Flugverspätung: Entschädigungen oft schwierig zu bekommen

Bereits vor einigen Monaten hatten wir hier auf dir-info.de über die Möglichkeit einer Entschädigung nach Flugverspätungen berichtet. Dieser Beitrag hat recht viele Kommentare hervorgerufen, aus denen deutlich wurde, dass es nicht unbedingt einfach ist, die Entschädigung nach einer Flugverspätung zu bekommen. Nun berichtet auch die taz, dass Fluggäste oft nach Flugverspätungen ohne Entschädigung auskommen müssen, weil sich die „Airlines drücken“ bzw. die Fluggäste den langwierigen und schwer einschätzbaren Rechtsweg scheuen.

Eigentlich ist die Regelung zur Entschädigung nach Flugverspätungen, die sich auf höchstrichterliche deutsche und europäische Entscheidungen bezieht, nicht schwer zu begreifen: Ergibt sich eine Flugverspätung von mehr als drei Stunden, dann sind (neben einem möglichen Schadensersatz) auch pauschale Entschädigungen fällig, die von der zurückgelegten Entfernungen abhängen. Allerdings brauchen die Fluggesellschaften dann keine Entschädigung zu zahlen, wenn die Flugverspätung durch außergewöhnliche Umstände zustande kommt, die als „höhere Gewalt“ außerhalb ihrer Handlungsmöglichkeiten liegen. Travelpedia nennt als Beispiel für solch höhere Gewalt den Vulkanausbruch auf Island, der vor einigen Monaten tagelang den Flugverkehr unterband oder erheblich störte.

In dem Hinweis auf höhere Gewalt liegt das Problem, wenn man eine Entschädigung nach Flugverspätung bekommen will. Sieht man ein Verspätungsereignis als höhere Gewalt an (z.B. weil das Wetter sich unberechenbar verschlechtert hat), dann hat letztlich der Verbraucher das Risiko, über einen längeren und schwer kalkulieren Prozess vergleichsweise geringen Entschädigungen einzuklagen; über die Prozessaussichten kann man je nach Einzelfall zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

Im oben verlinkten taz-Artikel wird dies sehr plastisch geschildert, denn eine Vielzahl solcher Streitfälle um Entschädigung nach einer Flugverspätung landen bei den Verbraucherzentralen, die es dann es nicht immer einfach haben, im Interesse von Betroffenen die Entschädigungen bei den Fluggesellschaften zu bekommen. So werde recht pauschal immer wieder auf höhere Gewalt verwiesen, um damit eine Entschädigungs-Zahlung abgeblockt. Allerdings schaffe es die Verbraucher-Beratung in vielen Einzelfällen dann doch noch, eine Entschädigung auf Basis von Kulanz zu bekommen.

Um noch mehr Klarheit um die Frage nach der Schwierigkeit des Erhalts von Entschädigungen nach Flugverspätungen zu bekommen, haben die Verbraucher-Zentralen eine Umfrage gestartet: http://www.vzb.de/fluggastbefragung. Hier können Betroffenen ihre Erfahrungen berichten; die Verbraucher-Zentralen werden die Ergebnisse dazu nutzen, bessere Bedingungen für die Betroffenen nach Flugverspätungen herauszuholen.

13 Antworten auf „Flugverspätung: Entschädigungen oft schwierig zu bekommen“

  1. Wir sollten am 24.02.11 um 11.00 h mit Air Berlin von Berlin nach Miami fliegen. Die Maschine, in der wir um ca. 11.30 h dann auch saßen, konnte nicht vollständig betankt werden, ein Ventil war lt. Aussage des Piloten deffekt. Alle raus, zurück ins Flughafengebäude, eine Maschine, die um 13.00 h aus Dubai kam, sollte dann unser Transportmittel nach Miami sein. Also um 14.00 h diese Maschine bestiegen, rollten auf die Startbahn und der Pilot (immer noch der Gleiche) gab verzweifelt die Durchsage, dass diese Maschine nicht abheben könnte, da das Weterradar ausgefallen sei und er es nicht verantworten könne über den großen Teich ohne Dieses zu fliegen. Um 17.00 h verließen wir den Flughafen und am nächsten Morgen um 07.15 h flogen wir dann mit dem reparierten Wetterradar nach Miami. Also 20 Stunden Verspätung! Ist dieser Fall also klar für eine Entschädigung und muss man sich hierfür einen Anwalt nehmen?

  2. Hallo,
    der von Ihnen geschilderte Sachverhalt ist komplex, was auch eine juristische Bewertung sehr schwierig machen wird. Generell ist es so, dass bei „höherer Gewalt“ (Ursache kann nicht auf den Vertragspartner zurückgeführt werden), es mit Entschädigungen schwierig wird. Einige der Punkte, die sie aufführen, können möglicherweise auf die Fluggesellschaft bezogen werden, andere eher nicht.

  3. Sehr geehrter Herr Meyer,

    welche der aufgeführten Punkte im oben geschilderten Sachverhalt können denn nicht auf die Airline zurück geführt werden?
    Nach meinen Recherchen zählen technische Defekte nicht zu außergewöhnlichen Umständen. Und in diesem Fall handelte es sich tatsächlich um zwei technische Defekte, ich war auf der gleichen Maschine gebucht…

  4. Möglicherweise haben Sie recht, aber ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass der geschilderte Sachverhalt komplex ist und daher sich eine juristische Bewertung als schwierig herausstellen könnte. Außerdem kann hier in diesem Blog auch keine juristische Beratung gegeben werden.

  5. Guten Tag,

    weil die Lufthansa Maschine bei der Ankunft und vor unserem Flug von Stockholm nach Hamburg in einen Schwarm Vögel geflogen ist, und kein Bodenpersonal am Flughafen mit geeigneter technischer Qualifikation war um ein Sicherheitszertifikat zu unterschreiben welches die Maschine als nach diesem Vorfall flugtauglich erklärt, konnte die Maschine nicht abheben und wir sind 7.5 Stunden verspätet nach Hamburg gekommen. Eine Bestätigung vom Bodenpersonal haben wir uns eingeholt.

    Lufthansa weigert sich zu zahlen, weil Sie meinen, dass die Verantwortung beim Flughafen liegt so einen ‚Fachmann‘ vor Ort zu haben.

    Meine Frage: Ist es nicht eigentlich Lufthansas Pilot der in den Schwarm rein geflogen ist und damit die Grundverantwortung fuer den Vorfall trägt? Sollte ich einen Anwalt nehmen? (es handelt sich um 500 € Ersatz)

    Beste Gruesse,

    Felix

    PS dieser Fall ist ernst gemeint

  6. Hallo Felix, Ihren Ärger kann ich verstehen, doch auch Ihr Fall (dessen zutreffende Beschreibung ich natürlich hier nicht recherchieren oder bestätigen kann) ist wie so oft komplex und schwierig in der juristischen Bewertung.

    Deshalb kann ich auch hier nur auf die schon oben abgegebenen Kommentare vom mir verweisen. Im Übrigen gilt natürlich in Bezug auf juristische Streitigkeiten der bekannte Juristenspruch: „Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand.“

  7. Hallo Herr Meyer,
    Was ist, wenn man mit einer Verspätung von Belo Horizonte (Brasilien) abfliegt und dann in Lissabon, obwohl man zur Boarding Time am Gate war, nicht auf den Flieger gelassen wird, weil nicht genug Zeit ist, um die Koffer auch noch auf die richtige Maschine zu bekommen?
    Gibt es zu einem solchen Fall vielleicht schon ein Gerichtsurteil, welches als Beispiel zitiert werden kann?
    Viele Grüße
    Beate

  8. Hallo Herr Meyer,
    ich hatte einen Flug von München nach Nizza gebucht. Planmässige Ankunftszeit:17:40 Uhr.
    Es wurde ein Koffer gesucht von einem Passageir, der nicht an Board war. Da Lufthansa den falschen Koffer ausgeladen hat und nochmals suchen musste, verzögerte sich die Zeit, dass die Crew ihre maximale Arbeitszeit erreicht hatte und wir mussten dann auf die Ersatzcrew warten! Verspätung waren 2,5 Stunden.
    Gibt es da Schadensersatz, außer die Verpflegung!
    Danke und bester Gruß,
    Yasmin

  9. Hallo Herr Meyer,
    wegen eines Triebwerkschadens hatte ich am 11.10.2011 auf meinem Rückflug von Kenia eine Verspätung von 5 Stunden. Erst jetzt wurde ich auf die Möglichkeit zur Schadensersatzforderung aufmerksam. Wie schnell muss eine solche Forderung denn beim Flugunternehmen eingegangen sein? Gibt es auch jetzt noch die Möglichkeit diese Forderungen geltend zu machen oder ist es dafür schon zu spät?
    Besten Dank
    Marie-Ann

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