Aussagekraft von Arbeitszeugnis und Online-Profil

Mit dem Erfolg von Web 2.0 und Social-Media wird zunehmend die Bedeutung des Arbeitszeugnisses in Frage gestellt. Die Argumentation ist zunächst nachvollziehbar und auch ich habe in etlichen Blogbeiträge immer wieder betont, wie wichtig ein gutes Online-Profil für den Erfolg im Vorstellungsgespräch eines Bewerbers sein kann.

Diejenigen die das Arbeitszeugnis jetzt im Wert gemindert sehen, begründen dies damit, dass

  1. Online-Profile aussagekräftiger sind als das Arbeitszeugnis
  2. Personalverantwortliche sehr häufig soziale Netzwerke wie XING nutzen, um sich über einen Bewerber ein umfassendes Bild zu machen
  3. die Arbeitgeber durch die Rechtssprechung gezwungen würden, nur wohlwollende Zeugnisse zu schreiben.

Starke Resonanz in der Blogs fand deshalb die Meldung der Personensuchmaschine Yasni, die sehr pauschal formulierte, dass Arbeitszeugnisse ihre Aussagekraft verloren haben. Wie im mmkpersonalBlog nachzulesen war, stützt sich diese Aussage zum Arbeitszeugnis auf eine Befragung von Internetnutzern. Hier die Fragen und die vorgegebenen Antworten mit den jeweiligen Prozentzahlen (Quelle wie beim letzten Link):

Wie hoch ist die Aussagekraft von Arbeitszeugnissen im digitalen Zeitalter?

15 %: Hoch, wenn die Fähigkeiten des Arbeitnehmers im Netz belegt werden können.

48 %: Zunehmend sinkend, da Sie per Gesetz ohnehin positiv formuliert sein müssen.

37 %: Arbeitszeugnisse sind unverändert die wichtigste Referenz.

Dass die Zahlen belegen sollen, dass das Arbeitszeugnis seine Aussagekraft verloren hat, ist aus vielen Gründen nicht nachvollziehbar, denn immerhin die Hälfte der Befragten hält das Arbeitszeugnis für wichtig bis sehr wichtig. Zum andern ist die Vorgabe der Antworten sehr suggestiv und ganz entscheidend: Über die Aussagekraft beim Arbeitszeugnis entscheiden nicht Internet-Nutzer sondern Personalverantwortliche. Wie diese die Informationen aus dem Arbeitszeugnis und aus weiteren Quellen nutzen, ist eine interessante Fragestellung, auf die ich in den folgenden Tagen noch mal zurückkomme.

Plausibel erscheint mir eher folgende Überlegung: Der Personalverantwortlich schaut sich die Bewerbungsmappe an und versucht sich aus dem Arbeitszeugnis bzw. den Arbeitszeugnissen ein umfassendes Bild zu machen, wenn der Bewerber überhaupt für die Stelle in Frage kommt. Liegen dann mehrere Bewerber gleichauf, dann könnte es interessant sein, die Online-Profile der Bewerber als Ergänzung zum Arbeitszeugnis zu recherchieren. Entscheidend für den Bewerber ist also stets, dass er seine Bewerbung insgesamt stimmig formuliert, ein passendes Arbeitszeugnis (oder mehrere) bei Bedarf beilegt und weitere Referenzen anführt. Die im Internet vorhandenen Profile sollten natürlich dazu passen, eine Aufgabe die langfristig im Online-Reputation-Management zu gestalten ist.

Allgemein

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6 Kommentare zu “Aussagekraft von Arbeitszeugnis und Online-Profil”

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