Compliance-Regeln: Unternehmen und Recherche in sozialen Netzwerken

Generell muss man als Bewerber bei einem Unternehmen davon ausgehen, dass die Personalabteilung auf alle Recherchemöglichkeiten zurückgreift, die das moderne Internet ihr bietet. So müssen Bewerber damit rechnen, dass ihre öffentlich einsehbaren Profile in sozialen Netzwerken (wie Facebook oder XING) bei der Bewerbung Berücksichtigung finden. Oft werden Business-Profile bei XING auch genau für diesen Zweck angelegt. Womit man aber nicht rechnet ist wohl, dass interne Informationen in sozialen Netzwerken für Freunde auch Berücksichtigung bei der Personalauswahl findet. Nun hat der Arbeitgeber Deutsche Bahn mit seinen Mitarbeitervertretungen geeinigt, wie genau Datenquellen für die Personalauswahl und Personalbeurteilung genutzt werden können. Die Financial Times Deutschland (FTD) sieht in den neuen Vereinbarungen zum Datenschutz von Mitarbeiterinformationen eine wegweisende Bedeutung.

Hintergrund der neuen Datenschutz-Initiative sind verschiedene Datenschutz-Affären von deutschen Großunternehmen in den Jahren 2008 und 2009. Teilweise zur Korruptionsbekämpfung, teilweise um die Weitergabe von internen Unternehmensinformationen aufzudecken, wurden umfangreiche Maßnahmen ergriffen, die oft weit über das Maß hinausgingen, dass von einem gesetzeskonformen Arbeitgeber erwartet werden kann. Es ist daher nicht überraschend, dass man beim Staatskonzern Deutsche Bahn jetzt als Erste Konsequenzen zum Mitarbeiter-Datenschutz zieht, denn hier ist die Struktur der Mitarbeiter-Vertretung besonders wirksam aufgestellt.

Laut FTD werden der Verwendung von Mitarbeiterdaten deutlich engere Grenzen gesetzt, als man sie üblicherweise erwarten kann. Auch die Mitbestimmungsrechte der Mitarbeitervertretungen würden deutlich ausgeweitet. So dürfen personenbezogene Daten von Mitarbeitern bzw. Bewerbern nur noch in schriftlich vereinbarten Computer-Systemen genutzt werden. Damit einhergehend werden die Zwecke der Datenerhebung eng definiert. Und die Mitarbeitervertretung könne verhindern, dass man interne Ermittlungen aufnehme, wenn man sich nicht mit ihr konkret darauf verständigen könne.

Auf Webseiten findet man konkrete Infos zum Umgang mit Bewerberdaten. Diese müssten direkt beim jeweiligen Bewerber erhoben werden, die Nutzung von sozialen Netzwerken im Internet werde kategorisch ausgeschlossen.

Möglicherweise werden diese neuen „Compliance-Regeln“ vorbildlich für deutsche Großunternehmen oder Unternehmen bei denen die Mitarbeitervertretung eine starke Position hat. Das sollte aber nicht dazu verleiten, in sozialen Netzwerken unvorsichtig zu agieren. Insbesondere sollte man darauf achten, wie das eigene Profil für Außenstehende und allgemeine Nutzer des sozialen Netzwerkes aussieht. Denn das Internet als Recherche-Quelle ist für Personal-Verantwortliche jederzeit verfügbar; auch wenn die Compliance-Regeln die Verwendung der gefundenen Daten untersagt.

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