Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun zur Effektivierung beruflicher Kommunikation nutzen

Der Kommunikationsexperte Friedemann Schulz von Thun ist schon lange im Bereich des Kommunikationstrainings erfolgreich tätig und hat über sein Hamburger Institut und die Hamburger Uni kreativ auf die Diskussion um effektive Kommunikation eingewirkt. In pädagogischen Kreisen ist er sehr bekannt, da man besonders in Schulen und anderen Ausbildungsstätten seine praktischen Modelle kommunikativen Verhaltens gern aufgegriffen hat, um Schwierigkeiten in der Kommunikation besser zu verstehen und zu verbessertem kommunikativen Verhalten zu kommen.

Besonders bekannt ist Friedemann Schulz von Thun durch seine Buchreihe „Miteinander reden“, die in hohen Auflagen von Rowohlt publiziert wird. Zentrales Element seines Ansatzes ist das Kommunikationsquadrat, das deutlich macht, das jede kommunikative Handlung gleichzeitig auf 4 Ebenen abläuft: Jede kommunikative Verhaltensweise (also zum Beispiel die Anweisung eines Chefs an einen Mitarbeiter) ist hinsichtlich dieser Ebenen unterschiedlich zu bestimmen (vgl. auch die Webseite http://www.schulz-von-thun.de/mod-komquad.html, insb. die Grafiken).

Dies kann man an einem Beispiel verdeutlichen. Chef zum Mitarbeiter: „Prüfen Sie bitte Ihre Kalkulation nochmals nach!“ Zunächst bezieht sich der Chef auf eine Sachinformation (eine bestimmte Kalkulation, die der Mitarbeiter für ihn angefertigt hat). Gleichzeitig ist die Aussage des Chefs eine Aussage darüber, wie er die Beziehung sieht, etwa in dem Sinne, dass er zum Ausdruck bringt, dass er derjenige ist, der hier Anweisungen geben kann. Weiterhin könnte die Aussage des Chefs so gedeutet werden, dass er Fehler oder Mängel an der Kalkulation befürchtet. Diese Selbstkundgabe ist allein an dem beispielhaften Satz nicht einfach abzuleiten. Hier müssten noch weitere Informationen aus der Situation vorliegen. Deutlich hingegen ist der Aspekt des Appels: Der Chef bittet den Mitarbeiter, etwas Bestimmtes zu tun.

Grundsätzlich ist jede Aussage in diese 4 Ebenen zu unterteilen: Sachaussage, Beziehungsaussage, Selbstaussage und Appel. Kompliziert wird die Kommunikation noch dadurch, dass Sender und Empfänger der Botschaft möglichweise ihren Schwerpunkt auf unterschiedliche Ebenen legen. Während der Chef nur die Sachaussage oder den Appel im Blick hat, hört der Mitarbeiter eine Kritik an seiner Arbeit oder seiner Person. Damit sind Konflikte in der Kommunikation vorprogrammiert.

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun kann für beteiligte Kommunikationspartner in der beruflichen Kommunikation genutzt werden, wenn sich beide Seiten darum bemühen, jeweils alle Seiten einer Botschaft zu hören und in ihre Reaktionen einzubeziehen. Der Chef kann sich überlegen, wie er deutlich macht, dass er im konkreten Fall keine Kritik sondern lediglich eine erneute Prüfung aus Sicherheitsgründen veranlassen will. Der Mitarbeiter könnte eine vermeintlich oder tatsächlich gehörte Kritik thematisieren und durch „aktives Zuhören“ in den Kommunikationsprozess einbeziehen.

Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun ist seit Jahren ein sehr erfolgreich eingesetztes Analyse-Instrument in Kommunikationstrainings von Managern und Mitarbeitern. Förderlich für die Effektivierung beruflicher Kommunikation wäre es auch, wenn dieses und andere Kommunikationskonzepte in der tatsächlichen beruflichen Alltagskommunikation verbalisiert würden, damit es stärker gelingt, die Praxis der Kommunikationsseminare im Alltag der Kommunikation wirksam werden zu lassen.

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