Schenken aus der Sicht der Volkswirtschaftlehre

Jedes Jahr dominiert das Schenken zur Weihnachtszeit die Volkswirtschaft. Denn im Einzelhandel wird ein großer Teil des Jahresumsatzes durchs Schenken herbeigeführt. Ohne Schenken würde also die Volkswirtschaft noch stärker in die Krise kommen.

Allerdings gibt es auch aus der Sicht einzelnen Volkswirtschaftler starke Vorbehalte gegenüber dem Schenken, denn dieses sei in notwendiger Weise mit Verlust verbunden. Zu dem exponiertesten Vertreten dieser Vorbehalte gehört der Ökonom Joel Waldfogel, der davon überzeugt ist, dass praktisch jedes Schenken (nicht nur zu Weihnachten) mit einem starken volkswirtschaftlichen Verlust verbunden ist. Die Überlegung hinter dieser Behauptung findet sich in dem Argument, das derjenige, der den Schenken-Vorgang einleitet nie über ausreichend Informationen über denjenigen verfügt, der vom Schenken profitieren soll. BREAK

Man kennt das aus der eignen Praxis beim Schenken. Von Jahr zu Jahr fällt es schwieriger, ein angemessenes Geschenk zu finden, das der Beschenkte wirklich braucht. Also greift man möglicherweise zu Geschenken, für den der Beschenkte nur einen deutlich geringeren Wert zuordnet, als das Geschenk tatsächlich kostet. Schenkt man seinem Partner beispielsweise Parfüm oder Aftershave, dann wird man gerne zu besonders teuren Produkten greifen, damit das Geschenk auch etwas hermacht. Allerdings würde der Beschenkte normalerweise selbst nie soviel Geld für das Geschenk ausgeben, wenn er für sich allein Parfüm oder Aftershave kaufen würde. Der Differenzbetrag zwischen den eigenen Ausgaben und den Kosten des Schenkers sind wirtschaftlich betrachtet ein Verlust.

An Ansicht von Waldfogel werden jedes Jahr durch Geschenke vielfache Milliardenbeträge durch diese Verluste „verschenkt“, die man vermeiden könnte, wenn man auf Geschenke verzichtet.

Allerdings gibt es einige Einwände gegen diese volkswirtschaftliche Sicht auf die Geschenke. Wer sich intensiv das ganze Jahr über um die Wünsche seiner Geschenk-Partner bemüht, der wird ziemlich genau wissen, was man denn als Geschenk nehmen sollte. Notfalls kann man ja auch fragen oder einen Gutschein schenken. Dann bekommt der, der beschenkt werden soll, genau das, was er braucht und gewinnt zusätzlich noch dadurch, dass er sich daran erfreut, dass er persönlich bedacht wurde.

Aber das Geschenk muss schon passen. Wem nicht hierzu einfällt, der kann auch das Geschenk dann direkt als Spende an eine wohltätige Institution weiterleiten und dies dem Beschenkten mitteilen. Dann hat der Beschenkte keinen Verlust und kann sich daran freuen, dass in seinem Namen etwas Gutes getan wurde.

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