300 Euro-Stipendium: das neue „nationale Stipendiensystem“?

Die Regierungsübernahme der schwarz-gelben Koalition in Berlin wurde bei der Bildungspolitik durch studentische Proteste kontrastiert, die vor allem an der Verschulung durch die neuen Bachelor-Studiengänge Kritik übten. Wenig beachtet wurde daher, dass die neue Regierung deutliche Verbesserung bei der materiellen Studienförderung versprach.

Hierzu gehören BAföG-Erhöhungen, aber auch eine neue Idee. Ein nationales Stipendiensystem soll mittels 300 Euro- Stipendium gezielt die leistungsstarken Studenten fördern, ohne Berücksichtigung von deren sonstigen finanziellen Hintergründen. Das würde bedeuten, dass alle Studenten unabhängig vom Einkommen der Eltern oder von eigenen Einnahmen zusätzlich ein 300-Euro-Stipedium pro Monat erhalten, wenn sie eine entsprechende Leistung ihrer Hochschule gegenüber nachweisen können. Allerdings gibt es gegen ein solches nationales Stipendiensystem starke Vorbehalte aus sozialpolitischer Sicht. Die Umsetzung des Projektes zum 300-Euro-Stipendium ist auch an viele Mitverantwortliche gebunden, so dass der geplante Termin für das 300-Euro-Stipendium als neues nationales Stipendiensystem im Oktober 2010 mehr als fraglich ist.

Der Grund für die Schwierigkeiten zur Umsetzung beim nationalen Stipendiensystem liegt an der Vielzahl der geplanten Teilnehmer. Neben Bund und Ländern sollen auch die Hochschulen und die Wirtschaft zur Finanzierung des 300-Euro-Stipendiums beitragen. Die staatlichen Instanzen sollen nur etwas die Hälfte des 300-Euro-Stipendiums geben, die andere Hälfte müssen bei Unternehmen oder Privatspendern eingeworben werden. Wie das praktisch möglich werden soll, damit man am Ende in berechenbarer Weise ein 300 Euro-Stipendium für die etwa 10 % der leistungsstärksten Studenten mit dem nationalen Stipendiensystem zusammenbekommt, bleibt vorerst unklar.

Der zweite Punkt der Kritik betrifft die mögliche soziale Schieflage beim 300 Euro-Stipendium. Würden hierdurch nicht indirekt nur die schon privilegierten Studenten gefördert? Spannend wird die Festlegung sein, wie und von wem denn die Leistungsstärke beim nationalen Stipendiensystem festgestellt wird. Deshalb fordert die Grüne Josefine Paul (die selbst noch studiert) mehr Bafög statt Elitenförderung. Bundesbildungsministerin Schavan hat auch auf andere Kritiker reagiert und jetzt zugestanden, dass soziales Engagement auch beim 300 Euro Stipendium berücksichtigt wird.

Jüngere Studenten oder Abiturienten, die vom neuen 300 Euro-Stipendium beim nationalen Stipendiensystem demnächst profitieren wollen, sollten die Diskussion um die Kriterien der Förderung genau verfolgen, damit sie gegebenenfalls schnell einen erfolgreichen Antrag auf ein 300 Euro-Stipendium stellen können.

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