Coaching statt Seminar: Der neue Trend der Weiterbildung?

Unter Weiterbildung wird immer noch sehr stark das Seminar verstanden. Eine kleine oder größere Gruppe von Seminar-Teilnehmen gruppieren sich um einen gut informierten Dozenten, der dann die Gruppe und jeden Einzelnen durch das Seminar nach vorne bringt. Schon vor einigen Jahren ist dieses Konzept durch E-Learning in die Kritik gekommen. Mit E-Learning gelinge es besser, die Unterschiedlichkeit der Seminar-Teilnehmer zu berücksichtigen, denn diese könnten im gewissen Rahmen die Zeit und die Art der Seminar-Nutzung selbst bestimmen. Die Aussage, dass durch E-Learning das herkömmliche Seminar überwunden wird, hat sich aber bisher noch nicht bestätigt. Denn die Verschiebung der Kommunikation auf elektronische Systeme verhindert auch die notwendige Face-to-Face-Kommunikation, ein starkes Mittel zur Förderung des Lernprozesses beim Seminar.

Nun gibt es als neuen Trend das Coaching, das auch das Seminar überflüssig machen soll. Jochen Mai berichtet in seinem Karriere-Blog von einer Untersuchung des Institute of Executive Development bei dem sich herausstellte, dass zwei Drittel der Personalverantwortlichen davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren Coaching das herkömmliche Seminar in den Hintergrund drängen werde. Dies gelte auch, wenn das Seminar einen stark erlebnisorientierten Aspekt habe.

Das Seminar werde überwunden durch Einzelschulungen „Manager unterstützen Manager“ schreibt Haufe Personal und lässt damit die Frage offen, ob es hier überhaupt um Coaching im ursprünglich verstandenen Sinne geht. Auf dir-Info habe ich mich intensiv mit dem Thema Coaching auseinandergesetzt. Coaching ist eine Beratungsform, bei der die ganze Persönlichkeit involviert ist. Ein Seminar bei dem es darum geht, dass man bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten gewinnt, wird nicht dann bereits durch Coaching überwunden, wenn diese einzelne Fähigkeit nicht von einem Seminar-Leiter sondern von einer Einzelperson gegenüber einen anderen Einzelperson geschult wird.

Diese wäre eine stark verkürzte Form von Coaching, bei dem der Unterschied zu einer Seminar-Instruktion allein darin liegen soll, dass es keine Seminar-Situation sondern eine Einzelgesprächs-Situation gibt. Coaching ist mehr als Schulung, wie sie auch in einem Seminar Ziel sein kann. Es geht beim Coaching um die ziel- und lösungsorientierte Unterstützung von Klienten, um diesen eine Steigerung ihrer kommunikativen Möglichkeiten zu geben. Coaching soll weitergehend als ein herkömmliches Seminar zu einer Förderung von Selbstreflexion motivieren und dazu beitragen, dass eine Verbesserung von Wahrnehmung im Erleben und im Verhalten möglich wird.

Genau wie Klaus C. Marwitz gehe ich davon aus, dass es sich beim Konzept Coaching statt Seminar um eine Fehleinschätzung handelt. Schließlich sollte man auch bedenken, dass ein Seminar viele Vorteile gegenüber dem Coaching hat und damit sind nicht in erster Linie die finanziellen Vorteile gemeint. Das Seminar ermöglicht das gemeinsame Lernen einer Gruppe an einen vorgegebenen oder selbstbestimmten Gegenstand. In der Auseinandersetzung mit dem Seminar-Leiter und den Seminar-Teilnehmen wird eine Qualifikation geschult, die über ein Coaching nur indirekt vermittelbar ist: Soziale Kompetenz im Umgang mit Vielzahl von Anderen.

2 Antworten auf „Coaching statt Seminar: Der neue Trend der Weiterbildung?“

  1. Hallo, das in einen Seminar die soziale Kompetenz geschult werden ist un umstritten. Hinzu kommen die Nutzung von Scalen Effekten. Aus meiner Erfahrung wird im management mehr Wert auf spezifischen Fachcoachings gelget. Dies liegt mit unter an der hohen effizienz solcher Coaching Maßnahmen. Ich gehe auch davon aus das es weiterhin Seminare geben wird. Vielleicht in einer anderen Form. Aber ich bin auch davon überzeugt dass der Einsatz von Coachings von Felderfahrenen Coaches weiter an steigen wird.

  2. Seminare und Coaching sollten in Zukunft kombiniert werden:
    Der Trainer ist vor und nach dem Seminar für jeden Teilnehmer „Coach“ – er hilft Teilnehmern sich auf das Seminar vorzubereiten und unterstützt den Teilnehmer nach dem Seminar, die Inhalte in die Praxis umzusetzen.
    Trainer sollten entsprechend auch coachen können und Coachs auch Seminare durchführen können.

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