Videokonferenz vor deutschem Gericht

Eine Videokonferenz vor einem deutschen Gericht ist bisher die Ausnahme. Denn die Unmittelbarkeit der Konfrontation von Zeugen, Anklagevertretern und Angeklagten ist ein zentraler Aspekt der Wahrheitsfindung. Allerdings gibt es bereits die Videokonferenz, wenn für ein Opfer die persönliche Konfrontation mit dem Angeklagten nicht zumutbar ist.

Die Videokonferenz (oder Varianten hiervon) werden recht intensiv im Bereich der Unternehmenskommunikation und beim E-Learning eingesetzt. Auch hier ist die Auswirkung einer Videokonferenz nicht unumstritten, denn auch wenn die zeitgleiche Übertragung von Bild und Ton Unmittelbarkeit vermittelt, ist die Kommunikation in der Videokonferenz doch anders, als wenn die Beteiligten sich persönlich gegenüber sitzen. So konnte ich selbst als Moderator beim E-Learning feststellen, wie Teilnehmer die Umschaltsituation zwischen verschiedenen dominanten Kamera-Einstellungen während der Videokonferenz nutzen, andere Kommunikationsprozesse zu beginnen, als die offiziell für den Lernprozess während der Videokonferenz vorgesehenen.

Während solches Kommunikationsverhalten bei Videokonferenzen in Lernsituationen nur kontraproduktiv, aber nicht gefährlich für die Kommunikationspartner sind, könnte es bei Gerichtsverfahren anders aussehen. Das Bundesland Hessen hat mehrfach versucht die Videokonferenz vor Gericht vom Ausnahmefall zum regulären Bestandteil zu machen. Hierfür wurden Bundesratsinitiativen gestartet, die auch jetzt wieder erfolgreich waren. Die Videokonferenz im Gericht ist also gegenwärtig nur ein Gesetzesvorschlag des Bundesrates, der zunächst von der Bundesregierung geprüft wird, bevor er im deutschen Bundestag beraten werden kann. Wie man aus der Pressemeldung des Bundesrates lesen kann, ist der Vorschlag zur Videokonferenz bei Gericht ausschließlich mit Argumenten zur Flexibilität und zur Kostensenkung verknüpft.

Spannend ist aber die Frage, wie wirkt sich die Videokonferenz als Normalfall in einem Gerichtsverfahren auf die Kommunikation aus. Bereits im letzten Jahr hatten die Newsblogger von entsprechenden Videokonferenzen in Londoner Gerichtsverfahren berichtet, bei der man die Videokonferenz auch nutzte, um zu schnellerer Verurteilungen zu kommen, bei denen darauf verzichtet wurde, die Angeklagten persönlich dem Richter vorzustellen.

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