Fernbusse als Alternative zur Bahn?

Fernbusse gibt es schon länger. Sie ermöglichen das Zurücklegen langer Strecken, ohne eine Bahnkarte kaufen zu müssen. Vor einiger Zeit war aber ein neuer Mitbewerber für den Schienenverkehr wirksam geworden: Über die Website http://www.deinbus.de/ konnte man flexibel Fernverbindungen für Fernbusse buchen, wenn es mehrere weitere Interessenten für die gewünschte Strecke gab. Ein Versuch der deutschen Bahn, diesen Mitbewerber zu stoppen ist vorerst gescheitert: Die Bahn hatte sich daran gestört, dass auf bestimmten Strecken faktisch ein regelmäßiges Angebot zu Stande kam und die Position vertreten, dass solche Verbindungen ihr vorbehalten wären.

Das neue Startup für Fernbusse hat ein gänzliches anderes Modell als andere Verkehrsbetriebe. Dort gibt es feste Verbindungen, die zu vorbestimmten Zeiten durchgeführt werden, auch wenn keine oder nur wenige Kunden sich für eine Fahrt interessieren. Beim neuen Fernbus-Angebot kommt eine Verbindung erst zu Stande, wenn es genügend Interessenten gibt. Diese melden sich über die Internet-Plattform an und tragen ihre Wunschroute in einer Datenbank ein. Eine Verbindung wird erst dann umgesetzt, wenn eine Woche vor Abfahrt zehn oder mehr Reisende sich bereit finden, die entsprechende Route zu fahren.

Das neue Angebot ist also vor allem etwas für Langfristplaner. Da nur gut ausgelastete Fernbus-Verbindungen zustande kommen, ist das Angebot sehr preisgünstig und liegt oft sogar unter den Kosten für eine Mitfahrgelegenheit im Privat-PKW.

Die Bahn hatte sich daran gestört, dass in vielen Fällen aber faktisch eine reguläre und berechenbare Verbindung zu Stande kommt. Denn es gibt immer sehr viele Leute, die am Wochenende von Köln nach Frankfurt fahren wollen und deshalb ist der entsprechende Fernbus immer gut belegt. Doch das Landgericht Frankfurt hat diese Argumentation nicht als ausreichenden Grund angesehen, um das kreative neue Angebot zu stoppen. Nun lässt die deutsche Bahn durchblicken, dass sie möglicherweise auch stärker in das Geschäft mit den Fernbussen einsteigen will. Bahn-Vorstand Homburg sagte gegenüber der Financial Times Deutschland:

„Wir treffen umfangreichste Vorbereitungen, um selbst eine wichtige Rolle in diesem Markt zu spielen. Für den großen Busbetreiber, der wir auch sind, ist die Liberalisierung eine Chance, neue Kunden zu gewinnen, zum Beispiel von den Mitfahrzentralen. Für uns hängt viel von den konkreten Regeln ab, die der Gesetzgeber für dieses Jahr angekündigt hat.“

Die Bahn weist damit darauf hin, dass bereits im nächsten Jahr neue Liberalisierungsmöglichen im Verkehrswesen wirksam werden, die zu mehr Wettbewerb und zu mehr und besseren Angeboten für Verkehrskunden führen sollen. Bereits jetzt gibt es eine Vielfalt von Möglichkeiten auf Standard-Fernverbindungen: Neben der bequemen Bahn gibt es auch andere Alternative wie Busse, Carsharing oder Mitfahrzentralen. Gut wäre es, wenn es auch weitere Alternativen zu Verkehrsverbindungen gäbe, die bisher nur gering durch öffentliche Verkehrsmittel abgedeckt werden können.

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