.

Wenn ein Mensch oder eine Gruppe anhand von Stereotypen und nicht mehr nach ihrer oder seiner Person beurteilt wird, dann handelt es sich um ein Vorurteil. Man hat eine Meinung über jemanden oder über eine Gruppe, ohne sie eigentlich zu kennen. Solche Bilder und Vorstellungen stimmen meistens nicht mit der Wirklichkeit überein und sind außerdem oft negativ.

Es gibt aber auch positive Stereotypen. Wenn beispielsweise von schwarzen Menschen behauptet wird, daß sie schnell laufen können, kann man das als ein positives Stereotyp bezeichnen. Vielleicht denkst Du jetzt: "Was ist denn daran falsch?" Aber auch in diesem Fall werden Menschen - zu Unrecht - über einen Kamm geschoren. Überleg mal: Stimmt es wirklich, daß alle schwarzen Menschen schnell laufen können?

Vorurteile scheinen die Welt einfacher und übersichtlicher zu machen. Wenn Menschen anderen Menschen begegnen, die ihnen erstmal fremd erscheinen, macht sie das oft unsicher. Mit Vorurteilen läßt sich diese Unsicherheit überspielen. Ich kann mir einbilden, daß ich schon alles über den/die andere/n weiß und brauche z.B. keine Fragen mehr zu stellen. Eine wirkliche Begegnung mit dem oder der anderen, ein gegenseitiges Kennenlernen wird damit von vornherein ausgeschlossen.

Vorurteile sind verletzend. Vor allem wenn sie dazu gebraucht werden, um jemanden ungerecht zu behandeln. Vorurteile nehmen anderen Menschen die Möglichkeit zu zeigen, wer sie sind und was sie können. Zum Beispiel der Unternehmer, der keine TürkInnen einstellen will, weil er gehört hat, daß "sie" immer zu spät kommen. Manche Menschen halten hartnäckig an Vorurteilen und Stammtischgeschwätz fest, obwohl sie selber überhaupt niemanden kennen, auf den oder die diese negativen Bilder zutreffen.

Vorurteile sind hartnäckig und daher schwer zu bekämpfen. Aber es gibt Hoffnung: Niemand wird mit Vorurteilen geboren. Sie sind angelernt und können deswegen auch wieder verlernt werden. Bevor Du über jemanden urteilst, kannst Du ihn oder sie besser fragen, warum er oder sie das getan hat. Denk daran, daß es Dir bestimmt auch nicht gefallen würde, wenn Du von anderen ständig über Deinen Kopf hinweg beurteilt würdest.

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