Bilanz von Hartz IV: Aktivierungsmaßnahmen als Weiterbildung unterschiedlich erfolgreich

Fünf Jahre nach den Hartz IV-Reformen wäre es mal an der Zeit, sich über die Erfolge des Projekt Gedanken zu machen. Dies findet auch gegenwärtig statt, doch eine klare Tendenz ist nicht zu erkennen. Das liegt zum einen daran, dass die Arbeitslosenzahl auch bedingt durch die Wirtschaftskrise kaum die Chance hatte, deutlich niedriger als zu Beginn der Hartz-Reformen auszufallen. Dort waren immerhin bis zu 50 % niedrige Arbeitslosenzahlen angepeilt worden, möglicherweise ein Ziel das nicht aufgehen konnte. Anderseits ist es in den ersten Jahren gelungen, die Zahl der Arbeitsplätze im ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen. Der erste Arbeitsmarkt sind die sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer. Strittig ist allerdings, ob diese Jobs ausreichend langfriste Lebensgestaltung lassen. Denn viele neue Arbeitsplätze sind befristet und/oder Teilzeitarbeitsplätze.

Beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, hat man sich bereits Ende des letzten Jahres Gedanken darüber gemacht, ob denn die verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich der Hartz IV-Empfänger die Ansprüche auf „Fördern und Fordern“ erfüllen können (siehe Kurzbericht des IAB). Die Hartz-Reformen standen ja unter diesen Slogan. Weiterbildung sollte einerseits eine Fördern-Bedingung erfüllen: Sie muss die Chancen auf einen Job im ersten Arbeitsmarkt erhöhen. Weiterbildung sollte zugleich die Fordern-Bedingung erfüllen: Weiterbildung soll zugleich ein aktives Handeln der Arbeitslosen herausfordern.

Grundsätzlich wurden und werden drei Strategien von Weiterbildung angewandt, um Fördern und Fordern umzusetzen.

  • Bewerbungstraining: Hier wird in kürzeren Weiterbildungsmaßnahmen das Bewerberverhalten der Teilnehmer geschult; Lebensläufe und Bewerbungsanschreiben werden auf den neusten Stand gebracht; Bewerbungssituationen werden eingeübt.
  • Eignungsfeststellung: Hier wird überwiegend auf den Aspekt des Forderns gesetzt; denn mit einer Maßnahme zur Eignungsfeststellung soll geprüft werden, ob der Arbeitslose überhaupt eine ausreichende persönliche Eignung für berufliche Tätigkeit mitbringt. Es geht eher um die Überprüfung der beruflichen Fertigkeiten statt um ihre Entwicklung. Eine Eignungsfeststellung kann aber mit einer Trainingsmaßnahme kombiniert werden.
  • Kenntnisvermittlung: Diese werden sowohl als schulische wie als betriebliche Trainingsmaßname umgesetzt. Es geht zum Beispiel um die Vermittlung grundlegender EDV-Kenntnisse, die für eine elementare Nutzung eines modernen Office notwendig sind. Aber auch weitergehende Kenntnisvermittlungen hin zu komplexeren EDV-Fähigkeiten sind als Trainingsmaßnahme vorstellbar.

Die Untersuchung des IAB war wissenschaftlich ausgerichtet. Es wurden zufällig zwei Gruppen bestimmt, die gegenübergestellt wurden: Teilnehmer an entsprechenden Maßnahmen wurden mit einer Gruppe verglichen, die ebenfalls arbeitslos war und über die gleichen Merkmale verfügte, aber nicht durch eine Weiterbildungsmaßnahme gefördert wurde. Im zeitlichen Abstand konnte dann festgestellt werden, ob die Gruppe, die dem Konzept von Fördern und Fordern mittels Weiterbildung unterworfen worden war, eine bessere Vermittlungschance hatte.

Als erstes Ergebnis hält die Studie fest, dass durch die Bewerbungstrainings praktisch keine Effekte ausgelöst wurden. Generell gilt diese bemerkenswerte Feststellung für alle schulischen Weiterbildungsmaßnahmen. Demgegenüber waren die Weiterbildungsmaßnahmen im betrieblichen Umfeld deutlich erfolgreich. Das gilt sowohl für die Eignungsfeststellung wie für die Kenntnisvermittlung und für die Kombination dieser Maßnahmen. Logische Schlussfolgerung aus meiner Sicht: Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose sollten betrieblich fundiert sein, bzw. einen starken Anteil an betrieblicher Praxis ausweisen.

Es bleibt abzuwarten, ob die gegenwärtige Diskussion um Hartz IV diese bemerkenswerten Ergebnisse der IAB-Studie berücksichtigen wird. Wie ein Beitrag auf der Handelsblatt-Website zeigt, diskutiert man in Berlin gegenwärtig noch bei anderen Baustellen. Notwendige Veränderung im Weiterbildungsansatzes von Fördern und Fordern sollten in die Diskussion hinzugenommen werden.

3 Antworten auf „Bilanz von Hartz IV: Aktivierungsmaßnahmen als Weiterbildung unterschiedlich erfolgreich“

  1. Die unterschiedlichen Ergebnisse sind meiner Erfahrung nach auch darin begründet, dass die Argen und alle neu entstandenen kommunalen Zusatzverwaltungen versagt haben. Sie haben nicht nach dem Prinzip Casemanagement gearbeit. Im Vordergrund stand die verwaltungstechnische Abwicklung.
    Oder im Klartext: Perspektiven wurden nicht entscheidungsgebündelt erarbeitet.

  2. Dem kann ich aus eigener Erfahrung unumschränkt zustimmen. Wenig beachtet wurde, dass im Zusammenhang mit den Hartz IV Gesetzen, Weiterbildung und Placement eingeschränkt wurde. Beide Aufgaben können aber nur erfolgreich mit hohem Anteil an pers. Betreuung umgesetzt werden. Das haben Sie wohl mit Case-Management angesprochen.

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