Der „Idiotentest“ oder die Medizinisch-Psychologische Untersuchung kommt auf den Prüfstand

„Idiotentest“ klingt nicht gut, doch in der Umgangssprache der Autofahrer konnte sich die offizielle Bezeichnung Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) nicht so recht durchsetzen. Es geht beim Idiotentest um eine solche medizinisch-psychologische Untersuchung, die Autofahrer zu bewältigen haben, wenn man ihnen den Führerschein entzogen hat und die Führerscheinstelle zur Wiedererlangung die charakterliche Prüfung der Eignung zum Autofahren angeordnet hat. Meist müssen Autofahrer diesen Idiotentest machen, weil sie mehrfach mit Alkohol am Steuer erwischt wurden. Dann sollen sie im Idiotentest dem Psychologen deutlich machen, dass in Zukunft solches Fehlverhalten nicht mehr von ihnen zu erwarten ist.

Der Begriff Idiotentest ist mehrfacher Hinsicht fehlerhaft, denn es geht nicht um die Intelligenz des Autofahrers. Der Psychologe, der den sogenannten Idiotentest durchzuführen hat, soll nicht die rationalen, sondern die emotionalen Fähigkeiten des Autofahrers prüfen. Ein erfolgreicher Idiotentest ist also dann abgeleistet, wenn der Autofahrer dem Experten in die medizinisch-psychologische Untersuchung vermitteln kann, dass er in Zukunft kompetenter mit seinem Alkoholkonsum umgehen wird. Natürlich reicht es nicht einfach aus, dass der Autofahrer im Idiotentest einfach behauptet, dass er nicht mehr Alkohol trinken wird, wenn er mit dem Auto fahren will. Die Psychologen haben eine Vielzahl von Techniken, solche Aussagen auf ihre Plausibilität zu prüfen.

Allerdings sind solche fachpsychologischen Einschätzungen nach einem Idiotentest auch subjektiv bzw. juristisch kaum prüfbar; möglichweise kommt der Begriff Idiotentest im Volksmund daher, dass man diejenigen zu Idioten erklärt, die nicht in der Lage sind, den Psychologen zu überzeugen. Immerhin fallen die Hälfte der 100.000 deutschen Autofahrer im Idiotentest pro Jahr durch.

Nun hat der Begriff Idiotentest sogar in den Sprachgebrauch der offiziellen Verkehrs-Experten des Verkehrsgerichtstags in Goslar Eingang gefunden, denn diese veranstalten diese Woche unter dem Thema Idiotentest auf dem Prüfstand eine Anhörung. Dabei geht es vor allem darum, den subjektiven Aspekt beim Idiotentest bzw. der MPU durch objektive Faktoren zu ergänzen. So sollte man sich als betroffener Autofahrer darüber klar sein, dass man beim Idiotentest nicht erfolgreich sein kann, wenn seine medizinischen Leberwerte im Widerspruch zu Aussagen der eigenen Abstinenz stehen.

An eine Abschaffung des Idiotentests ist aber nicht zu denken, denn Alkohol am Steuer ist eine der Hauptgründe für Verkehrsunfälle mit Todesfolge.

Auto & Verkehr

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